Tauben: Tierschützer prüfen rechtliche Schritte gegen Stadt Zürich

Die Stadt Zürich hat kürzlich mehrere Tauben gekeult. Die Tierschutzorganisation Peta prüft nun rechtliche Schritte.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Umgang der Stadt Zürich mit Tauben schockiert viele Menschen.
- Die Tierschutzorganisation Peta prüft jetzt rechtliche Schritte.
- Die Stadt Zürich zeigt sich offen für Anpassungen.
Die Stadt Zürich steht wegen der Taubentötungs-Aktion in Zürich am Pranger.
«Was sind das für Menschen/Mitarbeiter, die diese Tätigkeit bewusst durchführen?», schimpft eine Frau auf Instagram. Und jemand fordert: «Hört auf, Monster zu sein.»
Die Kommentare erscheinen unter einem Post des deutschen Influencers und Tierschützers Malte Zierden. Darin prangert auch er die Taubentötung der Stadt Zürich kürzlich am Bahnhof Stadelhofen an.
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Die Stadt bestätigte, die Tauben nach einem Betäubungsschlag mit einem Genickbruch getötet zu haben. Nau.ch berichtete.
Stadt schliesst Kommentarfunktion
Noch mehr zum Kochen bringt Kritikerinnen und Kritiker, dass sie auf dem Instagram-Profil der Stadt keinen Kommentar mehr hinterlassen können.
Eine Userin markiert in ihrem Kommentar die Stadt. «Wie schwach, die Kommentarfunktion auszuschalten, ein Armutszeugnis», kritisiert sie. «Steht dazu und nehmt Stellung.» Auch zahlreiche weitere User fordern die Stadt zu einer Stellungnahme auf.
Die Stadt Zürich bestätigt auf Anfrage, Die Kommentarfunktion eingeschränkt zu haben.

Eine Mediensprecherin teilt mit: «Aufgrund der orchestrierten Flutung von Kommentaren unter zahlreichen Beiträgen auf dem gesamten Kanal sahen wir uns dazu gezwungen.»
User hätten mehrere tausend Kommentare zu verschiedensten Beiträgen auf ihrem Profil abgesetzt. «Sobald wir einen konstruktiven Dialog wieder gewährleisten können, werden wir die Kommentarfunktion wieder öffnen.»
Peta fordert Stellungnahme von Stadtpräsidentin Mauch
Auch Tierschutzorganisationen haben zahlreiche Reaktionen erhalten.
Viele Menschen hätten sie kontaktiert und auf die Berichterstattung aufmerksam gemacht, sagt Lisa Kainz von Peta zu Nau.ch.
«Sie sind schockiert über den Umgang mit den Tauben und hoffen auf Konsequenzen für die Verantwortlichen der Tötungen.»
Peta ist bereits aktiv geworden. Lisa Kainz sagt: «Wir haben die Abteilung Schädlingsprävention der Stadt Zürich sowie die Stadtpräsidentin Corine Mauch um eine Stellungnahme gebeten.»
Zudem hätten sie aufgezeigt, dass eine Tötung sowohl moralisch verwerflich als auch nicht wirksam für eine dauerhafte Populationsverminderung sei. «Aktuell prüfen wir rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen.»
Fachgerechte Tötung «leider» zulässig
Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) registriert in den vergangenen Tagen zahlreiche Anfragen.
Aline Haas, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der TIR, sagt zu Nau.ch: «Das jüngste Ereignis stiess auf grosses Unverständnis und Empörung in Bezug auf den gezeigten Umgang und die Tötung der Tauben. Viele Personen haben sich nach der tierschutzrechtlichen Zulässigkeit dieses Vorgehens erkundigt.
Rechtliche Schritte gegen die Tötungen sieht die TIR derzeit nicht vor. Die Stiftung stehe seit längerer Zeit im Austausch mit den zuständigen Behörden, sagt Aline Haas. «Um nachhaltige und tierwohlgerechte Verbesserungen möglichst zeitnah zu erreichen.»
Auch das Network for Animal Protection (Netap) hat wegen der Taubentötungen zahlreiche Reaktionen erhalten.
Eine Klage gegen die Stadt reicht die Organisation nicht ein. «Weil wir keine rechtliche Grundlage erkennen können», sagt Netap-Präsidentin Esther Geisser. «Leider» sei die Tötung eines Tieres in der Schweiz zulässig, sofern dies fachgerecht erfolge.
«Wir überlegen, ob es nicht möglich wäre, in einen konstruktiven Dialog mit der Stadt einzutreten», sagt Geisser. So könnte man das Thema betreute Taubenschläge angehen.
Betreute Taubenschläge als Lösung
Der Verein Stadttauben Schweiz setzt sich aktiv für betreute Taubenschläge als Lösung ein.
«Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Tötungen vor allem dort stattfinden, wo keine betreuten Taubenschläge existieren», sagt Nina Bachellerie. Sie ist Vizepräsidentin des Vereins.
Betreute Taubenschläge ermöglichten laut Bachellerie eine tiergerechte Versorgung und eine nachhaltige Populationskontrolle.
«Die Tiere werden an feste Standorte gewöhnt, brüten dort, und ihre Eier können mit Attrappen gezielt ausgetauscht werden.»
Gleichzeitig werde die Verschmutzung im öffentlichen Raum deutlich reduziert. «Städte wie Winterthur zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert.»
Der Fokus des Vereins liege auf Aufklärung und dem Dialog mit Behörden und Öffentlichkeit.
«Das Anliegen wird geprüft»
Die Stadt Zürich bestätigt, das Schreiben von Peta erhalten zu haben. «Das Anliegen wird geprüft», sagt Markus Gamper, Mediensprecher von Grün Stadt Zürich.
Bei lokalen Grosspopulationen, wie zum Beispiel am Bahnhof Stadelhofen, reguliert die Stadt den Bestand gezielt durch jagdliche Eingriffe. «Dies reduziert nicht zuletzt auch den Dichtestress der verwilderten Haustiere», sagt Gamper.

Dennoch zeigt sich die Stadt offen für Anpassungen. Mitte Jahr informiert sie über die Resultate eines aktuellen Monitorings zu den Beständen der verwilderten Haustaube.
«Anschliessend werden verschiedene Ansätze zur Regulierung der Population geprüft», sagt Markus Gamper. Zudem solle ein Konzept erarbeitet werden, das sich mit möglichen Massnahmen zur Verbesserung der Gesamtsituation beschäftige.












