Unispital Zürich: Carrel äussert sich zum Untersuchungsbericht

Die Fehler am Unispital Zürich erschüttern das Patientenvertrauen. Nun äussert sich Herzchirurg Thierry Carrel zu Untersuchungsbericht und Vertrauensverlust.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwischen 2016 und 2020 passierten am Unispital Zürich gravierende Behandlungsfehler.
- Nun äussert sich der bekannte Herzchirurg Thierry Carrel zur Situation am Unispital.
- Der Reputationsschaden für das Spital sei erheblich, erklärt er bei Nau.ch.
Seit Dienstag ist klar: In der Herzchirurgie am Unispital Zürich sind zwischen 2016 und 2020 gravierende Fehler passiert.
Eine unabhängige Untersuchung bringt ans Licht, dass es in dieser Zeit zu einer Übersterblichkeit gekommen ist. Elf besonders auffällige Todesfälle wurden gar angezeigt und werden von der Staatsanwaltschaft untersucht.
Besonders erschreckend: Die gravierenden Fehler am Unispital sind auf Führungsversagen zurückzuführen.
Ein Umstand, der das Patientenvertrauen in das renommierte Spital erschüttert, wie die Schweizerische Patientenorganisation am Mittwoch bei Nau.ch erklärte.
«Reputationsschaden» für das Unispital Zürich ist «erheblich»
Nun meldet sich auch der bekannte Schweizer Herzchirurg Thierry Carrel rund um die Fehler am Unispital Zürich zu Wort. Er hatte von 2021 bis 2022 geholfen, die Herzchirurgie am Unispital wieder zu stabilisieren.

Gegenüber Nau.ch erklärt er: «Ich bin überzeugt, dass der Reputationsschaden für das Universitätsspital erheblich sein dürfte.»
Denn, so Carrel: «Wer hätte gedacht, dass ein solcher Skandal an einem der grössten Spitäler der Schweiz stattfinden könnte?»
«Jede Panne im Gesundheitssystem ist hochproblematisch»
Der Bericht sei für die Verarbeitung der Vorfälle von höchster Bedeutung. Doch: «Ein schriftlicher Bericht, so scharf er auch sei, kann den Reputationsschaden nicht beseitigen.»
Er könne aber dazu beitragen, «Prozesse und Abläufe zu verbessern oder zu korrigieren.»
Denn: «Im Spital arbeiten viele Menschen in den unterschiedlichsten Berufen. Jeder muss sich nun erst recht bemühen, ausgezeichnete Arbeit zu liefern.»
Zum Thema Vertrauen meint der renommierte Herzchirurg: «Grundsätzlich ist jede Panne im Gesundheitssystem hochproblematisch. Und wenn etwas Ungutes an einem Spital passiert, verbreitet sich das wie ein Lauffeuer.»
Carrel mahnt: «Vertrauen geht schnell verloren»
Bestimmt würden die Probleme am Unispital Zürich auch Patientinnen und Patienten aus anderen Spitälern beschäftigen, meint Carrel. «Aber der Schaden und der Vertrauensverlust sind dort am grössten, wo ein grosses Problem oder eben sogar ein Skandal auftrat.»
Das Problem: «Vertrauen geht schnell verloren. Es braucht viel Zeit und Einsatz, bis es wieder aufgebaut ist.»

Wichtig sei es, sich Zeit für das Kennenlernen mit seinen Patientinnen und Patienten zu nehmen.
Dies vor allem in der Herzchirurgie. Denn dort habe «der Mediziner im wahrsten Sinne des Wortes das Herz des Patienten oder der Patientin in der Hand».










