Influencer filmt ganzes Essen – Kronenhalle schreitet ein

Diskretion gehört in der Zürcher Kronenhalle zum Konzept. Ein Fotograf missachtet das Filmverbot gekonnt – und nimmt seine Follower mit zum Mittagessen.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Zürcher Nobel-Restaurant Kronenhalle sind Foto- und Filmaufnahmen verboten.
- Den Fotografen Tobias Westen kümmerte das nicht. Er filmte für seine Community mit.
- Eine exklusive Genehmigung hatte er dafür aber nicht, betont die Kronenhalle.
- Jetzt soll er das Video löschen.
«Hi, ich bin Tobi», sagt Fotograf Tobias Westen in die Kamera. Der junge Mann nimmt seine Follower gleich mit an einen Ort, an dem Kameras eigentlich nichts verloren haben: In die Zürcher Kronenhalle.
Der «stolze Aargauer» testet das Traditionshaus am Bellevue – inklusive Video.
Die Kronenhalle steht für gehobene Küche und ein diskretes «Flair fürs Exklusive». Laute Food-Influencer oder Gäste, die permanent aufs Handy starren, passen da nicht ins Bild.

Damit genau das nicht der Fall ist, wurde es in der Gästeordnung offiziell festgehalten. Der erste Punkt weist deutlich darauf hin: «Foto- und Filmaufnahmen in den Räumen des Restaurants Kronenhalle sind grundsätzlich verboten.»
Westen scheint das wenig zu beeindrucken. Fröhlich filmt er sein Mittagessen, kommentiert Teller und Ambiente auf Hochdeutsch.
Influencer filmt Kellnerin, Kunstwerke und Essen
Man hört die Kellnerin fragen: «Dörf ich Ihne öppis zum Trinke bringe?» Man sieht ihn beim Geniessen von Vorspeise (Bouillon mit Leberknödel), Hauptgang (Zürigschnetzlets) und Weisswein (Chablis).
Er schwenkt seine Kamera von den Kunstwerken von Chagall zu Picasso, die an den Wänden hängen. Und: Er filmt die Kellnerin, die ihm die Portion schöpft. Sein Fazit: «Exzellent!»
War das wirklich abgesprochen?
Kronenhalle: «Sind über das Video nicht informiert»
Dominique Godat, Direktor der Kronenhalle, stellt auf Anfrage von Nau.ch klar: «Wir sind über das Video nicht informiert.»
Ob eine Genehmigung vorlag? In vielen Restaurants werden Food-Influencer gezielt eingeladen. Teilweise ist das sogar eine Marketing-Strategie.
Nicht so in der Kronenhalle. Godat stellt klar: «Herr Westen hat die Film-Aufnahmen ohne unser Wissen und Genehmigung gemacht.»
Die in der Gästeordnung festgehaltenen Regeln würden für alle gelten. Und da hat für den Influencer Konsequenzen: «Wir werden uns mit Herrn Westen sofort in Verbindung setzen und das Video löschen lassen.»
Wie das Beispiel zeige, sei man «nicht genügend geschützt, um heimlich aufgenommene Videos» verhindern zu können.
Lunch zwischen Chagall und Picasso
Währenddessen geniesst Tobias Westen (über 42'000 Follower) die Atmosphäre im Zürcher Traditionshaus sichtlich. Auch die Kunst an den hohen Wänden lässt er nicht unerwähnt. Es sei «total wild», zwischen Chagall und Picasso zu sitzen.
Auf eine Anfrage von Nau.ch hat Tobias Westen nicht reagiert. Offenbar auch auf die Aufforderung der Kronenhalle nicht. Zum Zeitpunkt der Publikation war das Video weiterhin online abrufbar.








