Stadt Zürich

Panne beim Geschenk: So lief Buchelis grosser «Meteo»-Abschied

Etienne Sticher
Etienne Sticher, Cheri Reinhardt

Zürich,

Nach 34 Jahren ist Schluss: Thomas Bucheli verabschiedet sich von «SRF Meteo». Hinter ihm liegen Wetter, Wirbel und unzählige TV-Momente.

00:00 / 00:00

Thomas Bucheli wird vom Meteo-Team verabschiedet. - srf

Das Wichtigste in Kürze

  • Thomas Bucheli moderierte am Mittwochabend seine letzte SRF-Meteo-Sendung.
  • Fast 30 Jahre lang prägte er die Wetterprognosen beim Schweizer Fernsehen.

Jetzt ist Schluss! SRF-«Meteo»-Chef Thomas Bucheli (65) verkündete heute Abend nach rund 30 Jahren das letzte Mal die Wetterprognosen. Er sei nervöser als bei seiner allerersten Sendung, sagte Bucheli zum Schluss schmunzelnd.

Zum grossen Finale stieg das ganze «Meteo»-Team mit ihm aufs Dach im Leutschenbach.

srf
Herzig: Das gesamte «Meteo»-Team hielt ein Dankes-Plakat für Bucheli in die Kamera. - Screenshot SRF

Sandra Boner, sein Nachfolger Gaudenz Flury und viele weitere «Meteo»-Gesichter hielten für Bucheli ein herziges Transparent in die Kamera: «Danke, Thomas! Das Wetter bleibt, du wirst fehlen.»

«Du bist eine lebende Legende», lobte Flury ihn. Und dankte ihm für den grossen Erfolg der «Meteo»-Sendungen im SRF. Bloss: «Wir wissen fast nicht, was dir schenken», zögerte der Nachfolger.

srf
Überraschung! Bucheli erhält eine Nebelmaschine geschenkt. - Screenshot SRF

Dann die Überraschung: «Du liebst Nebel – also schenken wir dir eine Nebelmaschine!»

Panne beim Abschiedsgeschkenk für Thomas Bucheli

Ausgerechnet beim Anschalten klappte es dann aber nicht. Erst beim zweiten Versuch klappte es, und blauer Nebel schoss aus der Maschine. Vollprofi Bucheli bringt das Team mit einem Konter zum Lachen: «Die Maschine bringt wie die Prognosen nicht immer, was man erwartet.»

Dann bedankt sich der Wetterchef für die Treue des Publikums. «Uf Wiederseh mitenand.»

srf
Auch eine Torte mit dem «Meteo»-Dach gabs für Bucheli. - Screenshot SRF

Schon vor seiner letzten Mittagssendung zeigte sich Bucheli in einem Instagram-Reel von «SRF Meteo» ungewohnt nervös.

Nach Tausenden Wetterprognosen werden plötzlich auch für ihn die letzten Auftritte speziell.

Vom Greenhorn zum TV-Gesicht

Dabei begann alles weit weniger souverän.

Am 5. September 1992 stand Bucheli erstmals für die damalige «Meteo»-Sendung vor der Kamera. Damals wurde noch aufgezeichnet. Mehrere Anläufe waren möglich.

Rückblickend bezeichnete sich Bucheli in den Medien selbst als «Greenhorn» (dt. Neuling) im Mediengeschäft. Seine Gestik sei ihm während der Ausbildung zunächst regelrecht abtrainiert worden. Bei seiner ersten ausgestrahlten Sendung sei er dennoch «grausam» stolz gewesen.

Drei Jahre später, 1995, übernahm er bereits die Leitung der Wetterredaktion.

Bucheli wurde zu einem der bekanntesten Gesichter des Schweizer Fernsehens.

Das «Meteo»-Dach verändert alles

Ein entscheidender Moment folgte am 2. September 2002.

«SRF Meteo» ging erstmals live vom Dach des Fernsehstudios in Zürich-Leutschenbach auf Sendung. Für Bucheli veränderte das seinen Beruf grundlegend.

Statt Stunden zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung konnten die Meteorologen nun bis kurz vor Sendebeginn auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Fast 24 Jahre lang war das Dach danach Buchelis TV-Heimat.

