Zürich: Kunsthaus zeigt Munch und Lassnig erstmals im Dialog

Im Kunsthaus Zürich ZH sind ab 2. Oktober 2026 rund 150 Werke von Maria Lassnig und Edvard Munch zu sehen – die Schau dauert bis 21. Februar 2027.

Das Kunsthaus Zürich zeigt das Werk der österreichischen Malerin Maria Lassnig und des norwegischen Künstlers Edvard Munch. Das Kunsthaus Zürich zeigt vom 2. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 die erste Ausstellung, die das Werk der österreichischen Malerin Maria Lassnig und des norwegischen Künstlers Edvard Munch unmittelbar miteinander in Beziehung setzt. Rund 150 Werke eröffnen einen faszinierenden Dialog über Körper, Wahrnehmung und den Kreislauf des Lebens – und zeigen zwei aussergewöhnliche künstlerische Positionen in einem neuen Zusammenhang.
Zugleich erinnert das Kunsthaus mit dieser Ausstellung daran, dass das Museum über die grösste Sammlung von Munch-Gemälden ausserhalb Norwegens verfügt: ein Schatz, den es zu hüten gilt.
Mit der Ausstellung «Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss» präsentiert das Kunsthaus Zürich erstmals eine Doppelschau, die das Werk der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) mit jenem des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944) verbindet. Der Ausstellungstitel greift den Namen eines Gemäldes Lassnigs aus dem Jahr 1996 auf und verweist auf einen zentralen Gedanken beider Kunstschaffenden: Malerei als Ausdruck existenzieller Erfahrung und als Mittel der Selbstreflexion.
Obwohl zwischen ihnen mehr als ein halbes Jahrhundert liegt, verbindet Lassnig und Munch ein gemeinsames Interesse an den grossen Fragen des Menschseins. Beide erforschen in ihrer Kunst Körper, Emotionen und die Beziehung des Menschen zur Natur. Während Munch den zyklischen Kreislauf von Leben, Tod und Erneuerung ins Zentrum rückt, richtet Lassnig den Blick konsequent nach innen.
Ihre sogenannten «Körperbewusstseinsbilder» entstehen aus dem unmittelbaren Empfinden des eigenen Körpers heraus und verleihen inneren Zuständen eine unverwechselbare malerische Form.
Die Ausstellung macht erstmals die vielfältigen Berührungspunkte, aber auch die Unterschiede zwischen den beiden Œuvres sichtbar. Entstanden im Rahmen einer vierjährigen Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle, die von den Direktoren Ann Demeester und Alexander Klar initiiert wurde, macht die Ausstellung im Kunsthaus Zürich die enge historische Verbindung des Hauses zu Edvard Munch deutlich.
Diese Beziehung reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. Unter der Leitung des damaligen Direktors Wilhelm Wartmann widmete das Kunsthaus Munch 1922 eine umfassende Werkschau mit über 70 Gemälden und mehr als 430 Arbeiten auf Papier. Der Künstler bezeichnete diese rückblickend als eine seiner «umfassendsten und besten Separatausstellung» und als eines seiner schönsten künstlerischen Erlebnisse.
Im selben Jahr gelangten die ersten Gemälde Munchs in die Sammlung des Kunsthauses. Es folgten weitere Ausstellungen sowie zahlreiche Ankäufe, die bis heute den bedeutenden Munch-Bestand des Museums prägen.
Auch Maria Lassnig ist mit dem Kunsthaus Zürich eng verbunden. 2002 erhielt sie den Roswitha Haftmann-Preis, den höchstdotierten europäischen Preis für zeitgenössische bildende Kunst, dessen Übergabe jeweils im Kunsthaus stattfindet. Bereits ein Jahr später widmete ihr das Kunsthaus eine Einzelausstellung und erwarb 2004 das Gemälde «Geballte Gewalt».
Weitere Werke gelangten in die Grafische Sammlung des Hauses.
