Christoph Blocher: «Zurück in die Zukunft?»

Alt Bundesrat Christoph Blocher kritisiert den Wandel der Schweizer Armee. Nun soll «wieder zurück ins Alte» gelten, schreibt er in seiner «Klartext»-Kolumne.

Das Wichtigste in Kürze
- Christoph Blocher schreibt über die Entwicklung der Schweizer Armee.
- Seine Kolumne heisst «Blochers Klartext» und erscheint alle drei Wochen.
- Der Alt-Bundesrat kritisiert den Wandel seit dem Ende des Kalten Krieges.
- Nun müsse die Schweiz bei der Armee «zurück in die Zukunft».
Einst hatte die Schweiz eine Armee, die ihre gesamten Bestände im Ernstfall innert 24 bis 48 Stunden mobilisieren, ausrüsten und zur Landesverteidigung bereitstellen konnte.
Eine Armee von gegen 700'000 Wehrmänner – nota bene!
Weltweit wurde dieses Erfolgsrezept bewundert. Voraussetzung war, dass jede Einheit ihr Material, ihre Waffen und Fahrzeuge kriegsbereit in einem Zeughaus und im Armeemotorfahrzeugpark (AMP) eingelagert hatte und im Ernstfall sofort dort abholen konnte.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 glaubten die Politiker, es gebe nie mehr Krieg. Im Abrüstungswahn beschloss man auf Druck der USA mit der Nato eine «Partnerschaft für den Frieden».

Erfolgreiche Mobilisierung preisgegeben
Es galt, sich der Nato anzupassen. Das Volk wurde bei dieser Änderung der Armeedoktrin schon gar nicht gefragt.
Weil die Nato nicht das schweizerische «Holprinzip», sondern das «Bringprinzip» kennt, hat die Schweiz ihre bisherige sehr erfolgreiche Mobilisierung preisgegeben.
Von nun an wurden – vereinfacht gesagt – die Taschenlampen aus Genf, die Maschinengewehre aus Chur und die Panzer aus Wil geliefert. Das würde wochenlang dauern, bis alle bereit sind.
Nun soll dieses falsche Konzept aufgegeben werden und «wieder zurück ins Alte» gelten. Wie früher gilt eine dezentrale Lagerung.
Also zurück in die Zukunft. Nur kostet die Rückkehrarbeit viele Milliarden.
Ganz ähnlich bei den Festungen und Bunkern: Sie wurden seit den 1990er-Jahren aufgegeben, abgewrackt, verkauft.
Jetzt sollen gemäss neuem Konzept etliche davon wieder aktiviert werden.

Natürlich gibt es in Politik und Armee niemand zu: Das Bisherige, aber sehr bewährte ist oft besser als das moderne, zeitgemässe Konstrukt.
Von früheren Falschbeurteilungen und Führungsfehlern wird nicht gesprochen.
Zum Autor
Christoph Blocher (*1940) ist Alt-Bundesrat (SVP). Er prägte die Ems-Chemie jahrzehntelang als Direktor und Besitzer, bevor er das Unternehmen 2003 im Zuge seiner Wahl in den Bundesrat an seine Kinder übergab. Christoph Blocher ist via seiner Firma ROBINVEST AG auch an der Interact Media Group AG (Beteiligung 15 Prozent), der Herausgeberin von Nau.ch, beteiligt. Seine Kolumne erscheint alle drei Wochen.
Nau.ch: Grösstes Kolumnisten-Team der Schweiz
Bei Nau.ch wurde in den letzten Jahren das grösste Kolumnisten-Team der Schweiz aufgebaut. Gegen 30 Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Wissenschaft sind mindestens einmal pro Monat dabei. Neu dabei sind Christoph Blocher und Grünen-Chefin Lisa Mazzone.
Micha Zbinden, Publizistischer Leiter der Interact Media Group, sagt: «Wir sind stolz darauf, dass solche Persönlichkeiten für uns schreiben. Nau.ch ist politisch neutral. Vielfalt und politische Ausgewogenheit sind bei uns oberstes Gebot. Alle Bundesratsparteien kommen bei uns zu Wort. Christoph Blocher und Lisa Mazzone passen hervorragend in dieses Konzept.»
Die aktuellen Kolumnistinnen und Kolumnisten bei Nau.ch:
Politik: Ueli Schmezer (SP); Christoph Blocher (SVP), Hans-Ulrich Bigler (SVP), Lisa Mazzone (Grüne), Meret Schneider (Grüne), Patrick Hässig (GLP), Bettina Balmer (FDP), Markus Ritter (Mitte).
ExpertInnen: Marko Kovic, Verena Brunschweiger, Daniel Koch, Felix Blumer, Severin Dressen, Martin Jucker.
Sport: Lars Lunde, Erni Maissen, Raimondo Ponte, Carla Welti, Nicola Berger, Thomas Renggli.
Livestyle/Gesellschaft: Stella Kizildag, Chris Oeuvray, Maria Brasser, Mirjam Walser, Fabian Ruch.