Thomas Bucheli 2006
«Wetterfrosch» Thomas Bucheli 2006 auf der damals neu gestalteten Dachplattform von SRF Meteo in Zürich. Fast 20 Jahre später verabschiedet er sich nun vom TV-Wetter. - keystone

Und dort bekam das Publikum nicht nur Hochs und Tiefs zu sehen.

Legendär wurde etwa eine Sendung im Juni 2021, als Bucheli bei heftigem Wind mit seinem Regenschirm kämpfte. Die Szene verbreitete sich in den sozialen Medien und wurde zum kleinen TV-Kultmoment.

00:00 / 00:00

Thomas Bucheli kämpft in der Meteo-Ausgabe vom 30. Juni 2021 mit dem Schirm. - SRF Meteo

Normalerweise hält das «Meteo»-Team auf dem Dach übrigens einiges aus. Selbst bei Regen wird draussen moderiert. Erst wenn Blitzgefahr besteht, geht es aus Sicherheitsgründen hinein.

Seine bitterste Prognose

Doch in 34 Jahren ging nicht alles gut.

Als einschneidendste Fehlprognose seiner Karriere bezeichnet Bucheli den Orkan Lothar vom 26. Dezember 1999.

Das Ausmass des Sturms wurde nicht rechtzeitig erkannt. Bucheli hatte am Vorabend selbst noch gearbeitet und wollte am nächsten Tag eigentlich seine Eltern besuchen.

LOTHAR, ORKAN, UNWETTER, SCHADEN, BAUM, UFERWEG, GESPERRT, STURMSCHAEDEN, SCHAEDEN, RADFAHRER, NATURKATASTROPHE
Umgeknickte Bäume an der Seepromenade in Zürich, Sonntag, 26. Dezember 1999. - keystone

Als er nach dem Aufstehen das Chaos sah, fuhr er stattdessen ins Büro. Dort analysierte das Team, wie es zur Fehleinschätzung kommen konnte.

Lothar veränderte danach auch Abläufe in der Meteorologie. Unter anderem entstanden neue Warnsysteme.

Bucheli musste sich immer wieder wehren

In den letzten Jahren wurde das Wetter zunehmend auch politisch.

Bucheli selbst brachte es Anfang 2026 in einem SRF-«Tagesgespräch» auf den Punkt: Das Wetter sei heute «politisch aufgeladen».

Besonders deutlich zeigte sich das im Sommer 2023.

Damals waren automatisch berechnete Temperaturprognosen für einige Feriendestinationen am Mittelmeer teilweise deutlich zu hoch. Aus politischen Kreisen wurden sogar Manipulationsvorwürfe laut.

Wirst du Thomas Bucheli bei «SRF Meteo» vermissen?

Bucheli räumte die Fehler öffentlich ein und entschuldigte sich. Den Vorwurf einer bewussten Verfälschung wies er aber entschieden zurück. Die problematischen Werte seien automatisiert berechnet worden.

Auch neue Wettergrafiken sorgten später für Diskussionen.

Als SRF-«Meteo» 2024 sein Erscheinungsbild änderte, beklagten sich Zuschauer unter anderem über schlechte Lesbarkeit. Bucheli verteidigte die Neuerungen, erklärte aber gleichzeitig, dass Rückmeldungen ausgewertet und Verbesserungen vorgenommen würden.

«Ich bin bürgerlich, klar»

Auch beim Klimawandel liess sich Bucheli nicht gerne in eine politische Ecke stellen.

00:00 / 00:00

«Meteo»-Bucheli wird pflotschnass. - SRF

2024 verriet er in einem Interview, politisch bürgerlich zu sein. Seine Aufgabe als Meteorologe sehe er trotzdem darin, naturwissenschaftliche Zusammenhänge objektiv darzustellen.

Ein Aktivist sei er nicht. Er wolle den Menschen nicht vorschreiben, was sie tun oder lassen sollten. Doch wenn aus seiner Sicht Zahlen eine klare Sprache sprechen, hielt sich Bucheli auch nicht zurück.

Während der aussergewöhnlichen Hitze dieses Sommers widersprach er beispielsweise jenen, die behaupteten, solche Temperaturen habe es schon immer gegeben.

Hitzewelle Schweiz
SRF-Wetterfrosch Thomas Bucheli hat in der Meteo-Abendausgabe klargestellt, dass die Hitzewelle 2026 historisch gesehen einzigartig ist. - Screenshot/SRF

Anhand langer Messreihen aus Luzern zeigte er, wie stark sich die Zahl der Hitzetage verändert hat.

