Kanton Zürich will kriminelle Teenies in Wohngruppen stecken

Der Kanton Zürich will jugendliche Straftäter künftig mit kurzen Time-outs in Wohngruppen auffangen – und sie seltener ins Gefängnis schicken.

Das Wichtigste in Kürze
- Zürich will jugendliche Straftäter vermehrt in betreuten Wohngruppen unterbringen.
- Geplant sind kurze Time-outs von bis zu drei Monaten für Jugendliche in akuten Krisen.
- Die Jugendabteilung im Gefängnis Limmattal wird von 24 auf 15 Plätze reduziert.
Der Kanton Zürich will den Umgang mit jugendlichen Straftätern grundlegend ändern.
Statt Gefängnisstrafen sollen vermehrt kurze Aufenthalte in betreuten Wohngruppen möglich werden. Hintergrund ist Platzmangel im Justizvollzug – und die Erkenntnis, dass Gefängnisse für viele Jugendliche kaum geeignet sind.
Nur rund ein Prozent der Jugendlichen begeht laut Kanton so schwere Delikte, dass ein Freiheitsentzug nötig wird. Dennoch präge diese kleine Gruppe die Debatte über Jugendgewalt stark. Das sagte die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr am Donnerstag vor den Medien.
Im Jahr 2024 wurde im Kanton Zürich jede zwanzigste Person zwischen 10 und 17 Jahren verzeigt. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen musste sich hingegen wegen eines Gewaltdelikts verantworten. 2024 war es einer oder eine von 134.
Diese Jugendlichen werden aktuell in der Jugendabteilung des Gefängnisses Limmattal in Dietikon ZH untergebracht. Dort gibt es 24 Plätze – ausschliesslich für junge Männer. Für Mädchen fehlen entsprechende Angebote vollständig.
Ein neuer Bericht zeigt laut Justizdirektion, dass die Unterbringung im Gefängnis ohne gezielte Betreuung oft wenig bringt. Rückfälle liessen sich so kaum verhindern, eine Wiedereingliederung werde erschwert.
«Für sie braucht es nicht strengere Gesetze, sondern die richtigen Unterbringungsmöglichkeiten», wird Jacqueline Fehr unter anderem von «SRF News» zitiert.
Time-out-Plätze sollen bei akuten Krisensituationen helfen
Der Kanton setzt deshalb auf sogenannte Time-out-Plätze. Diese sollen Jugendlichen in akuten Krisensituationen für kurze Zeit stabilisieren.
Man könne die Jugendlichen «geschlossener halten und wieder beruhigen», erklärte der leitende Zürcher Oberjugendanwalt Roland Zurkirchen.

Geplant ist demnach eine Überbrückungsstation mit Wohngruppen für 10- bis 18-Jährige.
Die Aufenthalte in der geschlossenen Station sollen zwischen einer Woche und maximal drei Monaten dauern. Eine Machbarkeitsstudie ist in Vorbereitung.
Jugendabteilung im Gefängnis wird verkleinert
Als Zwischenschritt eröffnet der Kanton im Massnahmenzentrum Uitikon neun zusätzliche Time-out-Plätze für 16- bis 18-jährige Straftäter. Dort werden bereits heute 58 männliche Jugendliche und junge Erwachsene betreut – mit Therapieangeboten und Beschäftigung.
Gleichzeitig wird die Jugendabteilung im Gefängnis Limmattal von 24 auf 15 Plätze verkleinert.

Zusätzlich plant der Kanton Zürich neue Angebote für straffällige Mädchen, für Straftäter mit geistiger Behinderung und kriminelle, minderjährige Asylsuchende. Für diese spezialisierten Lösungen sei der Kanton auf die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen angewiesen, da die Fallzahlen zu klein seien.
«Es braucht passgenaue Angebote für alle Jugendliche», erklärte Jacqueline Fehr.






