Oberland

Greifensee ZH: Busse statt Applaus für Rentner nach Tuba-Ständchen!

Thomas Renggli
Thomas Renggli

Greifensee,

Ein Rentner wollte am Nationalfeiertag den Schweizer Psalm spielen. Statt Applaus gab es in Maur ZH eine Busse.

Misstöne: Nicht jedem gefällt der Schweizer Psalm am 1. August.
Misstöne: Nicht jedem gefällt der Schweizer Psalm am 1. August. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein 71-jähriger Rentner spielte am Nationalfeiertag den Schweizer Psalm.
  • Dafür erhielt er in Maur ZH eine Busse wegen Lärms.
  • Der ungewöhnliche Fall sorgt nun über die Gemeinde hinaus für Kopfschütteln.

Maur ZH hat ein Lärmproblem – oder zumindest eine Posse, die klingt, als wäre sie direkt aus Gottfried Kellers Seldwyla importiert worden: Ein 71-jähriger Rentner erntet am Nationalfeiertag für den Schweizer Psalm nicht etwa patriotischen Applaus, sondern Handschellen-Romantik und eine Busse.

Die Geschichte der «MaurmerZeitung» sorgt jetzt für überregionales Kopfschütteln.

Es geschah am helllichten 1. August auf dem Parkplatz beim Schützenhaus Maur – kurz vor 11 Uhr morgens. Während das Vaterland feuerwerksbefreit dem festlichen Abend gedämpft entgegenblickte und die Cervelats ungegrillt runterdrückte, wollte Senior P. (71) musikalische Akzente setzen.

Plan B: Herr P spielt nun mit seiner Ersatz-Tuba - bei der Waldhütte Stuhlen.
Plan B: Herr P spielt nun mit seiner Ersatz-Tuba - bei der Waldhütte Stuhlen. - zVg

Sein Werkzeug: eine 13 Kilo schwere Tuba. Sein Ziel: Ehrerbietung an die Heimat mit der Nationalhymne. Doch kaum war der patriotische Schall verhallt, formierte sich der Gegenangriff der Nachbarschaft. Eine Anwohnerin zeigte null Gehör für den Schweizer Psalm und rief die Ordnungshüter aufs Parkett.

Die Kantonspolizei rückte aus Fällanden prompt an, beendete das Solokonzert abrupt, stellte die Tuba sicher, deportierte sie in die kantonale Asservatenkammer und brummte dem verdutzten Brass-Band-Veteran eine Busse von 50 Franken auf.

Der offizielle Vorwurf: Ruhestörung und unbewilligtes Musizieren. Willkommen im Schweizer Rechtsstaat!

Hellseher-Protokolle und Helikopter-Sonderlärm 

Wie die «MaurmerZeitung» enthüllt, ist der 71-Jährige im Gemeindehaus längst kein Unbekannter mehr, sondern ein musikalischer Wiederholungstäter. Bereits rund ein Dutzend Mal wurde er wegen seines Freiluft-Hobbies angezeigt.

Im Frühjahr zog die Gemeinde schwere Geschütze auf: Der damalige Sicherheitsvorsteher Thomas Hügli (glp) verhängte ein offizielles Übungsverbot und bescheinigte dem Musiker wegen «fehlender Einsicht» eine «ungünstige Prognose».

Konzertende: Die Kantonspolizistin trägt das 13 Kilo schwere Instrument weg - ihr Kollege bietet Geleitschutz.
Konzertende: Die Kantonspolizistin trägt das 13 Kilo schwere Instrument weg - ihr Kollege bietet Geleitschutz. - zVg

Der Rentner wehrte sich jedoch energisch und lieferte bizarre Details, die man sonst nur aus Satireformaten kennt. So ergab eine fundierte Lärmmessung: In 100 Metern Entfernung war die Tuba leiser als der gewöhnliche Alltagslärm durch Waldbach, Traktoren und Helikopter.

Noch skurrilere Blüten trieb das Sündenregister der Anwohner: Dort war schwarz auf weiss eine Ruhestörung für den 1. Juni protokolliert – verfasst wurde das Dokument allerdings schon Anfang Mai! Ein Fall von prophetischer Lärmbelästigung?

Gemeindepräsident zementiert das Spielverbot 

Gegen diese hellseherischen Fähigkeiten half aber alles nichts. Gemeindepräsident Yves Keller (FDP) schaltete sich persönlich ein und zementierte das Verbot auf öffentlichem Grund unumstösslich.

Würde dich ein lautes Instrument am Nationalfeiertag stören?

Laut Beschluss stellt das Tuba-Üben eine «über den Gemeingebrauch hinausgehende Sondernutzung» dar. Die Ruhe der Nachbarn sei stärker zu gewichten als das musikalische Herz des Seniors.

Der Fall wandert nun munter durch die Justizinstanzen – vom Bezirksrat bis zum Bezirksgericht Uster. Derweil bietet der musikalische Senior sein Instrument per Inserat zum Verkauf an – abzuholen in der Asservatenkammer.

Wer will eine Tuba? Preis auf Anfrage, Benutzung auf eigenes Risiko. Dieses Inserat erschien in der "MaurmerZeitung".
Wer will eine Tuba? Preis auf Anfrage, Benutzung auf eigenes Risiko. Dieses Inserat erschien in der «MaurmerZeitung». - zVg

Wie die «Maurmer Zeitung» treffend bilanziert: Eine sichergestellte Tuba, eine 50-Franken-Busse, zukunftssichtige Nachbarn und behördlicher Ernst wegen ein paar tiefer Töne.

Vielleicht sollte man im Gemeindehaus künftig Bewilligungen für den gesunden Menschenverstand ausstellen – auch wenn dafür die Zuständigkeit schwerer zu klären sein dürfte als für ein 13-Kilo-Blasinstrument.

Kommentare

User #3090 (nicht angemeldet)

Ich dachte immer die Schweiz den Schweizern, aber mittlerweile ist unser Staat so übergriffig wie andere Diktaturen.

User #4901 (nicht angemeldet)

Der gesamt Aufwand in der Sache beläuft sich auf etwa 800 Franken. Mol Mol das hat sich gelohnt.

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