Zürcher Kläranlage Werdhölzli wird 100 Jahre alt

Die grösste Kläranlage der Schweiz wird 100 Jahre alt: Die Stadt Zürich feiert das Jubiläum der Anlage Werdhölzli, die einst gebaut wurde um übelriechende Flüsse und das Fischsterben zu bekämpfen.

Im Zürichsee und in der Limmat kann ohne Bedenken wegen Verunreinigungen gebadet werden. Das war nicht immer so und unterscheidet Zürich heute noch von anderen europäischen Städten, wie Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) kürzlich mitteilte.
Das Kanalisationssystem im Zusammenspiel mit der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Werdhölzli sei eine wichtige zivilisatorische Errungenschaft der Stadt Zürich. Die Gewässerqualität konnte in den vergangenen Jahrzehnten dank dem technologischen Fortschritt bei der Abwasserreinigung stark verbessert werden. Davon profitierten Menschen, Tiere und Pflanzen.
Die ARA wurde vor 100 Jahren mit einfachen Absetzbecken in Betrieb genommen. Seither sei die Anlage geprägt von stetigen Weiterentwicklungen – und die Herausforderungen blieben: Starkwetterereignisse führen zu hohen Spitzenlasten für die ARA. Das Bevölkerungswachstum bringe sie zudem an ihre Kapazitätsgrenzen. In den nächsten Jahren stehen darum zwei grosse Projekte an, die Erneuerung der mechanischen und die Erweiterung der biologischen Reinigung.
Zudem seien die Anforderungen zum Schutz natürlicher Ressourcen und des Klimas hoch. Aus dem «Abfallprodukt» der Abwasserreinigung, dem Klärschlamm, soll Phosphor zurückgewonnen, aus dem Rauchgas der Klärschlammverwertung klimaschädliches CO2 abgeschieden werden.
Nicht immer lief alles rund bei der hundertjährigen Kläranlage. In die negativen Schlagzeilen geriet das Werdhölzli in den 2010er-Jahren. Der ERZ-Direktor Urs Pauli hatte eine Parallelwelt aufgebaut. Im Werdhölzli wurde mit abgezweigten Geldern in einem ehemaligen Klärbecken eine Badelandschaft gebaut. Auch eine Anlage mit Wildvögeln und Emus sorgte für grosses Kopfschütteln.
Noch früher, 1992, flog die sogenannte Klärschlamm-Affäre auf. Der leitende Beamte der Zürcher Stadtentwässerung hatte von mehreren Unternehmern Geld für die zu teure Entsorgung von Klärschlamm angenommen.
Nun will die Stadt Zürich aber feiern: Am 30. Mai ist die Bevölkerung eingeladen, das 250'000 Quadratmeter grosse Areal zu besuchen.




