Stadt Zürich

    Zürich: Tamedia-Journalisten legen aus Protest die Arbeit nieder

    Thomas Renggli
    Thomas Renggli

    Zürich,

    Rund 150 Menschen versammelten sich vor dem Zürcher Tamedia-Hauptsitz. Anlass sind 41 Kündigungen und die Sorge vor einem weiteren Stellenabbau.

    Tamedia
    Die Protestierenden nahmen den Platz vor dem Haupteingang in Beschlag. - Thomas Renggli/Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Rund 150 Personen protestierten am Donnerstag vor dem Tamedia-Hauptsitz in Zürich.
    • Anlass sind 41 Kündigungen, die der Medienkonzern Ende Oktober ausgesprochen hat.
    • Auch in Bern und Lausanne legten Redaktionsmitglieder eine Stunde lang die Arbeit nieder.

    Es ist ein ungewohntes Bild an der Zürcher Werdstrasse. Vor dem mächtigen Glashaus, in dem einst der journalistische Puls der Stadt schlug, stehen jene, die drinnen normalerweise die Schlagzeilen produzieren. Diesmal sind sie selber die Geschichte.

    Rund 150 Mitarbeitende, Gewerkschafter und solidarische Unterstützer haben sich am Donnerstagvormittag vor dem Tamedia-Hauptsitz versammelt. Es gibt Gipfeli und Mandarinen, Musik und Trillerpfeifen.

    Die Stimmung ist gedrückt, die Solidarität dafür umso grösser. Auch Journalisten anderer Medienhäuser sind gekommen. Einige berichten über den Protest, andere wollen schlicht zeigen: Ihr seid nicht allein.

    Redaktionen legen aus Protest die Arbeit nieder

    Eine Stunde lang steht die Arbeit still. Nicht nur in Zürich, sondern auch in Bern und Lausanne verlassen Redaktionsmitglieder ihre Arbeitsplätze.

    Der Grund: 41 Kündigungen, die Ende Oktober ausgesprochen wurden. Und die wachsende Angst, dass dies erst der Anfang einer weiteren Abbauwelle sein könnte.

    Auf den Protesttafeln stehen Sätze, die es in sich haben: «Entlassungen sind keine Strategie», «Wir fordern eine Strategie» und «Und im Frühling müssen schon die nächsten gehen?». Die Botschaft an die Konzernspitze ist unmissverständlich.

    Konzernführung gerät wegen Stellenabbaus in die Kritik

    Der Protest richtet sich insbesondere gegen Verleger Pietro Supino und Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz. Letztere gibt sich gerne unkompliziert und nahbar. «Hallo, ich bin die Jessica» – so stellt sie sich vor.

    Doch hinter der jovialen Fassade wird mit dem Kehrbesen knallhart aufgeräumt. 41 Mitarbeitende verlieren ihren Job, Redaktionen ihre Kollegen und Leser womöglich jene journalistische Qualität, die sie von ihren Zeitungen erwarten.

    Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie glaubwürdig ist ein Medienunternehmen, das einerseits Geld scheffelt, andererseits aber ausgerechnet bei seinem wichtigsten Kapital spart?

    Hast du schon einmal an einem Streik teilgenommen?

    Die TX Group versteht sich als wirtschaftlich erfolgreicher Medienkonzern. Doch was bleibt von diesem Erfolg, wenn die journalistische Substanz systematisch ausgedünnt wird?

    Die Schweizer Medienszene befindet sich ohnehin in einem bedenklichen Erosionsprozess. Redaktionen schrumpfen, Know-how verschwindet, die Arbeitsbelastung steigt.

    Und während die Medienhäuser über die Zukunft des Journalismus diskutieren, sägen sie gleichzeitig an den Ästen, auf denen ihr Geschäftsmodell sitzt.

    Belegschaft stellt fünf Forderungen an Tamedia

    Die Personalkommission schlägt Alarm. Sie unterstützt fünf Forderungen der Belegschaft: die Rücknahme der Kündigungen, ein ordentliches Konsultationsverfahren, einen zweijährigen Kündigungsstopp, ein Plenumsgespräch mit Supino und einen Firmen-Gesamtarbeitsvertrag.

    Auch eine weitere Sorge spricht die Peko offen an: Niemand dürfe wegen seines Engagements für die Belegschaft Konsequenzen zu befürchten haben.

    Supino hat der Belegschaft inzwischen offenbar ein Gespräch angeboten. Doch damit ist der Konflikt nicht vom Tisch. Die Mitarbeitenden wollen mehr als ein paar beschwichtigende Worte. Sie verlangen eine Perspektive.

    Kommentare

    User #1918 (nicht angemeldet)

    Das, was heutzutage überall zu lesen ist, besser gar nichts lesen… Unwahrheit, Dämonisierung und einseitige Darstellung… ich bin nicht unglücklich, wenn solche Journalisten ihre Jobs verlieren.

    User #4394 (nicht angemeldet)

    Bald übernimmt die KI eure Jobs, die schreibt dann fehlerfrei. Euch braucht niemand, haha.

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