Stadt Zürich

Schulferien dauern länger –Zürcher Mutter flippt aus

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

An einer Zürcher Schule startet das neue Schuljahr einen Tag später. «Das ist Stress pur», sagt eine Mutter.

Mutter
Die Kinder der Schule Utogrund in Zürich können sich auf längere Sommerferien freuen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Schülerinnen und Schüler haben im Schnitt 13 Wochen Ferien, berufstätige Eltern nur fünf.
  • An der Schule Utogrund in Zürich geht das neue Schuljahr ausnahmsweise später los.
  • Eine Mutter beklagt sich über den Organisationsstress.

Einige Schülerinnen und Schüler haben Grund zu jubeln. Ihre Sommerferien dauern dieses Jahr einen Tag länger. Anstatt am Montag, 18. August, beginnt das neue Schuljahr an der Schule Utogrund in Zürich erst am Dienstag.

Verschoben wird der Start, weil ein Teil der Schule in neue Pavillons zieht und «spontane Verzögerungen» auftreten könnten. Dies schreibt die Schule in einem E-Mail an die Eltern, das der Redaktion vorliegt.

Da auch der Hort vom Umzug betroffen ist, zeigt sich die Schule «froh», wenn Eltern ihr Kind privat betreuen können. Falls dies nicht möglich sei, stehe der Hortbetrieb zur Verfügung.

Für Sarah Steiner ist dies ein Grund zum Schreien.

Mutter: «Das musste mal raus.»

Sie wisse, was es für Eltern heisse, fünf Wochen Schulferien zu organisieren, schreibt sie in einem Linkedin-Post. «Damit unsere Kinder betreut und beschäftigt sind – und wir irgendwie versuchen können, Vereinbarkeit für alle zu leben.»

Hast du genug Ferien?

Es handle sich bloss um einen Tag mehr, räumt sie ein. «Aber nein, ich hab wirklich nur bedingt Verständnis. Das musste mal raus.»

Sarah Steiner ist Mutter einer zehnjährigen Tochter und arbeitet selbstständig. Für sie sind die verlängerten Sommerferien der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Eltern müssten erneut rotieren

Ein Schuljahr bestehe aus 13 Wochen Ferien, Brückentagen plus Weiterbildungstagen für Lehrpersonen, sagt Steiner zu Nau.ch. «Für berufstätige Eltern ist die Organisation rund um die schulfreien Tage Stress pur.» Komme ein weiterer schulfreier Tag dazu, müssten Eltern erneut rotieren, um eine Betreuung für ihre Kinder zu finden.

Sie wolle nicht die Schule Utogrund in die Pfanne hauen, betont Steiner. «Diese macht einen super Job.» Zudem habe sie in solchen Situationen das Glück, zum Hüten auf ihre Mutter zählen zu können. «Mein Mann und ich sind da ultraprivilegiert.»

Jedoch hätte Steiner von der Schule angesichts der grossen Vorlaufzeit erwartet, einen reibungslosen Übergang zwischen Sommerferien und Schulstart zu schaffen.

«Der Umzug ist ja kein spontanes Ereignis.» Dennoch setze die Schule zuerst auf die private Betreuung durch die Eltern, bevor der Notfallplan Hort greife.

«Die Mutter ist ja eh zu Hause»

Steiner, die Gründerin von Tadah, einem Coworking-Space mit Kinderbetreuung ist, stört sich an den Rahmenbedingungen für berufstätige Eltern. «Kein Wunder entscheiden sich viele Mütter, niedrigprozentig zu arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen nach wie vor fehlen.»

Anderen Eltern spricht sie aus dem Herzen. Die Frühlingsferien starteten am Gründonnerstag, antwortet eine Projektmanagerin der ETH auf den Post. Einen Tag vorher hätten die Lehrpersonen Weiterbildung.

«Schön für jene, die ihre Ferien verlängern mit zwei Jokertagen», findet die Mutter. «Dumm für jene, die dann noch arbeiten. Die Ferienbetreuung des Horts beginnt nämlich erst nach Ostern

Ein Vater gibt an, auf dem Land zu wohnen. Bei schulfreien Tagen werde ganz selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Kinderbetreuung privat organisiert werde, schreibt er. «Die Mutter (wird natürlich nicht so gesagt, aber impliziert) ist ja eh zu Hause.»

