Winterthur: Immer mehr Lädeli finden keine Nachfolger

Corinne Päper
Corinne Päper

Winterthur Stadt,

Viele Geschäftsinhaber kommen ins Rentenalter und nicht immer gibts eine Nachfolge. Doch es geht auch anders.

Eliane Brwon (links) übergibt ihr Geschäft Tearoom Teekult an Milena Brotherwood.
Eliane Brown (links) übergibt ihr Geschäft Tearoom Teekult an Milena Brotherwood. - Corinne Päper

Erst kürzlich schlossen alteingesessene Läden wie das «Traité» an der Stadthausgasse oder das «Geissberger’s Culinarium» in Oberwinterthur, weil deren Inhaber in den Ruhestand traten.

Das Problem wird nicht kleiner, sagt Gregor Knoblauch, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Winterthur: «Aktuell stehen in der Schweiz über 90’000 kleinere und mittlere Unternehmen vor einer Firmenübergabe. Das sind fast 15 Prozent aller KMU. Darunter sind viele Ladenbesitzer.»

Finden diese keine Nachfolge, verschwindet das Geschäft schnell aus der Ladenlandschaft. Das sei häufig unnötig, sagt Carla Kaufmann, Inhaberin von companymarket.ch, einer digitalen Marktplatz-Plattform zur Abwicklung von Firmenverkäufen.

«Viele Geschäfte geben nicht auf, weil ihnen die Kundschaft fehlt, sondern weil sie keine Nachfolge finden. So verschwinden Betriebe, die durchaus weitergeführt werden könnten.»

Frühzeitig planen

Dass es anders gehen könnte, bestätigt auch Knoblauch. Für ihn scheitert die Geschäftsübergabe eher an der mangelnden Planung und den unrealistischen Erwartungen vieler Firmeninhaber als am fehlenden Interesse möglicher Käufer.

Ein Schild mit der Aufschrift «geschlossen».
Finden Besitzer keine Nachfolge, verschwindet das Geschäft schnell aus der Ladenlandschaft. (Symbolbild) - keystone

Sich frühzeitig mit seiner Nachfolge zu befassen, lohne sich, um sich mehr Spielraum zu verschaffen. «Beispielsweise, um die nächste Generation schrittweise im Geschäft einzuarbeiten, den Betrieb an die Mitarbeitenden zu verkaufen oder es in einem Partnerschaftsmodell weiterzuführen», ergänzt Jakob Bächtold, Geschäftsführer von House of Winterthur.

Treuhänder unterstützte

Eine, die sich frühzeitig mit ihrer Nachfolge beschäftigte, ist Eliane Brown, die den Tearoom Teekult an der Steinberggasse während 19 Jahren bis Ende Juni 2026 leitete.

«Vor drei Jahren befasste ich mich erstmals mit der Geschäftsübergabe. Mein Mietvertrag wäre 2027 ausgelaufen und ich wollte nicht mehr fünf Jahre weitermachen», sagt sie.

Weil ihr das Knowhow fehlte, habe sie sich einen Treuhänder gesucht, der sie im Nachfolgeprozess unterstützte. «Er hat die Unternehmensbewertung gemacht, die Gespräche mit Interessenten geleitet und sich mit allen rechtlichen Fragen auseinandergesetzt.»

Machst du dir Sorgen aufgrund von verschwindenden Geschäften in den Innenstädten?

Um potenzielle Nachfolger auf ihr Geschäft aufmerksam zu machen, schaltete Brown verschiedene Inserate. Etwa auf Ron Orp, auf einer Plattform für Unternehmensverkäufe sowie im Newsletter der Jungen Altstadt.

Unter den Bewerbungen befand sich auch jene von Milena Brotherwood, die dem Laden und dem dazugehörigen Tearoom nun neues Leben einhaucht. Das war Brown wichtig: «Ich wollte, dass auch der Laden weiter läuft und nicht nur der Tearoom.»

Neue Angebote geplant

Im Januar 2026 begann die Einarbeitung. Das erwies sich auch als notwendig: «Es gibt extrem viel Administratives zu bewältigen», sagt Brotherwood.

«Ich musste zunächst alle Prozesse verstehen, etwa, wie eine Bio-Zertifizierung abläuft oder was die Verträge mit Banken, Onlineshops oder den Terminal-Anbietern beinhalten.»

Um sich mit der Stammkundschaft vertraut zu machen, stand sie in den vergangenen Wochen vermehrt selbst im Laden. «So lernten mich die Kunden frühzeitig kennen und waren nicht überrascht, als Eliane nicht mehr da war.»

Brotherwoods Pläne für den Betrieb? «Ich werde vermehrt mit Selbstständigen zusammenarbeiten, die Glacé herstellen, backen und die Gäste bedienen. Geplant sind zudem verschiedene Veranstaltungen. Ausserdem werden wir im Sommer vor dem Lokal Tische und Stühle aufstellen und auch draussen bedienen.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.

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