Taxi-Abzocke in Zürich: 105 Franken für 3,5 Kilometer

Für eine kurze Taxifahrt verlangte ein Fahrer in Zürich 105 Franken. Die Branche schlägt Alarm, Politiker fordern Massnahmen gegen Wucherpreise.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Taxi Sektion Zürich (TSZ) ist besorgt: Einige Wucher-Anbieter zerstören das Ansehen und Vertrauen in die Branche.
- Schon im Februar wurde deshalb die Wiedereinführung von Höchsttarifen gefordert.
- Auch im Zürcher Kantonsrat verlangen Politiker nun Massnahmen gegen die Abzocke.
Fritz Lang konnte seinen Augen nicht trauen. Kürzlich nahm der «Tagblatt»-Leser am Zürcher Hauptbahnhof ein Taxi. Für die rund 3,5 Kilometer lange Fahrt von etwa zehn Minuten hatte er 30 bis 40 Franken Kosten erwartet. Verlangt wurden jedoch 105.80 Franken!
Besonders absurd: Zuvor war der Zürcher mit dem Zug in der 1. Klasse von Erfurt nach Zürich gereist, für gerade einmal 113 Franken dank Sparbillett.
«Man muss sich nicht wundern, wenn das Gewerbe ausstirbt und alle zu Uber wechseln!», ärgert sich Lang.
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Solche Wucher-Taxipreise sorgen seit Wochen für Diskussionen. SVP-Kantonsrat Ueli Bamert berichtete in einem Video von einer ähnlichen Erfahrung am HB: Nach einem Kilometer zeigte das Taxameter bereits 40 Franken an, nach 1,5 Kilometern 70 Franken. Bamert stieg aus und nahm das Tram.
Keine Höchsttarife mehr
Seit dem 1. Januar 2024 kennt der Kanton Zürich keine Höchsttarife mehr. Mit dem neuen Personentransport-Gesetz wurden die kommunalen Preisvorschriften im Sinne des freien Wettbewerbs abgeschafft. Doch inzwischen schlägt selbst die Branche Alarm.

Die Taxi Sektion Zürich (TSZ) bezeichnet den Preis im Fall Fritz Lang als Wucher. «Sowohl Einheimische wie Geschäftsleute und Touristen werden regelrecht abgezockt. Solche Tarife sind der Todesstoss für unser Gewerbe und das Ansehen der Stadt Zürich!», kritisiert TSZ-Präsident Rudolf Raemy.
Laut ihm gehen bei seinem Verband wöchentlich Beschwerden über massiv überhöhte Fahrpreise ein, insbesondere rund um den HB. Einzelne Anbieter verlangen 20 Franken Grundgebühr, 20 Franken pro Kilometer und 5 Franken pro Minute, teils zusätzlich Zuschläge für Gepäck oder Kartenzahlung.

Die Taxi Sektion Zürich hingegen empfiehlt als Basis 6 Franken, 4 Franken pro Kilometer und 0.80 Franken/Minute (Stadttarif).
Die TSZ kritisiert auch mangelnde Kontrollen. Früher habe die Stadtpolizei ein funktionierendes Taxibüro betrieben, das die Vorschriften durchsetzte. Seit 2024 seien die Zuständigkeiten auf mehrere Behörden verteilt: Die Volkswirtschaftsdirektion erteilt Bewilligungen, das Strassenverkehrsamt prüft technische Voraussetzungen, die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften.
Doch Letzteres sei schon wegen der grossen Zahl an Taxis kaum zu bewältigen: «Seit der Gesetzesanpassung sind über 4000 Taxiausweise ausgestellt worden, rund dreimal so viele wie vor der Neuregelung», sagt Raemy.
Bereits im Februar forderte die TSZ bei Regierungsrätin Carmen Walker Späh die Wiedereinführung von Höchsttarifen. Aber erfolglos. Entscheidender für den Regierungsrat sei unter anderem eine transparente Preisgestaltung.
Nun wird auch der Kantonsrat aktiv: Die SVP-Politiker Ueli Bamert, Patrick Walder und Tobias Weidmann reichten ein Postulat ein. Sie verlangen Massnahmen gegen missbräuchliche Taxipreise, etwa die Wiedereinführung von Höchsttarifen.
Selbst bei angeschriebenen Tarifen könnten Fahrgäste die Kosten kaum abschätzen. Besonders gefährdet seien Touristen und Ortsunkundige.
Eine Antwort des Regierungsrats steht noch aus. Die Sorge der Branche: Während Uber und Bolt die traditionellen Taxis bereits unter Druck setzen, könnten einzelne schwarze Schafe das Vertrauen der Kundschaft nachhaltig zerstören.
Reklamationen kann die TSZ selbst nicht bearbeiten, hat aber auf ihrer Webseite Taxi Sektion-zh.ch ein Formular eingerichtet, welches Beschwerden an die richtige Stelle weiterleitet.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.