Ferien und lauter Feiertage

Julia Panknin ist Gründerin von «Mamibrennt», einer Community-Plattform für berufstätige Mütter. Job und schulfreie Tage unter einen Hut zu bringen, ist in ihrer Community ein grosses Thema. «Ja, jeder zusätzliche Tag bringt Stress ins Familiensystem, insbesondere wenn die Betreuung kurzfristig ausfällt», bestätigt Panknin.

Kinder haben in der Schweiz im Schnitt 13 Wochen Schulferien, Arbeitnehmende fünf. Eltern könnten auf gemeinsame Familienferien verzichten und sich einzeln in ihren Ferien um die Kinder kümmern, sagt Panknin. «Selbst dann geht das Ganze aber nicht auf.»

Dazu kommen laut Panknin kantons- und gemeindeabhängige Feiertage. Als Beispiel nennt sie Eltern, die im Kanton Aargau wohnen, aber in Zürich angestellt sind. «Sie müssen mindestens vier weitere Feiertage abdecken, an denen die Betreuung ihrer Kinder ausfällt.» Hinzu kämen die Weiterbildungstage in Kindergarten und Schule.

«Bleibt zu hoffen, dass sie nicht ausbrennt»

Jeder sechste Schweizer Haushalt ist ein Eineltern-Haushalt. Meist handelt es sich um alleinerziehende Mütter. Für sie verschärft sich das Problem.

Panknin denkt dabei sofort an den Fall einer berufstätigen Mutter mit drei Kindern. Der Vater biete weder finanzielle noch betreuerische Unterstützung. Ein Kind sei in der Kita, eines im Kindergarten und eines in der Schule.

Fünf der 13 Wochen könne die Mutter mit den Kindern Ferien machen, so Panknin. Die restlichen acht Wochen müsse sie anders organisieren.

Hinzu kämen mindestens zwei Weiterbildungstage in den verschiedenen Einrichtungen pro Jahr. «Für sie bedeutet das im schlimmsten Fall sechs weitere Tage, an denen eins ihrer Kinder ‹frei› hat.»

Mutter
Julia Panknin, Gründerin der Community-Plattform «Mamibrennt», kennt die Sorgen von Mutter Sarah Steiner. - Esther Michel

Nicht zu vergessen sind laut Panknin die Tage, an denen die Kinder krank sind. «Oft auch hintereinander, statt alle gleichzeitig.»

Ohne die Unterstützung der Grossmutter hätte diese Mutter keine Chance, ihre Lohnarbeit zu behalten. «Weil kein Arbeitgeber Verständnis für so viele Absenzen hätte.»

Komplett auf der Strecke bleibe dabei die Zeit zum Erholen, sagt Panknin. «Bleibt zu hoffen, dass sie das durchhält, bis ihre Kids grösser sind, ohne auszubrennen.»

Betreuung sei gewährleistet

Die Volksschule der Stadt Zürich gibt auf Anfrage an, bei der Schulorganisation auch die Rahmenbedingungen berufstätiger Eltern zu berücksichtigen. «Der Betreuungsbereich ist fester Bestandteil des Gesamtsystems», sagt eine Mediensprecherin.

Wie an allen schulfreien Tagen in der Stadt Zürich sei die Betreuung der Kinder auch am 18. August 2025 ganztags sichergestellt.

Arbeitgeber lassen Familien mit organisatorischen Schwierigkeiten nicht im Stich. «Wo möglich, ermöglichen die Arbeitgeber in der Regel, private und berufliche Verpflichtungen aufeinander abzustimmen.» Dies sagt Jonas Lehner, Mediensprecher des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Dabei sei zu berücksichtigen, dass dies nicht überall vorbehaltlos möglich sei, sagt Lehner. «Etwa dort, wo physische Präsenz zwingend erforderlich ist, wie im Gesundheitswesen oder im Verkauf mit Ladenöffnungszeiten.»

Bezahlte Abwesenheiten bei Post

Der Schweizerischen Post ist es «sehr wichtig, dass ihre Mitarbeitenden Familie und Beruf vereinbaren können». Sie schaffe deshalb entsprechende Rahmenbedingungen, sagt Mediensprecher Patrick Stöpper.

Zum Beispiel unterstützt die Post die familienergänzende Kinderbetreuung finanziell und fördert Teilzeitarbeit. Mitarbeitende im Büro können die Arbeitszeit flexibel einteilen und haben laut Stöpper die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.

Mitarbeitenden, die etwa in den Sortierzentren oder in der Zustellung arbeiten, gewährt der Konzern fixe Sperrtage, um freizuhaben. «Für gewisse kurzfristige Betreuungspflichten stehen den Mitarbeitenden bezahlte Abwesenheiten zu.»

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