Über 2000 Bilder: Zürcher Künstler malt auch mit 84 noch jeden Tag

Heinz P. Läuchli ist 84 und malt noch täglich. Sein Atelier ist zugleich seine Wohnung.

Das Atelier des Malers Heinz P. Läuchli ist gleichsam seine Wohnung. Der 84-jährige Zürcher kann die Finger immer noch nicht von Pinsel und Farben lassen, sein tägliches Malen ist Programm
Heinz P. Läuchli malt sein Leben lang. Im Alter von 14 Jahren bringt ihm Onkel Otto Läuchli – Kaminfeger und Landschaftsmaler – das Malen mit Ölfarben bei.
«Nach der Schule ging ich oft zu ihm, er lehrte mir das Mischen von Farben und liess mich auch mal an seinem Werk mitarbeiten, etwa beim Ausmalen des Himmels.»

Das Papier für die ersten zeichnerischen Versuche kam vom Vater, Drucker von Beruf. Siebzig Jahre später steht der grossgewachsene Zürcher in seiner Wohnung in Wollishofen, umgeben von gross- und kleinformatigen Werken – und malt immer noch jeden Tag.
Churchill-Blau
Die Wohnung von Heinz P. Läuchli gleicht einer Galerie, in jedem Zimmer hängen Bilder an den Wänden, auch im Eingangsbereich. Im Arbeitszimmer stehen noch mehr Werke, auf dem Tisch Pinsel und Farben, bereit für den nächsten Einsatz.
Und der findet täglich statt. «Malen macht mich glücklich, es ist mein Leben und ich brauche es heute mehr denn je.» Heinz P. Läuchli malt abstrakt-expressiv.
Seine leuchtenden Farben kommen besonders in den grossformatigen Ölbildern kraftvoll daher, die kleineren Gouache wirken verspielter und poetisch. Bei den Ölfarben benutzt der Zürcher gerne jene der Firma Sax, heute Teil der Bosshard-Farben AG.
«Auch Churchill hat mit diesen Farben gemalt.» Und in der Tat, als Winston Churchill 1946 sich längere Zeit in der Schweiz aufhielt und sich der Landschaftsmalerei widmete, mischte Willy Sax seinem prominenten Kunden einen ganz speziellen Königsblau-Ton, der heute noch als «Churchill-Blau» verkauft wird.
Lebendig und kraftvoll
Heinz P. Läuchli hat diverse Kurse an der Kunstgewerbeschule (heute Zürcher Hochschule der Künste) und später bei Oskar Dalvit absolviert und sich autodidaktisch weitergebildet. Auch heute noch besucht er Vorlesungen in Malerei und Kunstgeschichte und geht alle zwei Wochen ins Kunsthaus.
«Ich weiss nicht warum, aber ich suche als erstes immer ‹Amor und Psyche› von Angelika Kaufmann auf», sagt er und lächelt. Die lebendigen und kraftvollen Bilder von Heinz P. Läuchli evozieren von oben betrachtete Gärten, in geometrische und amorphe Formen gegossen, zart mit Schwarz umrandet.
Die Farbintensität und die Formenvielfalt führen zurück auf Reisen in die üppige Natur tropischer Länder. Prägend war auch ein Besuch in Giverny: «Die Gärten von Claude Monet haben mich unglaublich inspiriert.»
Tagebuch eines Lebens
Werke von Heinz P. Läuchli wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, Ankäufe von Stadt und Kanton sowie öffentliche Aufträge für Kunst am Bau zeichnen seine Arbeit aus. Ein Grossteil seiner unverkauften Werke schlummert in einem Depot, 300 grossformatige Ölbilder und an die 2000 Aquarelle und Gouachen, deren Zahl stetig weiterwächst.
«Ich beschränke mich heute eher auf das Kleinformat. Würde jedoch ein Auftrag für etwas Grösseres kommen, würde ich es natürlich gerne machen.»

Heinz P. Läuchli gibt keinem seiner Bilder einen Titel, sie tragen lediglich das Fertigungsdatum, was sein gesamtes Œuvre zu einem bebilderten Tagebuch werden lässt. «In jedem einzelnen Bild stecken Erinnerungen und viel Leidenschaft.»
Und so, wie manch ein Künstler auch, sorgt sich der Zürcher um die Zukunft seiner Bilder. «Ich würde mir wünschen, dass sie ein schönes Plätzchen fänden und würde sie dafür sogar für einen moderaten Preis abgeben.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.






