Nach dem Katar-Flop buhlen wieder mehr WM-Public-Viewings um Fans

Die späten Anspielzeiten der Fussball-WM stellen die Public Viewings in Zürich und Winterthur vor Herausforderungen. Doch im Vergleich zur «Winter-WM» in Katar haben die Fans eine grosse Auswahl. Ausgerechnet im Fifa Museum gibt es nur wenige Spiele zu sehen.

Die vielen Nachtspiele aufgrund der Zeitverschiebung sind für die Public Viewings ein Problem. Auffällig wenig Spiele gibt es im Fifa Museum zu sehen, nur gerade 12. Dabei war es Fifa-Präsident Gianni Infantino, der den Ausbau von 64 auf 102 Spiele forcierte.
«Wir befinden uns in einem Wohnquartier. Auch im gleichen Gebäude befinden sich Wohnungen. Da müssen wir bei der Lärmbelastung einen gewissen Kompromiss eingehen», heisst es auf Anfrage beim Museum. Die Auswahl unter anderem mit Spielen der Schweiz, Deutschland, Frankreich und dem Finale sei aber «ein schöner Mix», schreibt ein Sprecher.
Mit der Zurückhaltung ist das Fifa Museum nicht allein. Die Maag-Halle in Zürich steigt erst ab der K.O.-Runde richtig ein und zeigt vorher nur ausgewählte Gruppenspiele. Die Winti-Arena in Winterthur, die mit Platz für 3000 Fans wohl das grösste Public Viewing im Kanton ist, verzichtet auf die Übertragung von Vorrundenspielen, die nach 23 Uhr starten.
Ab den Sechzehntelfinals soll es in Winterthur aber auch späte Spiele geben. Wie die Organisatoren auf Anfrage sagen, laufen die Spiele dann nur drinnen, aufgrund der Nachtruheregeln. Es werden also weniger Leute in die Arena strömen können, als an normalen Tagen. Allerdings biete auch die Arena drin rund 1000 Leuten Platz. Die Zahl der übertragenen Spiele könnte sich auch noch ändern. «Wir bleiben flexibel», teilen die Organisatoren mit.
Wer schon in der Vorrunde Jordanien gegen Argentinien (4 Uhr) oder Kap Verde gegen Saudi-Arabien (2 Uhr) lieber auswärts als zuhause schauen will, muss auf Beizen hoffen. Zum glatten Köbi, der in diesem Jahr im Café Boy im Zürcher Kreis 4 einen Platz gefunden hat, gibt sich flexibel: Alle Spiele würden gezeigt – falls sich Fans 24 Stunden vorher anmelden.
In Winterthur soll es in der Fussballfabrik im Vitus Areal Töss tatsächlich jedes Spiel zu sehen geben, auch Südkorea gegen Tschechien in der ersten Fussballnacht um 4 Uhr oder Australien gegen die Türkei am Sonntag um 6 Uhr zum Aufwachen.
Viele weitere Bars und Lokale geben an, Spiele zu zeigen, die bis Mitternacht beginnen. Im Vergleich zur WM vor vier Jahren in Katar bemühen sich deutlich mehr Lokale um die Fussballfans. Späte Anspielzeiten sind offenbar weniger schlecht fürs Geschäft, als eine Fussball-WM in der Vorweihnachtszeit.
In den beiden grössten Zürcher Städten gibt es Sonderregelungen für einige späte Spiele. Die Winterthurer Beizen dürfen Spiele der Fussball-WM mitten in der Nacht teilweise auch draussen zeigen. Der Stadtrat hat für Wochenenden und die Schweizer Spiele Ausnahmen bewilligt. Der Anpfiff muss aber bis 23 Uhr erfolgen. Der Stadtrat will mit dem Entscheid «dem Wunsch breiter Teile der Bevölkerung» Rechnung tragen.
Die bisher bekannten Spiele der Schweiz beginnen jeweils um 21 Uhr. Weitere könnten aber in der K.O.-Phase später angesetzt sein. Vom Entscheid profitieren Strassencafés, Gastwirtschaften, aber auch grössere Public Viewings.
Zürich zog wenig später nach. Allerdings brauchte es einen Vorstoss im Stadtparlament, bis der Stadtrat das Übertragen von Spielen im Freien erlaubte, die an Wochenenden bis 23 Uhr angepfiffen werden.
Im Gegensatz zur WM 2022 in Katar, sind in der Stadt Zürich auch Public Viewings auf öffentlichem Grund erlaubt. Ein Vorstoss, diese aus politischen Gründen zu verbieten, scheiterte im Stadtparlament. Bisher gingen bei der Stadt Zürich zwei Gesuche für Public Viewings auf öffentlichem Grund ein. Auf dem Röschibachplatz in Wipkingen wird allerdings nur das Finale übertragen.
Auf dem Bullingerhof im Kreis 4 sollen die Fans hingegen während der ganzen WM gemeinsam Fussball schauen können. Das Sicherheitsdepartement bewilligte das Gesuch kürzlich ebenfalls. Auch dort gelten die Stadtzürcher Regeln bezüglich Nachtruhe.