«Ziemlich scharfes E-Mail»

Und manchmal knöpfte er sich Kritiker gleich live vor.

Erst im Juli berichtete Nau.ch über eine «Meteo»-Sendung, in der Bucheli von einem «ziemlich scharfen E-Mail» eines Zuschauers erzählte.

Der Mann ärgerte sich darüber, dass immer wieder Gewitter angekündigt würden, bei ihm aber kein Regen falle.

00:00 / 00:00

Thomas Bucheli reagiert bei «SRF Meteo» direkt auf ein «scharfes E-Mail» eines Zuschauers. - SRF Meteo

Bucheli erklärte daraufhin vor laufender Kamera, weshalb Gewitter zwar für eine Region vorhergesagt werden können, einzelne Orte aber trotzdem trocken bleiben.

Solche Reaktionen begleiteten ihn über Jahre.

Bucheli erzählte wiederholt von teilweise aggressiven Zuschriften. Konstruktive Kritik habe er geschätzt. Mit anonymen Angriffen konnte er dagegen wenig anfangen.

Eigentlich wollte Bucheli Pilot werden

Dabei hatte Bucheli ursprünglich ganz andere Pläne. Der in Hitzkirch LU aufgewachsene Luzerner wollte als Jugendlicher Pilot werden und absolvierte die fliegerische Vorschulung.

Während der Piloten-RS entging er nach eigenen Angaben nur knapp einem Absturz. Seine Fliegerkarriere war damit vorbei – doch über die Fliegerei hatte er die Meteorologie entdeckt.

Bucheli studierte anschliessend an der ETH Zürich Geografie mit Schwerpunkt Meteorologie, Klimatologie und Atmosphärenphysik. Später arbeitete er bei der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt und bei Meteomedia.

Ausgerechnet Nebel ist sein Lieblingswetter

Wer bei einem Wettermoderator Sonnenschein als Lieblingswetter erwartet, liegt bei Bucheli falsch.

Er liebt Nebel.

00:00 / 00:00

Thomas Buchelis Lieblingswetter - Nau

Je dichter, desto besser, verriet er gegenüber Nau.ch

Passend dazu bekam der Meteorologe zum Abschied sogar sein eigenes Hochdruckgebiet.

Eines der nächsten Hochs trägt den Namen «Thomas». Und Bucheli hat dafür einen besonderen Wunsch: Es soll möglichst dichten Bodennebel bringen.

Vom SRF-Dach zurück zu den Piloten

Ende Mai feierte Bucheli seinen 65. Geburtstag und wurde offiziell pensioniert.

Weil sich bei «SRF Meteo» personell einiges veränderte und neue Mitarbeitende eingearbeitet wurden, blieb er dem Sender über den Sommer im Auftragsverhältnis erhalten.

Die Leitung der Wetterredaktion hat inzwischen Gaudenz Flury (45) übernommen. Er arbeitet seit 2012 für «SRF Meteo».

srf
Neuer Meteo-Chef: Gaudenz Flury. - SRF

Ganz in den Ruhestand verschwindet Bucheli aber ohnehin nicht.

Künftig will er weiterhin als Wetterexperte tätig sein. Zudem schliesst sich für ihn ein Kreis: Die Swiss hat ihn als Wetterinstruktor für angehende Pilotinnen und Piloten angefragt.

Der einstige Pilotenschüler bringt damit künftig einer neuen Generation bei, was Wolken, Wind und Luftdruck für die Fliegerei bedeuten.

Nur aufs «Meteo»-Dach muss er dafür nicht mehr.

Kommentare

User #5106 (nicht angemeldet)

Es gibt keinen menschengemachten Klimawandel. Alles Propaganda

User #8220 (nicht angemeldet)

Hat Jörg Kachelmann Thomas Bucheli auch gefrorenes CO2 geschenkt?

Weiterlesen

Thomas Bucheli
555 Interaktionen
«Liegt in der Natur»
srf meteo
177 Interaktionen
«Unlesbar»

Mehr aus Stadt Zürich

3 Interaktionen
Grosses Ärgernis
Angelica Moser Weltklasse Zürich
1 Interaktionen
Weltklasse Zürich
3 Interaktionen
Zürich
Unispital Zürich
2 Interaktionen
Zürich

Mehr aus Zürich

5 Interaktionen
Zürich