Die Grundidee für diesen Dialog entwickelte der in Berlin lebende Wissenschaftler und Kurator Hans Dieter Huber, der das Projekt initiierte. Gemeinsam mit Sandra Gianfreda, Kuratorin am Kunsthaus Zürich, und Brigitte Kölle, Kuratorin und Sammlungsleiterin der Hamburger Kunsthalle, entstand daraus eine Ausstellung, die neue kunsthistorische Perspektiven eröffnet. Peter Pakesch von der Maria Lassnig Stiftung begleitete das Vorhaben von Beginn an als wichtiger Impulsgeber.
Farbe als Sprache der Wahrnehmung
Maria Lassnig setzte sich intensiv mit der Kunstgeschichte auseinander – und Edvard Munch gehörte zu ihren wichtigsten Bezugspunkten. Sie bezeichnete ihn als einen Künstler, der «zu den tiefsten Schichten des Seelischen vorstiess u. ihrer existentiellen Bedrohung». Sein Einfluss zeigt sich nicht nur in ihrem expressiven Umgang mit Farbe, sondern auch in ihrer freien Pinselführung und ihrer lebenslangen Experimentierfreude.
Wie bewusst sich Lassnig in eine malerische Tradition einschrieb, zeigt ihr Gemälde «Traditionskette» von 1983. Hinter ihr erscheinen Diego Velázquez, Edvard Munch und Vincent van Gogh – gleichsam als künstlerischer Stammbaum, in dessen Nachfolge sie sich selbst verortet. Es ist für diese Ausstellung gelungen, das Werk zu lokalisieren und es nach langer Zeit der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Die Ausstellung verfolgt diesen Dialog anhand überraschender Motiv- und Themenverbindungen. Beide Kunstschaffenden beschäftigen sich mit der Verletzlichkeit des Menschen, mit Krankheit und Tod, mit der Verbindung von Mensch und Natur sowie mit den Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Gerade in ihren Unterschieden in Stil und Zeit entstehen dabei eindrucksvolle Resonanzen.
Im unmittelbaren Gegenüber treten bekannte Werke Munchs in einen neuen Zusammenhang. Seine Linienführung, seine Farbigkeit und seine Bildkompositionen lassen sich im Spiegel von Lassnigs Malerei neu lesen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie tief Munchs Werk in Lassnigs künstlerischem Denken verankert ist.
Die Ausstellung ermöglicht es, Munch mit Lassnigs Augen zu sehen – und beide Positionen neu zu entdecken.
Mit rund 150 Werken, darunter 78 Gemälde, bietet die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Werk beider Kunstschaffenden. Hochkarätige Leihgaben aus dem Munchmuseet in Oslo sowie der Maria Lassnig Stiftung in Wien ermöglichen zahlreiche Gegenüberstellungen, die bislang nicht zu sehen waren.
Katalog und Rahmenprogramm
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Essays, einem Interview mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt, geführt von Sandra Gianfreda, sowie Zitaten von Maria Lassnig und Edvard Munch, Gedichten ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen und kurzen Statements Kunstschaffender von heute. Der Katalog ist ab Ausstellungsbeginn in den Kunsthaus-Shops erhältlich.
Ein vielseitiges Rahmenprogramm, darunter ein Filmprogramm in Kooperation mit dem ARTHOUSE Kino Piccadilly sowie ein Podiumsgespräch, begleitet diese Ausstellung. Öffentliche Führungen finden im Oktober, November, Januar und Februar jeweils donnerstags um 18.30 Uhr sowie sonntags um 11 Uhr statt. Im Dezember werden die Führungen freitags um 15 Uhr und sonntags um 11 Uhr angeboten, wobei am 25. Dezember keine Führung stattfindet.
Eine Führung mit der Kuratorin Sandra Gianfreda findet am Donnerstag, 15. Oktober, um 18.30 Uhr statt. Führungen in englischer Sprache werden am Samstag, 31. Oktober, und am 2. Januar jeweils um 11 Uhr angeboten. Französische Führungen finden am Samstag, 7. November, und am 20. Februar ebenfalls um 11 Uhr statt.




