Nau.ch-Umfrage: Ist der «Schwarze Peter» rassistisch?

Eine Kindergartenlehrerin wurde wegen des Spiels «Schwarzer Peter» angezeigt. Auf der Strasse stösst der Rassismus-Vorwurf nur teilweise auf Verständnis.
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Das Wichtigste in Kürze
- Viele Passantinnen sehen «Schwarzer Peter» heute nur noch als Kinderspiel.
- Andere halten die Darstellung eines dunkelhäutigen Menschen für problematisch.
- Entscheidend ist laut Befragten der Kontext und die konkrete Kartenfigur.
Das Kartenspiel «Schwarzer Peter» hat an einem Kindergarten an der Zürcher Goldküste zu einer Strafanzeige geführt.
Ein dunkelhäutiger Klassenassistent fühlte sich diskriminiert, nachdem ihn eine Lehrerin gebeten hatte, das Spiel mit den Kindern zu spielen. Das Verfahren gegen die Lehrerin wurde inzwischen eingestellt.

Doch ist das Kartenspiel selbst rassistisch? Nau.ch hat Passantinnen und Passanten dazu befragt.
«Damals fand ich es normal»
David (46) kennt das Spiel noch aus seiner Kindheit. Lange habe er nichts mehr davon gehört.

«Damals fand ich es normal», sagt er. Denkt er heute genauer darüber nach, gerät er jedoch ins Stocken.
«In der heutigen Debatte ist es wahrscheinlich eher kritisch.»
Auch die ursprüngliche Darstellung als schwarzer Kaminfeger sieht er heute anders. Der schwarze Russ stamme aus einer anderen Zeit, den Kaminfeger gebe es in dieser Form heute nicht mehr. Deshalb werde die Figur inzwischen wohl eher mit der Hautfarbe in Verbindung gebracht.
«Wir haben nicht unterschieden»
Shaki (30) spielte den «Schwarzen Peter» ebenfalls als Kind. Damals habe sie nicht darüber nachgedacht, was der Name möglicherweise symbolisiere.

«Ich habe nicht zwischen Schwarz, Weiss und Braun unterschieden. Für mich waren es einfach alle Kinder und alle Kollegen.»
Der Name sei für sie lediglich die Bezeichnung des Spiels gewesen. «Man hätte auch ‹Weisser Peter›, ‹Blauer Peter› oder ‹Violetter Peter› sagen können.»
Heute macht sie sich jedoch stärker Gedanken über die Herkunft und den Kontext des Begriffs. «Dann kann das sehr wohl rassistisch rüberkommen.»
Sie können deshalb nachvollziehen, wenn Betroffene das Spiel ablehnten.
Darstellung macht einen Unterschied
Entscheidend ist für Shaki aber auch, was auf der Karte abgebildet ist. Eine schwarze Katze oder ein mit Russ bedeckter Kaminfeger seien für sie nicht automatisch rassistisch.
Anders sehe es bei der Darstellung eines dunkelhäutigen Menschen aus. «Dann fragt man sich, warum es eine schwarze Person sein muss.»
Auch Nadine (28) warnt vor einem pauschalen Urteil. Es gebe verschiedene Ausführungen des Kartenspiels.

Manche ältere Figuren hätten Gesichtszüge, die eindeutig auf die Darstellung eines schwarzen Menschen zurückgingen. «Wenn es aber ein Kaminfeger ist, der wegen der Asche schwarz ist, ist es für mich etwas anderes.»
Man müsse deshalb genau hinschauen, woher die jeweilige Version komme und wie die Figur dargestellt werde.
«Hat nichts mit Rassismus zu tun»
Abi (23) beurteilt das Spiel weniger kritisch. Für ihn kommt es vor allem darauf an, wer etwas sagt, wie es gemeint ist und wie es bei der anderen Person ankommt.
«Es ist nicht so einfach zu unterscheiden, ob es jemand schlecht oder lustig meint», sagt er. Deshalb sei eine klare Kommunikation wichtig.
Auf das konkrete Kartenspiel bezogen fällt sein Urteil jedoch deutlich aus: «Objektiv gesehen hat das keinen Zusammenhang mit Rassismus.»
Auch Shaki mahnt trotz ihrer kritischen Gedanken zur Zurückhaltung. Rassismus und Diskriminierung müssten ernst genommen werden. Gleichzeitig dürfe nicht jede Äusserung automatisch gleich eingeordnet werden.
«Man muss das kontextabhängig verstehen», sagt sie. Denn Menschen könnten etwas sagen, ohne sich bewusst zu sein, wie es bei anderen ankommt.




