Stadt Zürich

Nur noch fünf Tage Zeit: Ukrainer verzweifelt an Wohnungssuche

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Zürich,

Es sind bange Tage für den Ukrainer Pavlo K.*. Am 31. März endet der Mietvertrag seiner bisherigen Wohnung – ein neues Zuhause lässt bisher auf sich warten.

Pavlo
Pavlo K.* vor der Schweizer Bergkulisse: Der 44-Jährige besucht in Zürich Integrations- und Deutschkurse. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 44-jährige Pavlo K.* sucht dringend eine Wohnung im Raum Zürich.
  • Seine beiden Hunde, Dexter und Trinity, sollen ebenfalls mitkommen.
  • Doch die Zeit drängt – am 31. März muss er aus seinem jetzigen Zuhause ausziehen.

Pavlo K.* rennt die Zeit davon.

Vor zwei Jahren ist der gebürtige Ukrainer in die Schweiz geflohen und in Zürich gelandet. Pavlo erlangte den Schutzstatus S – und eine Unterkunft. Schritt für Schritt hat er sich hier etwas aufgebaut. Einen Alltag, Kontakte, eine Struktur.

Doch der Mietvertrag seiner aktuellen Wohnung endet am 31. März. Sein fragiles Fundament droht zu zerbrechen, weil ihm bald das Dach über dem Kopf fehlt.

«Je näher dieses Datum rückt, desto angespannter wird meine Situation», schildert der 44-Jährige gegenüber Nau.ch. Denn der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt ist aussichtslos.

Alle Möglichkeiten ausgeschöpft

Seit mehr als einem halben Jahr befinde er sich auf intensiver Wohnungssuche. «In dieser Zeit habe ich über hundert Bewerbungen für Wohnungen eingereicht, zahlreiche Besichtigungen wahrgenommen», erzählt Pavlo.

Die Unterlagen sind vollständig, die Dossiers vorbereitet. Er reagiert schnell, ist flexibel, bereit, kurzfristig einzuziehen.

«Ich versuche, alle möglichen Wege der Wohnungssuche zu nutzen: Den privaten Wohnungsmarkt, Genossenschaften, städtische Angebote und soziale Vermittlungsmechanismen», sagt Pavlo.

Doch ein Zuhause lässt sich für den gelernten Ökonomen nicht finden, Er erhält überwiegend Absagen.

Ohne seine Hunde möchte er nicht gehen

Dabei geht es dem jungen Mann um mehr als nur eine Wohnung. Er ist bemüht, sich in der Schweiz zu integrieren, besucht Integrations- und Deutschkurse. «Ich bemühe mich, hier ein stabiles und selbstständiges Leben aufzubauen», schildert er.

Die Hauptgründe für die Absagen: Der Aufenthaltsstatus und seine derzeit fehlende Erwerbstätigkeit. Und dann wären da auch noch Dexter und Trinity, «meine zwei kleinen Hunde», ergänzt Pavlo liebevoll.

Sollte er kein Zuhause finden, hat sich die Fachorganisation «AOZ» dazu bereit erklärt, ihm vorübergehend eine Unterkunft zu bieten. Doch für seine beiden Fellnasen ist dort kein Platz. Die Haltung von Haustieren ist strikt untersagt.

Fellnasen werden im Bewerbungsformular zum Problem

«Gerade dieser Umstand bereitet mir die grössten Sorgen», sagt Pavlo. Ohne seine beiden Yorkshire Terrier zu sein – für den Ukrainer unvorstellbar.

«Sie sind für mich nicht einfach Haustiere, sondern ein wichtiger Teil meines Lebens», sagt er gegenüber dieser Redaktion. «Sie sind ruhig, gepflegt, verursachen keinen Lärm und bereiten anderen keine Unannehmlichkeiten.»

Bereitet dir die Wohnungsnot in der Schweiz Sorgen?

Doch in den Bewerbungsformularen werden die beiden Fellnasen zu einem Problem. Denn auf einem überhitzten Wohnungsmarkt zählt die Tatsache, dass die Hunde pflegeleicht sind, eher selten.

