Greifensee ZH: Busse statt Applaus für Rentner nach Tuba-Ständchen!

Ein Rentner wollte am Nationalfeiertag den Schweizer Psalm spielen. Statt Applaus gab es in Maur ZH eine Busse.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein 71-jähriger Rentner spielte am Nationalfeiertag den Schweizer Psalm.
- Dafür erhielt er in Maur ZH eine Busse wegen Lärms.
- Der ungewöhnliche Fall sorgt nun über die Gemeinde hinaus für Kopfschütteln.
Maur ZH hat ein Lärmproblem – oder zumindest eine Posse, die klingt, als wäre sie direkt aus Gottfried Kellers Seldwyla importiert worden: Ein 71-jähriger Rentner erntet am Nationalfeiertag für den Schweizer Psalm nicht etwa patriotischen Applaus, sondern Handschellen-Romantik und eine Busse.
Die Geschichte der «MaurmerZeitung» sorgt jetzt für überregionales Kopfschütteln.
Es geschah am helllichten 1. August auf dem Parkplatz beim Schützenhaus Maur – kurz vor 11 Uhr morgens. Während das Vaterland feuerwerksbefreit dem festlichen Abend gedämpft entgegenblickte und die Cervelats ungegrillt runterdrückte, wollte Senior P. (71) musikalische Akzente setzen.

Sein Werkzeug: eine 13 Kilo schwere Tuba. Sein Ziel: Ehrerbietung an die Heimat mit der Nationalhymne. Doch kaum war der patriotische Schall verhallt, formierte sich der Gegenangriff der Nachbarschaft. Eine Anwohnerin zeigte null Gehör für den Schweizer Psalm und rief die Ordnungshüter aufs Parkett.
Die Kantonspolizei rückte aus Fällanden prompt an, beendete das Solokonzert abrupt, stellte die Tuba sicher, deportierte sie in die kantonale Asservatenkammer und brummte dem verdutzten Brass-Band-Veteran eine Busse von 50 Franken auf.
Der offizielle Vorwurf: Ruhestörung und unbewilligtes Musizieren. Willkommen im Schweizer Rechtsstaat!
Hellseher-Protokolle und Helikopter-Sonderlärm
Wie die «MaurmerZeitung» enthüllt, ist der 71-Jährige im Gemeindehaus längst kein Unbekannter mehr, sondern ein musikalischer Wiederholungstäter. Bereits rund ein Dutzend Mal wurde er wegen seines Freiluft-Hobbies angezeigt.
Im Frühjahr zog die Gemeinde schwere Geschütze auf: Der damalige Sicherheitsvorsteher Thomas Hügli (glp) verhängte ein offizielles Übungsverbot und bescheinigte dem Musiker wegen «fehlender Einsicht» eine «ungünstige Prognose».

Der Rentner wehrte sich jedoch energisch und lieferte bizarre Details, die man sonst nur aus Satireformaten kennt. So ergab eine fundierte Lärmmessung: In 100 Metern Entfernung war die Tuba leiser als der gewöhnliche Alltagslärm durch Waldbach, Traktoren und Helikopter.
Noch skurrilere Blüten trieb das Sündenregister der Anwohner: Dort war schwarz auf weiss eine Ruhestörung für den 1. Juni protokolliert – verfasst wurde das Dokument allerdings schon Anfang Mai! Ein Fall von prophetischer Lärmbelästigung?
Gemeindepräsident zementiert das Spielverbot
Gegen diese hellseherischen Fähigkeiten half aber alles nichts. Gemeindepräsident Yves Keller (FDP) schaltete sich persönlich ein und zementierte das Verbot auf öffentlichem Grund unumstösslich.
Laut Beschluss stellt das Tuba-Üben eine «über den Gemeingebrauch hinausgehende Sondernutzung» dar. Die Ruhe der Nachbarn sei stärker zu gewichten als das musikalische Herz des Seniors.
Der Fall wandert nun munter durch die Justizinstanzen – vom Bezirksrat bis zum Bezirksgericht Uster. Derweil bietet der musikalische Senior sein Instrument per Inserat zum Verkauf an – abzuholen in der Asservatenkammer.

Wie die «Maurmer Zeitung» treffend bilanziert: Eine sichergestellte Tuba, eine 50-Franken-Busse, zukunftssichtige Nachbarn und behördlicher Ernst wegen ein paar tiefer Töne.
Vielleicht sollte man im Gemeindehaus künftig Bewilligungen für den gesunden Menschenverstand ausstellen – auch wenn dafür die Zuständigkeit schwerer zu klären sein dürfte als für ein 13-Kilo-Blasinstrument.








