Dietikon: Kosovare rast in Mutter mit Meitli – und taucht unter

Ein Raser aus dem Kosovo verletzte mit seinem BMW eine Mutter und ihre Tochter in Dietikon ZH lebensbedrohlich. Er müsste in den Knast, ist aber untergetaucht.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kosovare driftete 2019 im Kanton Zürich und verlor die Kontrolle über seinen BMW.
- Er kracht in eine Mutter mit ihrem Kind (4), beide werden lebensbedrohlich verletzt.
- Im Jahr 2025 wird das Urteil rechtskräftig, der Raser muss jahrelang ins Gefängnis.
- Doch: Der Mann aus dem Kosovo ist untergetaucht und wird polizeilich gesucht.
Es sind Bilder des Schreckens, die die Kantonspolizei Zürich im Oktober 2019 veröffentlicht. Ein kleiner Ford Focus ist am Strassenrand, in Einzelteile zertrümmert.
Rechts daneben steht ein hochmotorisierter, zwei Tonnen schwerer BMW M5. Nur die Motorhaube ist eingedrückt, der Fahrerraum ist unbeschädigt. Es war ein Duell David gegen Goliath.
Am Steuer des BMWs sitzt ein 18-jähriger Kosovare. Der rund 600 PS starke Bolide ist von einem seiner Kumpels geliehen.
Es kommt aus: Der Lenker schaltete die Sicherheitseinstellungen um, deaktivierte die Traktions-Kontrolle. Auf der Bernstrasse in Dietikon lässt er bei nasser Fahrbahn die Räder durchdrehen. Es ist ein Drift ins Verderben.
Der Jung-Lenker gerät auf die Gegenfahrbahn, kracht in den Ford. Darin sitzt eine Mutter mit ihrer 4-jährigen Tochter. Beide werden lebensbedrohlich verletzt. Sie überleben, leiden aber noch heute, über sechs Jahre später, unter Beschwerden.
Staatsanwalt Michael Huwiler bringt den Raser vor Gericht. Der Fall geht bis vor Bundesgericht. Erst 2025 ist das Urteil rechtskräftig. Der Unfall-Fahrer muss fast vier Jahre ins Gefängnis, unter anderem wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung.
Verurteilter Raser aus dem Kosovo ist untergetaucht
Nun zeigen Recherchen der «SRF Rundschau»: Der Raser hat seine Gefängnis-Strafe nie angetreten. Der Mann aus dem Kosovo ist untergetaucht und wird polizeilich gesucht.
Das zuständige Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung will sich aus Datenschutzgründen nicht äussern.
Grundsätzlich sei es ein sehr wichtiges Urteil, sagt Huwiler, der die sogenannte Rasergruppe der Staatsanwaltschaft Zürich leitet.
«Einerseits, weil die Strafe angemessen ist. Andererseits, weil das Gericht zum Schluss gekommen ist, dass es nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich ist, wenn man solche Delikte begeht.»
Die Raser-Fälle explodieren – es sind fast nur Männer
Im Kanton Zürich gibt es so viele Raser-Fälle wie noch nie. In fünf Jahren stieg die Anzahl von 141 auf 230.
Letztes Jahr gab es 30 Verkehrstote. Jeder fünfte davon ist ein Rasertoter.

Was Huwiler beobachtet: Bei den tödlichen Unfällen habe der «schwächste» involvierte Wagen 400 PS gehabt. «Wir haben praktisch keine Raser-Unfälle mit normalen PS-Zahlen.»
Der typische Raser sei männlich (nur zwei Prozent sind Frauen) und 18 bis 30 Jahre alt. Je älter, desto ruhiger wird der Mann, sagt Huwiler. Rund die Hälfte der Raser-Delikte wird von Ausländern begangen.
Braucht es eine PS-Beschränkung für Neulenkende?
Staatsanwalt Huwiler plädiert für eine PS-Beschränkung für Neulenkende. Maximal 200 PS in den ersten fünf Jahren, schlägt er vor.
Häufig geht es nämlich so, wie im Fall von Dietikon. Raser-Fahrer bleiben hinter der Karosserie von ihren Boliden, die auch für Rennstrecken gebaut sind, praktisch unverletzt.
Normale Fahrzeuge sind nicht so gebaut, dass man mit ihnen auf die Rennstrecke kann. Schwerverletzte und Getötete sind meistens Dritte.