AOZ stellt «zumutbare Unterkunft» zur Verfügung

Die AOZ schreibt auf Anfrage von Nau.ch: «Haustiere stellen, wie beispielsweise auch das Spielen eines Musikinstrumentes, bei der Suche nach privatem Wohnraum eine zusätzliche Herausforderung dar.»

«Dies unabhängig vom Status oder der Herkunft der Personen, die sich auf eine Wohnung bewerben», heisst es weiter.

Unterkunft
Die AOZ stellt Geflüchteten eine zumutbare Unterkunft zur Verfügung. Die Fachorganisation verfügt über mehrere städtische Kollektivunterkünfte, im Bild das SKU Triemli. - aoz.ch

Grundsätzlich habe die Organisation eine Unterbringungspflicht für die ihr zugewiesenen Personen. «Den Geflüchteten wird eine zumutbare Unterkunft zur Verfügung gestellt.»

Auf besondere Umstände – dazu zählen auch Haustiere – werde, wenn möglich, Rücksicht genommen. Sind die Personen mit der zugewiesenen Unterkunft unzufrieden, «steht es ihnen frei, sich selbständig eine andere Wohnung zu suchen».

Eine aktive Vermittlung in privaten Wohnraum biete man nicht an. Dies liege in der Verantwortung der Klienten, so die Fachorganisation. Man unterstütze die Personen aber bei der Wohnungssuche.

Sozialhilfe bindet Pavlo an Zürich

Pavlo erhält Sozialhilfe von der AOZ. Finanziell wäre ein Teil also abgesichert. Die AOZ übernimmt eine Miete von bis zu 1400 Franken, bei einem Zimmer bis zu 1050.

Auch eine «Kaution» wird in Form einer Garantieerklärung zur Verfügung gestellt. Doch selbst mit dieser Garantie bleibt der Zugang zum Wohnungsmarkt schwierig.

Hinzu kommt: Pavlo ist an Zürich gebunden. Hier ist sein Lebensmittelpunkt, hier laufen seine administrativen Prozesse, hier kennt er die Strukturen.

Doch um mit seinen Hunden zusammenzubleiben, würde Pavlo auch in einen anderen deutschsprachigen Kanton umziehen.

«In der Praxis wäre das jedoch nur mit einer Arbeitsstelle möglich», erklärt er. Die habe er bisher noch nicht gefunden. «Ohne eine solche Möglichkeit wird ein Umzug ausserhalb des derzeitigen Unterstützungssystems deutlich schwieriger und erfordert zusätzliche Bewilligungen.»

Ein Warten, das kaum auszuhalten ist

Und dann: Ein kurzer Lichtblick. Für Pavlo hat sich kürzlich eine weitere Option eröffnet.

Eine grössere Wohnung, gemeinsam mit zwei Freunden. Drei Personen, ein höheres Budget, vielleicht bessere Chancen. Pavlos Sozialarbeiter hat bereits zugestimmt. Doch die Entscheidung der anderen Stellen steht noch aus.

Was ist die Lösung für die Wohnungsnot?

Für Pavlo ist es ein Warten, das kaum auszuhalten ist. Eine Absage – das möchte sich der 44-Jährige nicht vorstellen. «Für mich ist das im Moment einer der schmerzhaftesten Punkte. Es geht nicht nur darum, dass ich dringend ein Dach über dem Kopf brauche», erklärt er.

Gelingen ihm die Wohnungssuche oder die Vertragsunterzeichnung nicht, muss er für seine Hunde einen vorübergehenden Platz finden.

«Ich tue meinerseits wirklich alles, was in meiner Macht steht»

Pavlo zeigt sich verzweifelt – aber auch verhalten optimistisch. «Ich tue meinerseits wirklich alles, was in meiner Macht steht», betont er.

«Ich habe die Unterlagen vorbereitet, reagiere schnell auf Angebote, bin bereit, kurzfristig einzuziehen, und befinde mich ständig auf Wohnungssuche.» Doch die Situation entwickele sich sehr schnell. Das sei für ihn sehr belastend.

Zwischen Pavlos Worten liegt vieles: Druck, Unsicherheit, wachsende Angst. Aber doch auch die leise Hoffnung, dass irgendwo doch noch eine Tür aufgeht.

* Name der Redaktion bekannt

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