Stadt Zürich

«Ziemlich hilflos»: Schawinski kritisiert SRF wegen «Reporter»-Aus

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Zürich,

SRF nimmt die Reportage-Sendung «Reporter» aus dem linearen TV-Programm. Medienpionier Roger Schawinski hält wenig von diesem Entscheid.

Roger Schawinski
Roger Schawinski kritisiert den Entscheid von SRF deutlich. Für ihn ergibt es «aus Quoten- und Kostensicht» keinen Sinn, «Reporter» aus dem linearen TV zu nehmen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • SRF nimmt «Reporter» ab 2027 aus dem linearen TV-Programm.
  • Den bisherigen Sendeplatz übernimmt «Kulturplatz», obwohl die Sendung deutlich weniger Zuschauer erreicht.
  • Roger Schawinski hält den Entscheid «aus Quoten- und Kostensicht» für nicht nachvollziehbar.

SRF muss sparen und kippt darum «Reporter» aus dem linearen TV-Programm.

Heisst: Ab 2027 ist die Sendung nicht mehr wie bisher im Fernsehen zu sehen. Ganz verschwinden sollen die Reportagen allerdings nicht. SRF will die Marke künftig multimedial weiterentwickeln, also digital.

Den frei werdenden Sendeplatz übernimmt der «Kulturplatz». Die Sendung läuft bisher am Mittwoch um 22.25 Uhr und rückt neu in die Primetime auf 21 Uhr vor. Aktuell läuft dort direkt nach der «Rundschau» «Reporter».

SRF Reporter
Das Logo der SRF-Sendung «Reporter». Ab 2027 verschwindet das Format aus dem linearen TV-Programm. - SRF

Das sorgt für Stirnrunzeln. Denn «Reporter» erreicht im linearen Fernsehen rund 200'000 Zuschauer pro Woche. Der «Kulturplatz» kommt auf etwa 80'000.

Einer, der den Entscheid nicht nachvollziehen kann, ist Roger Schawinski (81). Der langjährige TV-Macher und Medienunternehmer sagt zu Nau.ch: «Aus Quoten- und Kostensicht ergibt dies keinen Sinn.»

«Kulturplatz» kostet sogar mehr

Tatsächlich fällt nicht nur der Unterschied bei den Zuschauerzahlen auf.

Auch bei den Produktionskosten ist der «Kulturplatz» nicht das günstigere Format. Laut den von SRF veröffentlichten Sendungskosten kostet eine 30-minütige «Reporter»-Eigenproduktion im Durchschnitt 48'000 Franken. Rund 20 solcher Eigenproduktionen werden jährlich hergestellt.

Für eine ebenfalls 30-minütige Ausgabe von «Kulturplatz» weist SRF durchschnittliche Kosten von 55'000 Franken aus.

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«Kulturplatz»-Moderatorin Eva Wannenmacher wird von ihren Kollegen verabschiedet. - SRF

Allerdings läuft die Kultursendung bislang deutlich später am Abend. Der direkte Vergleich der Zuschauerzahlen ist deshalb nur bedingt möglich. Ab 2027 erhält «Kulturplatz» mit dem Wechsel auf den früheren Sendeplatz eine wesentlich bessere Ausgangslage.

Schawinski glaubt trotzdem nicht, dass allein Quoten und Kosten hinter dem Entscheid stehen.

Schawinski spricht von «Kultur-Lobby»

Seine Vermutung fällt deutlich aus: «Offenbar ist etwas anderes entscheidend: Man will die Kultur-Lobby ruhigstellen. Die ist entsetzt über die Inhaltverluste und die katastrophalen Reichweitenrückgänge beim Kulturradio SRF 2. Nun will man mit dieser Massnahme offenbar das angeschlagene Kultur-Image aufwerten..»

SRF selbst begründet den Wechsel anders. «Kulturplatz» soll auf dem früheren Sendeplatz mehr Sichtbarkeit erhalten. Gleichzeitig will SRF auch die Kultursendung stärker für Streaming weiterentwickeln.

Soll «Reporter» weiterhin im TV zu sehen sein?

«Kulturplatz» dürfte vom früheren Sendeplatz zwar profitieren. Einen grossen Erfolg erwartet Schawinski dadurch aber nicht.

«Man wird etwas mehr Publikum holen, aber nicht genug, was auf diesem hervorragenden Sendeplatz nötig wäre.»

«Reporter» seit Jahren eine feste Marke

Auch Hanspeter Bäni bedauert gegenüber Nau.ch das Ende von «Reporter» im linearen Fernsehen. Der langjährige Filmemacher arbeitete viele Jahre für die Sendung und prägte sie nach eigener Einschätzung während ihrer Blütezeit wesentlich mit.

Sein Bezug zum Format sei entsprechend gross. Einen Grossteil seiner rund ein Dutzend Medienpreise erhielt Bäni für seine Arbeit bei «Reporter».

Zur weiteren Entwicklung der Sendung möchte er sich nicht öffentlich äussern.

Hanspeter Bäni: So erzählst du eine gute Geschichte.

Ganz auf Reportagen im linearen Fernsehen verzichtet SRF künftig allerdings nicht.

Auf dem bisherigen «Kulturplatz»-Sendeplatz um 22.25 Uhr sollen ab 2027 Reportagen wie «rec.» und «SRF Impact» laufen. Auch den «DOK»-Termin am Donnerstagabend behält SRF bei und ergänzt ihn um weitere Formate.

Wie «Reporter» künftig konkret aussehen soll, bleibt offen. Klar ist nur: Die Marke soll multimedial weitergeführt werden.

Schawinski warnt vor weniger Nutzung

Auch die Verlagerung von «Reporter» ins Digitale sieht Schawinski kritisch.

Auf die Frage, ob es richtig sei, ein etabliertes Reportageformat aus dem linearen Fernsehen zu nehmen und stärker ins Digitale zu verschieben, antwortet er klar: «Nein. Die Kosten bleiben, aber die Nutzung dieser Programme wird massiv zurückgehen. Das ist ein weiterer Verlust für das Hauptangebot, das lineare Programm.»

Roger Schawinksi interview schawinski
Roger Schawinski im Studio von Radio 1. - keystone

Die Änderungen sind Teil eines grösseren Sparprogramms. SRF muss 2027 insgesamt 9,7 Millionen Franken einsparen. Gleichzeitig werden 38 Vollzeitstellen abgebaut. Rund die Hälfte davon soll über natürliche Fluktuation wegfallen, in den übrigen Fällen kommt es zu Kündigungen oder Frühpensionierungen.

Dahinter steht ein noch weitreichenderer Sparkurs der SRG. Bis 2029 sollen rund 270 Millionen Franken eingespart werden. Allein bis 2027 sind Einsparungen von rund 80 Millionen Franken vorgesehen. Gleichzeitig setzt SRF stärker auf Streaming und zeitversetzte Nutzung.

Für Schawinski ist der Entscheid um «Reporter» deshalb mehr als nur eine Verschiebung zweier Sendungen.

Sein Urteil über die aktuelle Programmstrategie von SRF fällt entsprechend hart aus: «Für mich wirkt dies ziemlich hilflos.»

Kommentare

User #2962 (nicht angemeldet)

überall unfähige CEOs, SRF spart am falschen Ort, aber die Chefetage gibt lieber weiterhin sagenhafte 45000.- Für lächerliche 30 Minuten Sendezeit aus

User #6472 (nicht angemeldet)

Kunst und Kultur hat im TV nichts zu suchen, da unnütz und teuer und keine Wirtschaftlichkeit!

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