Stadt Zürich

Queere schlagen nach Absage von Pride Festival Alarm

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Das grösste Schweizer Festival für Queere fällt aus, weil es in einer Finanzkrise steckt. Trans Frau Michelle Halbheer nimmt die Firmen in die Pflicht.

Festival
Dieses Jahr findet nur die Demo der Zürich Pride statt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Zurich Pride Festival fällt dieses Jahr wegen angeschlagener Finanzen aus.
  • Etwa die Swisscom sponsert das Festival nicht mehr.
  • Jetzt wäre das Engagement der Firmen umso wichtiger, sagt trans Frau Michelle Halbheer.

Nach der Demo ist Schluss. Das grösste Schweizer Festival für queere Menschen findet dieses Jahr nicht statt. Auf der Zürcher Landiwiese am 20. Juni gibt es also keine Bars, Foodstände und Bühnenshows, die zum Feiern einladen.

Das hat der Verein Zurich Pride Festival während einer ausserordentlichen GV entschieden.

Unter anderem haben die angeschlagenen Finanzen des Vereins den Ausschlag für die Absage des langjährigen Festivals gegeben.

Unternehmen reduzieren oder streichen Pride-Sponsoring

Letzten Sommer wurde bekannt, dass verschiedene grosse Unternehmen ihr Sponsoring für die Pride reduziert oder beendet haben.

Zur Frage, wie viele und welche Sponsoren abgesprungen sind, äussert sich Der Verein nicht.

Sollten Firmen das Festival jetzt erst recht sponsern?

«Zurzeit sind wir mit Unternehmen im Gespräch, die uns weiterhin unterstützen wollen», sagt Julia A. Müller, Leiterin der Geschäftsstelle.

Vor der ausserordentlichen GV sei es nicht möglich gewesen, die Verträge zu finalisieren. Denn: «Es war noch nicht klar, in welcher Form die Zurich Pride stattfinden wird.»

«Wir rennen rückwärts!»

Michelle Halbheer ist ehemalige Co-Präsidentin der Mitte Kanton Zürich. Die 26-Jährige hat ihren Namen angepasst, ihr Geschlecht angeglichen und lebt heute als Frau. Das Festival sei für queere Menschen immer eine grosse Ressource gewesen, sagt sie zu Nau.ch.

«Es war eine gute Möglichkeit, miteinander zu feiern und mit den Dachverbänden in Kontakt zu treten.»

In den letzten Jahren hätten Firmen queere Werte propagiert, sagt Halbheer. «Jetzt wäre es umso wichtiger, dass die Firmen zu diesen queeren Werten stehen.»

Das politische Klima gegenüber queeren Menschen sei aktuell sehr aufgeladen, sagt Halbheer. US-Präsident Donald Trump hetze gegen queere Menschen.

«Zugleich sind Transjugendliche in der Schweiz unter Druck.» Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli fordert ein Verbot geschlechtsangleichender Behandlungen bei Minderjährigen. Zudem ist im Nationalrat ein solcher Vorstoss hängig.

Alarm schlägt auch der Zürcher GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim. Die Absage des Fests sei ein Zeichen, dass unsere diverse Gesellschaft ernsthaft gefährdet sei, schreibt er auf Instagram. «Wir machen gerade nicht nur einen Rückschritt, wir rennen rückwärts! »

«Nur wenn sie in Mode sind»

Michelle Halbheer kritisiert, dass sich die Firmen zurückziehen, anstatt sich in den Gegenwind zu stellen.

«Es deutet darauf hin, dass man queere Anliegen nur unterstützt, wenn sie in Mode sind oder als positiv wahrgenommen werden.» Queere Menschen seien aber nicht nur eine Möglichkeit, um ein Unternehmen besser aussehen zu lassen.

In einem Post auf Instagram spricht sie die Firmen direkt an. «Wir haben Leben und Träume. Schade, dass das bei euch leider nicht angekommen ist», schrieb sie.

Julia A. Müller vom Verein Zurich Pride Festival findet die Kritik «durchaus verständlich».

«Pinkwashing wurde bestimmt auch mit der Zurich Pride betrieben», sagt sie. Darum hat der Verein die Regel eingeführt, dass Haupt- und Co-Sponsoren das Swiss.LGBTI-Label tragen müssten.

Pinkwashing bedeutet nur vorzugeben, sich für queere Anliegen einzusetzen, um tolerant zu wirken.

Swisscom springt ab

Zu den Sponsoren, die das Festival nicht mehr unterstützen, zählt die Swisscom.

Die Firma habe das gesamte Sponsoring‑Portfolio im vergangenen Jahr strategisch neu beurteilt, sagt Mediensprecher Sepp Huber zu Nau.ch.

Es gehe dabei um eine inhaltliche und organisatorische Priorisierung – nicht um Sparmassnahmen. «In diesem Rahmen haben wir entschieden, das Engagement beim Zurich Pride Festival nicht weiterzuführen.»

Die Swisscom bleibe eine überzeugte Befürworterin von Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion, hält Huber fest.

Sie engagiere sich weiterhin über ihre internen «Diversity, Equity & Inclusion»-Programme, ihr internes LGBTQ*-Netzwerk sowie über das Swiss LGBTI‑Label.»

Swiss und UBS bleiben Sponsoren

Die Airline Swiss bedauert, dass das Festival dieses Jahr nicht durchgeführt wird. «Swiss steht klar und konsequent an der Seite der LGBTQIA+ Community», sagt Mediensprecherin Meike Fuhlrott.

Die Fluggesellschaft unterstütze die Zurich Pride weiterhin und habe ihr Engagement für 2026 sowie darüber hinaus bekräftigt. «Gleichberechtigung, Vielfalt und Chancengleichheit sind für uns zentrale Werte, in der Gesellschaft wie auch in unserem Unternehmen.»

Derzeit prüfe die Swiss, wie sie ihr Engagement rund um die Pride in diesem Jahr konkret ausgestalten werde, sagt Fuhlrott. Auch stünden sie in engem Kontakt mit den Organisatorinnen und Organisatoren des Zurich Pride Festivals.

Auch die UBS ist nicht abgesprungen. «Die UBS unterstützt die Zurich Pride auch 2026», sagt eine Mediensprecherin.

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