Stadt Zürich steht vor Pilotprojekt mit 35-Stunden-Woche

Der Zürcher Stadtrat hat nach über drei Jahren die Rahmenbedingungen für eine 35-Stunden-Arbeitswoche ausgearbeitet. In welcher städtischen Abteilung ein Pilotprojekt gestartet werden soll, ist aber noch offen.

Gleicher Lohn für weniger Arbeit: Die Stadt Zürich soll vorangehen und ein Pilotprojekt für Schichtarbeitende, etwa Polizei, VBZ oder Pflegende starten. So wünschten sich das die linken Parteien im Stadtparlament am 15. März 2023. «Wir müssen dringend entschleunigen», sagte Motionär David Garcia Nuñez (AL) dazu. Die linke Mehrheit brachte die Motion mit 60 zu 57 Stimmen durch.
Am Donnerstag schaltete der Stadtrat nun die Weisung mit den rechtlichen Grundlagen für Pilotprojekte mit 35 statt 42 Stunden pro Woche auf. Es brauchte mehrfach Fristverlängerungen um die rechtlichen Grundlagen umzusetzen. Das Pilotprojekt wäre auf ein Jahr mit einer Verlängerung um maximal ein weiteres Jahr angelegt.
Der zuständige Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) tat sich schon bei der Debatte im Gemeinderat schwer mit der Forderung. Er warnte damals vor einem «hyperaufwändigen Versuch, der alle stresst». Die städtische Personalabteilung könne so etwas kaum bewältigen.
Würde die Arbeitszeitreduktion bei gleichem Lohn in der gesamten Verwaltung eingeführt, würden auf die Stadt geschätzte Mehrausgaben von bis zu 110 Millionen Franken zukommen. Zudem müssten bis zu 1500 zusätzliche Angestellte gefunden werden, um die Lücken zu stopfen. «Ich weiss nicht, woher wir diese Leute nehmen sollen», sagte Leupi.
Positives aus Island
In der Weisung wird auch auf andere Beispiel verwiesen. Island startete zwei Pilotversuche. Durch kürzere Sitzungen, Optimierung von Schichtplänen oder Effizienz durch Digitalisierung habe etwa bei der Polizei das Ziel der Kostenneutralität erreicht werden können. Allerdings sei dies beispielsweise im Gesundheitsbereich nicht möglich gewesen.
In Schweden habe es in mehreren kleineren Versuchen zusätzliches Personal gebraucht, um die wegfallende Arbeitszeit auszugleichen, heisst es weiter. Die Kosten seien der Grund, warum es dort, im Gegensatz zu Island, bei Pilotversuchen blieb.
Ungleichbehandlung ist Zweck
Als rechtlich zulässig sieht der Stadtrat, dass die am Pilotversuch Teilnehmenden ungleich behandelt werden, als die anderen städtischen Angestellten. Zweck sei nicht die Besserstellung einer bestimmten Gruppe von Angestellten, sondern die Erprobung von Massnahmen, welche später vielleicht für alle Angestellten oder für einen sehr viel grösseren Kreis zur Anwendung gelangen sollen. Die Ungleichbehandlung sei also Zweck, nicht Folge der Massnahme.
Die Weisung wird an der Sitzung vom kommenden Mittwoch einer Kommission des Gemeinderats zugewiesen. Wann das Parlament darüber entscheidet, ist noch offen.
Keine Chance im Kantonsrat
Auf Kantonsebene hatte die 35-Stunden-Woche keine Chance. Der Zürcher Kantonsrat lehnte einen Vorstoss der Grünen im September 2024 für eine Studie zur 35-Stunden-Woche mit 111 zu 57 Stimmen ab.
Befürworterinnen und Befürworter argumentierten unter anderem mit möglichen positiven gesundheitlichen Auswirkungen. Beispiele aus dem Ausland sowie von einzelnen Firmen, welche die Arbeitszeit reduziert hätten, würden zahlreiche positive Auswirkungen zeigen.
Auf der Gegenseite wurde vor allem von einer drohenden Verschärfung des Fachkräftemangels sowie steigenden Lohnkosten gewarnt. Auch der Regierungsrat sprach sich gegen das Postulat aus.






