«Flugshow und Feuerwerk sind aktuell kein Thema»

Nach dem Züri Fäscht 2023 soll 2029 ein neues Stadtfest folgen – organisiert vom gleichen Verein, aber mit einem neuen Konzept. Zusammen mit der Stadt.

Die Stadt Zürich plant im Sommer 2029 ein neues Stadtfest, nachdem das Züri-Fäscht 2023 zum letzten Mal in seiner bisherigen Form stattgefunden hat. «Die Stadt ist begeistert vom Konzept», sagt Stadtpräsident Raphael Golta.
Statt rund um das Seebecken soll das Fest künftig entlang von Sihl und Limmat auf rund zehn Kilometern stattfinden, die Quartiere und Vereine einbinden und danach alle drei Jahre wiederholt werden.
Das neue Team ist allerdings das alte: Der Verein Zürcher Volksfeste (VZV) übernimmt die Trägerschaft, präsidiert von Alt-FDP-Gemeinderat Albert Leiser. Geschäftsführerin ist weiterhin Jeannette Herzog. Das neue Konzept kommt aber nicht ohne politische Fragen.
Die Mitte der Stadt Zürich will dem neuen Stadtfest eine Chance geben, bedauert aber, dass an die Stelle eines privat organisierten Volksfestes nun ein stärker von der Stadt geplantes Fest tritt. Auch die GLP kritisiert den Entscheid. Zudem stelle sich die Frage nach den finanziellen Risiken und den Kosten.

Redaktion: Herr Leiser, Frau Herzog: Warum soll ausgerechnet der Verein Zürcher Volksfeste das neue Züri-Fäscht organisieren, nachdem er die Zusammenarbeit mit der Stadt 2023 beendet hatte?
Jeannette Herzog: Wir haben nach dem letzten Züri-Fäscht angeboten, unser Wissen und unsere Erfahrung in den Entwicklungsprozess für ein neues Stadtfest einzubringen.
Wir durften den Prozess begleiten, an Austauschen teilnehmen und unsere Perspektive einbringen. Die Konzepte selbst wurden von den beauftragten Agenturen entwickelt.
Wir haben einen guten Einblick erhalten, worauf die Stadt bei einem künftigen Stadtfest Wert legt. Dass der Stadtrat entschieden hat, dem VZV die Trägerschaft zu übertragen, hat uns sehr gefreut.
Albert Leiser: Das Projekt hat grosses Potenzial. Es gibt neue Möglichkeiten und eine ganz andere Ausrichtung.
Die Stadt denkt wieder gross und will ein Volksfest für Zürich. Die Rahmenbedingungen für die Zukunft haben uns überzeugt.
Redaktion: Die GLP wundert sich, warum der VZV erneut den Zuschlag erhalten hat und ob andere Organisationen geprüft wurden. Wie kam es konkret zu diesem Entscheid?
Leiser: Der Entscheid zur Aufgabenübertragung wurde von der Stadt sorgfältig geprüft. Der Stadtrat hat entschieden, dem VZV die Ausarbeitung des Detailkonzepts zu übertragen.
Vorbehältlich der weiteren politischen Entscheide soll der VZV auch die Trägerschaft für die Durchführung des neuen Stadtfests übernehmen. Wir bringen dafür unsere langjährige Erfahrung in der Organisation grosser Volksfeste und unser breites Netzwerk ein.

Redaktion: Das Konzept stammt von der Zürcher Agentur Aroma. Es soll ein Fest von Zürich für Zürich werden. Welche Rolle spielt der VZV konkret?
Leiser: Das von Aroma entwickelte Szenario «Der Fluss» bildet die konzeptionelle Grundlage. Unsere Aufgabe ist es nun, mit der Stadt ein tragfähiges Detailkonzept zu entwickeln.
Dazu konkretisieren wir die Idee und die möglichen Festorte, prüfen die Machbarkeit und klären zentrale Fragen zu Organisation, Finanzierung, Sicherheit, Mobilität, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Programm und Beteiligung. Die spätere Umsetzung des Stadtfests steht unter dem Vorbehalt der weiteren politischen Entscheide.
Redaktion: 2023 waren hohe Kosten und zahlreiche Auflagen ein Grund für den Bruch mit der Stadt. Was ist heute anders?
Herzog: Heute ist die Ausgangslage eine andere: Wir führen nicht einfach das bisherige Fest an einem neuen Ort weiter, sondern entwickeln mit der Stadt auf einer neuen konzeptionellen Grundlage ein eigenständiges Stadtfest.
«Der Fluss» sieht entlang von Sihl und Limmat viele mögliche Festorte vor – von Manegg und Sihlcity über Sihlhölzli, Gessnerallee und Platzspitz bis zum Letten und in Richtung Höngg und Werdinsel.
Leiser: Das Züri-Fäscht konzentrierte sich rund ums Seebecken. Dort waren die Grünanlagen und Baumbestände besonders relevant und ein Fest in dieser Grössenordnung mit diesen Auflagen kaum durchführbar.
Jetzt haben wir eine Strecke von rund zehn Kilometern und können die Besucher besser verteilen. Durch die Dezentralisierung können wir viele Probleme entschärfen. Nachhaltigkeit und Sicherheit spielen dabei eine wichtige Rolle.

Redaktion: Wie gross ist das finanzielle Risiko?
Leiser: Für die Ausarbeitung des Detailkonzepts besteht ein klarer finanzieller Rahmen. Wie hoch die Kosten und das finanzielle Risiko der späteren Durchführung sein werden, lässt sich heute noch nicht seriös beziffern. Genau dies muss nun im Detailkonzept sorgfältig geklärt und anschliessend politisch entschieden werden.
Redaktion: 2023 waren Feuerwerk, Flugshow, Baumschutz und weitere Umweltauflagen zentrale Konfliktpunkte. Was davon wird 2029 möglich sein?
Herzog: Die Stadt macht die Vorgaben, wir organisieren das Fest. Eine Flugshow und Feuerwerk sind aktuell kein Thema. Unser Anspruch ist, zu zeigen, dass ein grosses Volksfest auch mit anderen Elementen und neuen Ideen funktionieren kann.
Redaktion: Welche Alternativen schweben Ihnen vor?
Leiser: Wir wollen stärker mit Licht, Projektionen und Wasser arbeiten. In Städten wie Amsterdam oder Hanoi in Vietnam haben wir gesehen, wie stark ein Fluss am Abend wirken kann, auch im Hinblick auf Lichtspiele und Stimmungen. Solche Elemente können für Zürich interessant sein.
Redaktion: Welche Rolle spielen KI und neue Technologien heute bei der Gestaltung eines Festes?
Herzog: Die Entwicklung ist enorm schnell. Deshalb wollen wir uns heute nicht auf einzelne Technologien festlegen. Wir müssen offen bleiben und schauen, was in drei Jahren tatsächlich sinnvoll und aktuell ist.
Auch die Zusammenarbeit mit Bildung und anderen Partnern kann neue Möglichkeiten eröffnen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








