Deshalb solltest du heute in den Himmel schauen!

Heute bietet der Himmel über Zürich gleich zwei Schauspiele. Daniel Karbacher von der Urania-Sternwarte erklärt, was es zu sehen gibt.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Mond verdunkelt heute Mittwochabend die Sonne.
- Nach Mitternacht leuchten Sternschnuppen.
- Daniel Karbacher von der Urania-Sternwarte erklärt, warum man beides nicht verpassen sollte.
Redaktion: Herr Karbacher, was bringt selbst einen erfahrenen Astronomen bei einer Sonnenfinsternis zum Staunen?
Daniel Karbacher: Eine totale Sonnenfinsternis ist ein berührendes Ereignis. Die von 1999 gehört zu den stärksten Erlebnissen, die ich als Astronom hatte.
Heute erleben wir in Zürich keine Totalität. Rund 90 Prozent der Sonne werden bedeckt sein.
Redaktion: Lohnt sich die Beobachtung des Naturspektakels in Zürich trotzdem?
Karbacher: Unbedingt. Mit einer Bedeckung von rund 90 Prozent ist es die grösste partielle Sonnenfinsternis, die man in der Schweiz bis 2075 erleben kann. Eine derart starke Bedeckung ist selten.
Zudem steht die Sonne bereits tief am Horizont. Mich interessiert, wie sich das Ereignis unter diesen Bedingungen entfaltet, wie sich Licht, Landschaft und Himmel gleichzeitig verändern. Genau diese Gesamtschau lässt sich schwer vorhersagen.
Das macht es für mich besonders spannend. Die nächste totale Sonnenfinsternis über Zürich findet erst 2081 statt. Ich finde, man sollte sich die heutige nicht entgehen lassen.

Redaktion: Wo kann man die Sonnenfinsternis in Zürich am besten sehen?
Karbacher: Entscheidend ist ein möglichst freier Blick nach Westen bis Nordwesten. Ein erhöhter Standort eignet sich besonders, etwa am Zürichberg, am Rigiblick oder am Hönggerberg.
Dort gibt es genügend Platz und die Orte sind gut erreichbar. Man muss dafür nicht auf den Säntis fahren.
Redaktion: Welche Irrtümer über Sonnenfinsternisse begegnen Ihnen bei Laien immer wieder?
Karbacher: Über Jahrtausende galten Sonnenfinsternisse in vielen Kulturen als unheilvolle Vorzeichen. Der Aberglaube ist weitgehend verschwunden, das Mystische jedoch nicht. Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, wirft er seinen Schatten auf die Erde.
Für den Beobachter auf der Erde wird das Sonnenlicht dadurch ganz oder teilweise abgedeckt, sodass es am Tag dunkel wird. Dieses astronomische Ereignis löst auch beim modernen Menschen für einen Augenblick starke Gefühle aus und manche schreiben der Sonnenfinsternis deshalb eine Bedeutung zu, die über das Natürliche hinausgeht.
Redaktion: Welche Fragen über die Sonne lassen sich gerade während einer Sonnenfinsternis untersuchen?
Karbacher: Die Sonnenfinsternis von 1919 schrieb Wissenschaftsgeschichte: Arthur Eddington wies nach, dass die Masse der Sonne das Licht von Sternen ablenkt – eine zentrale Vorhersage von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie.
Sonnenfinsternis über Zürich
Die partielle Sonnenfinsternis beginnt heute Mittwochabend um 19.24 Uhr. Um 19.45 Uhr ist knapp ein Drittel der Sonnenscheibe bedeckt. Gegen 20 Uhr verändert sich das Tageslicht merklich. Um 20.18 Uhr erreicht die Bedeckung mit 90,6 Prozent ihr Maximum. Nur eine hauchdünne Sonnensichel bleibt sichtbar. Gegen 20.42 Uhr geht die teilverfinsterte Sonne unter.
Augen schützen!
Der direkte Blick in die Sonne ohne geeigneten Schutz kann die Netzhaut irreparabel schädigen. Eine gewöhnliche Sonnenbrille genügt nicht. Verwenden Sie ausschliesslich zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen. Auch Ferngläser, Teleskope und Kameras dürfen niemals ohne speziellen Filter auf die Sonne gerichtet werden.
Heute messen wir diese Ablenkung mit weit grösserer Präzision, auch aus dem Weltraum. Trotzdem bleiben Sonnenfinsternisse ein natürliches Labor. Im Zentrum stehen die extrem heisse Korona und Vorgänge in der Ionosphäre. Internationale Kampagnen verbinden Bodenmessungen mit Daten von Raumsonden.
Redaktion: Nach Mitternacht erreichen die Perseiden ihr Maximum. Was macht der 12. August zum perfekten Tag für die Sternschnuppenbeobachtung?
Karbacher: Der Neumond. Weil kein Mondlicht den Himmel aufhellt, können selbst schwache Meteore sichtbar werden und es wird sicherlich ein paar eindrucksvolle Feuerkugeln, sogenannte Boliden geben.
In Zürich bleibt allerdings die Lichtverschmutzung ein Nachteil. Für die Beobachtung braucht es weder Fernglas noch Teleskop, entscheidend ist ein möglichst dunkler Standort. Ebenso wichtig ist, den Augen Zeit zur Anpassung zu geben. Deshalb sollte man 15 bis 20 Minuten vorher auf Taschenlampe und Handy verzichten.
Es sind übrigens keine Sterne, die fallen oder verbrennen. Die Perseiden entstehen aus Staubteilchen des Kometen Swift-Tuttle, die mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten und dort die Luft zum Leuchten bringen.
Warum sie Glück bringen sollen, weiss ich nicht. Aber die Vorstellung, dass ihr Licht von uraltem Kometenstaub stammt, finde ich beglückend.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.




