Unispital Zürich führt Personalstopp bei Hebammen ein

Die Schweiz steckt im Baby-Tief. Das Unispital Zürich stellt deshalb keine neuen Hebammen mehr ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Geburtenzahl am Unispital Zürich ist um rund 600 Kinder gesunken.
- Bei den Hebammen kommt es deshalb zu einem Einstellungsstopp.
- In anderen Spitälern haben die Hebammen hingegen genug zu tun.
Im Universitätsspital Zürich erblicken immer weniger Kinder das Licht der Welt. 2019 wurden dort noch knapp 3000 Kinder geboren.
Inzwischen ist die Zahl auf rund 2400 Kinder gesunken.
Damit folgt das Spital einem nationalen Trend. 2014 betrug die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau 1,29. Es ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.
«Werden nicht mehr nachrekrutiert»
Auch am Universitätsspital Zürich (USZ) merkten sie die niedrige Geburtenzahl, sagt Moritz Suter, Mediensprecher des Spitals zu Nau.ch. Dies habe einen tieferen Bedarf an Hebammen zur Folge.
Dementsprechend passt die Klinik für Geburtshilfe laut Suter die Hebammenstellen ebendiesem Bedarf an.
«Konkret hat das zur Folge, dass durch normale Fluktuationsprozesse freigewordene Hebammenstellen nicht mehr nachrekrutiert werden», sagt Suter. Entlassungen habe es keine gegeben.
Entwicklung werde genau beobachtet
Die Hebammen bangen aber nicht um ihre Jobs.
«Hebammen werden im Gesundheitssystem immer gebraucht werden», sagt Silvia Ammann-Fiechter. Sie ist Präsidentin der Berufskonferenz Hebamme. Hebammen seien in der Geburtshilfe, aber auch in der sexuellen und reproduktiven Gesundheit unerlässliche Fachkräfte.
In Krisen- und unsicheren Zeiten, sowie in den Jahren danach, sei es immer zu Geburtenrückgängen gekommen, sagt Ammann-Fiechter. Ob dieser Trend langfristig anhalten werde oder nur ein vorübergehender Zyklus sei, wüssten sie im Moment nicht. Es gebe viele mögliche Hypothesen und sie beobachteten die Entwicklung sehr genau.
«Stellen werden rasch gestrichen»
Silvia Ammann-Fiechter bedauert jedoch das Vorgehen einiger Spitäler. «Leider beobachten wir, dass Spitäler bei sinkenden Geburtenzahlen und bei teils schon prekären Arbeitsbedingungen rasch Stellen streichen.»
Im umgekehrten Fall sei dies oft nicht der Fall. «Und lange und zähe Verhandlungen sind nötig, um einen adäquaten Stellenschlüssel für eine gute Betreuungsqualität zu erreichen.»
Dies bedauert der Verband sehr, sagt die Präsidentin. «Denn eine gute Betreuung am Start des Lebens hat Auswirkungen auf die langfristige Familiengesundheit.»
Stadtspital beschäftigt mehr Hebammen
Das Unispital Zürich scheint ein Ausreisser zu sein. Denn: Sämtliche weiteren Geburtskliniken, welche Nau.ch angefragt hat, freuen sich über genügend Geburten.
«Im Stadtspital Zürich sind die Geburtenzahlen seit Jahren steigend», sagt Maria Rodriguez. Sie ist Mediensprecherin des Stadtspitals Waid und Triemli. Deshalb beschäftigten sie nicht weniger, sondern mehr Hebammen.

Ähnlich klingt es beim Kantonsspital Aarau: «Wir verzeichneten 2024 eine Zunahme von 82 Geburten im Vergleich zum Vorjahr». Dies sagt Joël Hoffmann, Mediensprecher des Kantonsspitals Aarau.
Insgesamt wurden dort 2024 über 2050 Neugeborene entbunden. Im dazugehörigen Geburtshaus kamen 150 Kinder zur Welt – 2023 waren es 110 Kinder.
Geburtenrekord im Oktober
Auch in der Frauenklinik des Berner Inselspitals haben die Hebammen genug zu tun.
«Während 2024 schweizweit gesunken ist, verzeichnen wir weiterhin stabile Geburtenzahlen», sagt Didier Plaschy. Er ist Mediensprecher des Inselspitals. 2024 wurden dort 2075 Kinder geboren, 2023 waren es über 2200 Neugeborene.
Das Kantonsspital St.Gallen meldet «alleine im Oktober» 227 Geburten. Bis Ende Jahr rechnet das Spital, mindestens auf Vorjahresniveau zu liegen.
«Höchstwahrscheinlich aber sogar darüber», sagt Mediensprecher Philipp Lutz. 2024 kamen am Kantonsspital St.Gallen insgesamt 2176 Kinder zur Welt.
«Überfluss an Hebammen in städtischen Gebieten»
Warum spürt nur das Unispital Zürich den schweizweiten Geburtenrückgang, sodass es einen Einstellungsstopp bei den Hebammen verhängen muss?
«Werden Geburtsabteilungen geschlossen, gehen Frauen zur Geburt in der Regel in das nächstgelegene grössere Spital oder Geburtshaus», sagt Moritz Suter. Dies betreffe Frauen, die eine problemlose Geburt erwarteten.
«Die in den letzten Jahren geschlossenen Geburtsabteilungen liegen ausserhalb des primären Einzugsgebiets des USZ», sagt er. Deshalb wirke sich die Verlagerung von Geburten nicht signifikant auf das USZ aus.
Die Präsidentin der Berufskonferenz Hebamme stellt beim Angebot von Hebammen zudem «klare regionale Unterschiede» fest. «Grob gesagt beobachten wir eher einen Überfluss in städtischen Gebieten und eher einen Mangel in ländlichen Gebieten.»









