So wirkt sich Unispital-Bericht auf Patientenvertrauen aus

In der Herzchirurgie des Unispitals Zürich hat es gravierende Fehler gegeben, bestätigt ein Bericht. Das Vertrauen der Patientinnen und Patienten leidet.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwischen 2016 und 2020 passierten am Unispital Zürich gravierende Behandlungsfehler.
- Das erschüttere verständlicherweise das Vertrauen der Patienten, so die SPO.
- Es müsse sich etwas an der Fehlerkultur im Gesundheitswesen ändern.
Am Dienstag kam aus, was seit Jahren vermutet wird: Am Unispital Zürich sind zwischen 2016 und 2020 teils gravierende Fehler in der Herzchirurgie passiert.
Das geht aus einer unabhängigen Untersuchung hervor, welche das Unispital selbst in Auftrag gegeben hatte.
Für die betroffenen Jahre konnte in der Herzchirurgie eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patientinnen und Patienten nachgewiesen werden. Elf besonders auffällige Todesfälle wurden vom Spital angezeigt.
Ausserdem kam es auch in 13 Fällen zu einem unangemessenen Einsatz von Medizinprodukten. Auch in diesen Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Der Bericht zeigt auch: Die gravierenden Fehler am Unispital sind auf Führungsversagen zurückzuführen. Ein Umstand, der das Vertrauen in das renommierte Spital erschüttert.
Bericht löst «verständlicherweise Verunsicherung aus»
Susanne Gedamke, Geschäftsführerin der Schweizerischen Patientenorganisation (SPO), erklärt dazu gegenüber Nau.ch: «Die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung am Universitätsspital Zürich sind aus Patientensicht sehr schwerwiegend.»
Der Bericht könne bei Patientinnen und Patienten «verständlicherweise Verunsicherung auslösen». Besonders bei Menschen, die vor «einem grossen Eingriff stehen». Oder bei Personen, die bereits belastende Behandlungserfahrungen gemacht hätten.
Gedanke findet aber: «Gleichzeitig ist es wichtig, daraus keine pauschale Verunsicherung gegenüber der gesamten Schweizer Spitalversorgung abzuleiten.»
«Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Probleme verschwiegen werden»
Denn viele Patientinnen und Patienten erführen in Schweizer Spitälern eine sorgfältige und engagierte Behandlung. «Gerade deshalb sind Transparenz, unabhängige Aufarbeitung und konsequentes Lernen aus Fehlern zentral», so die Geschäftsführerin der SPO.
Sie erklärt: «Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Probleme verschwiegen werden. Sondern dadurch, dass sie ernst genommen, aufgearbeitet und strukturell behoben werden.»

Zum Fall am Unispital Zürich meint die SPO-Geschäftsführerin: «Aus Sicht der SPO zeigt der Fall auch, wie wichtig eine echte Fehlerkultur im Gesundheitswesen ist.»
Leider komme es allerdings immer wieder vor, «dass Fehler nicht offen und transparent kommuniziert» würden.
«Das Ziel muss sein, Fehler transparent zu kommunizieren»
Das habe auch mit «den haftungsrechtlichen Rahmenbedingungen» zu tun. Und mit «der Angst von Fachpersonen vor rechtlichen Konsequenzen».
Für Patientinnen und Patienten sei dies sehr belastend. Denn es erschwere die Beziehung zur behandelnden Fachperson und beschädige das Vertrauen zusätzlich.
«Die SPO setzt sich deshalb dafür ein, dass die Aufarbeitung von Behandlungsfehlern stärker von einer reinen Schuldlogik entkoppelt wird. Das Ziel muss sein, Fehler transparent zu kommunizieren und gleichzeitig aus Fehlern lernen zu können.»
«Vertrauen ist nicht selbstverständlich»
Susanne Gedamke gibt, was das Vertrauen in die Schweizer Spitäler angeht, jedoch auch Entwarnung: «Grundsätzlich beobachten wir, dass das Vertrauen in die Schweizer Gesundheitsversorgung weiterhin hoch ist.»

Doch: «Dieses Vertrauen ist aber nicht selbstverständlich.»
«Patientinnen und Patienten erwarten zu Recht, dass Qualität, Patientensicherheit, Aufklärung und der Umgang mit Interessenkonflikten nicht nur intern geregelt werden. Sondern auch nachvollziehbar überprüft und transparent gemacht werden.»










