Zürcher Kantonsrat will Förderklassen für schwache Schüler

Der Zürcher Kantonsrat hat sich am Montag deutlich für die Einführung von Förderklassen ausgesprochen. Damit sollen Gemeinden die Möglichkeit haben, lernschwache und verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler in separaten Klassen zu unterrichten.

Die Ratslinke warnte, dass auf diese Weise Kinder mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen in die Förderklassen kämen – erfolglos. Der Kantonsrat schmetterte alle Anträge ab. Einen Antrag auf Nichteintreten lehnte er mit 117 zu 57 Stimmen ab.
Nach dem Willen der Mehrheit sollen die Gemeinden künftig Förderklassen einführen, wenn sie Bedarf sehen. Diese würden von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen geführt.
Derzeit können Gemeinden Kleinklassen einführen. Dies wird jedoch kaum genutzt. Einen Antrag, diese Klassen beizubehalten, lehnte der Kantonsrat ab. Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen) begründete den Antrag mit unterschiedlichen Zielen von Klein- und Förderklassen. «Kinder in Kleinklassen haben Förderungsbedarf über eine längere Zeit, Förderklassen sollen sie nur vorübergehend besuchen.»
Wie Marc Bourgeois (FDP, Zürch) ausführte, sind Kleinklassen finanziell nicht attraktiv für die Gemeinden. «Hier haben wir mit den Förderklassen nachgebessert», sagte er. Er sah lediglich eine Umbenennung der Klassen.
Die Diskussion drehte sich vor allem darum, ob Förderklassen Kindern und Lehrpersonen schaden oder helfen. Bourgeois fand, die Linken sollten «endlich das Scheitern der integrativen Schule anerkennen».
Mit der Vorlage hätten die Gemeinde eine Wahlfreiheit. Auch erweiterte Lernräume als kurzfristige Massnahme für störende Kinder seien möglich. «Statt in eine Sonderschule gehen zu müssen, können Kinder in der Gemeinde bleiben, das ist integrierend».
Nadia Koch (GLP, Rümlang) fand die Warnung vom Ende der integrativen Schule übertrieben. «Die Förderklassen sind keine Sackgasse, die Kinder werden gestärkt», sagte sie. Vorgesehen ist, dass die Kinder mindestens sechs Monate in eine Förderklasse kommen.
Grundsätzlich gegen Separierung war Wilma Willi (Grüne, Stadel). «Schule soll für alle funktionieren, wir wollen keine Trennung», sagte sie. Wie andere Sprecherinnen störte sie sich daran, dass die Kommission die «Kann»-Formulierung des Regierungsrats bei der Einführung der Förderklassen gestrichen hat.
Bourgeois betonte, dass dies nur bei Bedarf passieren soll, die Gemeinden sollten selber entscheiden. Der Rat lehnte den Antrag der Linken für eine «Kann»-Formulierung mit 116 zu 57 Stimmen ab.
Wie Anita Borer (Uster) im Rat sagte, brachte die SVP das Thema schon vor über zehn Jahren aufs Tapet. «Integration um jeden Preis funktioniert so nicht mehr», sagte sie. Mit den Förderklassen werde ein «längst überfälliger Kurswechsel in der Volksschule» eingeleitet, teilte die SVP gleichentags mit.
Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) zeigte sich zufrieden. Es gebe keinen Zwang für Förderklassen, die Gemeinden hätten Gestaltungsmöglichkeiten. Finanziell könne die Vorlage sinnvoll sein. «Wenn wir die Sonderschulquote senken, sparen wir Kosten.»
Die Förderklassen-Initiative stammt aus Kreisen der GLP, FDP und SVP. Der Kantonsrat stimmte der Initiative im März 2025 zu. Einen Gegenvorschlag des Regierungsrats, der auf Förderklassen verzichten wollte, lehnte das Parlament damals ab. Weil die Initiative nur als allgemeine Anregung formuliert war, musste der Regierungsrat eine Vorlage ausarbeiten. Über diese befand der Kantonsrat am Montag.
Das Geschäft geht nun an die Redaktionskommission. Die Schlussabstimmung findet an einer der nächsten Sitzungen statt. Das Stimmvolk könnte definitiv entscheiden, ein Referendum gegen den Entscheid wäre möglich.





