Aus 24 Metern! Dieser Zürcher springt noch mit 80 in den Urnersee

Seit 45 Jahren prägt der Verein Zürcher Wasserspringer den Schweizer Wassersport. Gründer Peter Rüedi blickt zurück.

24 Meter über dem Urnersee steht Peter Rüedi auf der Plattform. Er steht rückwärts. Unter ihm glitzert das Wasser, vor ihm liegt der Sprung. Rüedi ist 80 Jahre alt.
Wenige Sekunden später stürzt er sich in die Tiefe. Es ist einer seiner letzten Sprünge aus dieser Höhe und ein Sinnbild für ein Leben, das stets vom Mut geprägt war, Neues zu wagen.
Was vor 45 Jahren begann, hat sich zu einer der grössten Erfolgsgeschichten des Schweizer Wassersports entwickelt: Der Verein Zürcher Wasserspringer (VZW) feiert sein 45-jähriges Bestehen.
Der Geburtstag wurde kürzlich in Oerlikon bei der Schweizer Nachwuchs-Sommermeisterschaft in Zürich-Oerlikon gewürdigt.
Seit seiner Gründung im Jahr 1981 prägt der Verein die Entwicklung des Wasserspringens in der Schweiz nachhaltig und zählt heute zu den führenden Adressen des Landes.

Über 250 Schweizer Meistertitel, internationale Einsätze an Europa- und Weltmeisterschaften und zahlreiche Nationalkaderathleten zeugen von einer aussergewöhnlichen Vereinsgeschichte.
Dass der VZW heute eine feste Grösse im Schweizer Sport und Stützpunkt für Nachwuchsförderung ist, war bei seiner Gründung keineswegs selbstverständlich.
Im Gegenteil: Als Peter Rüedi, einer der Gründer und heutige Ehrenpräsident, die Idee eines eigenständigen Wasserspringvereins entwickelte, galt dies als kleine Revolution.
Wasserspringen war damals, wie heute, fast ausschliesslich an Schwimmvereine angekettet. Doch für Rüedi war klar, dass die Sportart mehr Eigenständigkeit verdient.
«Wasserspringen hat mit Schwimmen eigentlich nur gemeinsam, dass man im Wasser landet», meint Rüedi schmunzelnd. «Es ist eine eigene Sportart mit eigenen Anforderungen, eigener Kultur und eigener Leidenschaft.»
Damals noch Exoten
Von Beginn an lebte der Verein von aussergewöhnlichem Engagement. In den Anfangsjahren waren die finanziellen Mittel knapp.
Aus der Not heraus entstand eine weitere spektakuläre Idee: Eine Showgruppe präsentierte Wassersprungvorführungen an Seenachtsfesten, dem Zürifest und weiteren Grossveranstaltungen.
Mit einem mobilen, bis zu 20 Meter hohen Sprungturm begeisterten die Athletinnen und Athleten Zehntausende von Zuschauern. Die Einnahmen aus diesen Vorführungen finanzierten einen grossen Teil des Vereinsbetriebs und schufen die Grundlage für den späteren sportlichen Erfolg.
Ausserdem wurde der VZW so, ganz nebenbei, zu einem Mitbegründer des Cliff-Divings. Denn um das Publikum zu begeistern, versuchten die Athleten, sich immer spektakulärer von der 20-Meter-Plattform herunterzustürzen.
Damals betrachtete man sie als Exoten. Heute gelten Rüedi und seine Springer-Gruppe zu den ersten High-Divern überhaupt.
«Unsere Showgruppe war ziemlich pionierhaft unterwegs. Frederik Weill, einer unserer Springer, hat dann angefangen, High-Diving-Wettkämpfe im Tessin zu organisieren. Zuerst in Ponte Brolla und dann in Brontallo. Dort ist 1997 Red Bull das erste Mal als Sponsor aufgetreten».
2013 ist High-Diving zum ersten Mal Teil der Weltmeisterschaften des internationalen Schwimmverbands World Aquatics. Aus den Exoten sind offiziell seriöse Sportler geworden.
Für Peter Rüedi ist die Entwicklung des Vereins vor allem eines: Eine Bestätigung, dass sich Mut und Beharrlichkeit lohnen.
Fakten und Zahlen
Gründung: 1981
Aktivmitglieder: ca: 120, davon ca. 40 Wettkampfspringer
Jahresbeitrag: 100 CHF + Kursgeld
Willkommen sind: alle Niveaus und Alterstufen
Anmeldung und Kontakt:
www.vzw.ch
«Es macht Freude zu sehen, dass eine Idee, die wir vor Jahrzehnten gemeinsam entwickelt haben, heute noch lebt und Menschen begeistert. Dass der Verein weiterhin erfolgreich ist und jungen Sportlerinnen und Sportlern Perspektiven bietet, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit.»
Von der 24 Meter-Plattform, an der nach ihm benannten «Peter’s Dive» am Urnersee, wird Rüedi wohl nicht mehr springen.
«Den letzten Sprung von 24 Metern habe ich letzten Herbst gemacht. Da war ich 80 Jahre alt und der Sprung ist gut rausgekommen. Aber jetzt reicht es auch, so hoch springe ich nicht mehr», lacht der nun 81-Jährige.
Und sowieso: Sein wohl wichtigster Sprung für den Wasserspring-Sport liegt im Jahr 1981 mit der Gründung des VZWs.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.




