Winterthur

Winterthurerin sucht neuen Götti für ihren Sohn (10)

Simon Ulrich
Simon Ulrich, Vivian Balsiger

Winterthur Stadt,

Ein emotionaler Facebook-Aufruf aus Winterthur sorgt für Wirbel: Eine Mutter sucht für ihren 10-jährigen Sohn mit ADHS einen Götti.

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Der bisherige Götti will nicht mehr: Jetzt sucht ein Mami aus Winterthur online Ersatz für ihren 10-jährigen Sohn mit ADHS (Foto rechts). - pexels (links, Symbolbild) / Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Mami sucht auf Facebook einen Götti für ihren Sohn (10) mit ADHS, weil der bisherige nicht mehr will.
  • Eine ADHS-Expertin erklärt, warum verlässliche Bezugspersonen so wichtig sind.
  • Trotz Meldungen fand die Mutter bisher keinen passenden Götti.

Ein herzergreifender Aufruf in Winterthur ZH sorgt für mächtigen Wirbel.

Ein Mami sucht auf Facebook verzweifelt nach einem Götti für ihren 10-jährigen Sohn – weil der Bub ADHS hat. Seinen eigentlichen Götti gibt es zwar noch. Doch der habe weder Zeit noch Lust, etwas mit seinem Göttibub zu unternehmen.

Dabei wünsche sich Der 10-Jährige nichts sehnlicher als einen Götti.

In ihrem emotionalen Post der Gruppe «Du bisch vo Winterthur, wenn…» schreibt Lyne, ihr Sohn wünsche sich jemanden, der Zeit mit ihm verbringe – nicht Geschenke. Einen Götti, bei dem er sich nicht verstellen müsse und «einfach er sein darf».

Der Bub spiele gerne Schach. Und die Mutter warnt Interessenten auch gleich vor: Der potenzielle Götti «braucht gute Ohren». Denn ihr Sohn rede viel.

Ein Götti, der bei einem betroffenen Kind plötzlich nicht mehr will, ist keine Seltenheit. Das bestätigt die «ADHS-Organisation elpos Schweiz» gegenüber Nau.ch.

Kommt immer wieder vor

Co-Geschäftsleiterin Susanne Spalinger erklärt: «Eltern berichten uns immer wieder, dass Kontakte im persönlichen Umfeld mit der Zeit weniger werden.»

Der Grund? Oft fehle das Verständnis dafür, wie sich ADHS auf das Verhalten eines Kindes auswirken könne, so die Expertin. «Impulsivität, intensive Emotionen, viel Reden, häufiges Unterbrechen oder Schwierigkeiten mit Abmachungen können das Miteinander fordern.»

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Kinder mit ADHS werden für ihr Verhalten häufig missverstanden. (Symbolbild) - pexels

Solche Verhaltensweisen würden häufig als schlechte Erziehung, Respektlosigkeit oder Absicht missverstanden. Kontakt kann da helfen: «Wer sich mit ADHS auseinandersetzt, kann das Verhalten eines Kindes besser verstehen und einordnen.»

Entscheidend sei, die Person von ihrem Verhalten zu trennen, betont Spalinger: «Ein Verhalten kann herausfordernd sein, ohne das Kind als Person abzuwerten.»

Göttis und Göttis besonders wichtig

Gerade Göttis und Gottis würden für Kinder mit ADHS eine besonders wichtige Rolle spielen, so Spalinger. «Als vertraute Menschen ausserhalb der engsten Familie können sie dem Kind Verlässlichkeit bieten. Seine Stärken sehen und wertvolle Zeit mit ihm verbringen.»

Die Expertin betont: «Kinder mit ADHS brauchen Erwachsene, die ihr Verhalten verstehen und sie dort begleiten, wo es ihnen noch schwerfällt.»

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Für Kinder kann der Rückzug einer vertrauten Bezugsperson besonders schmerzhaft sein. (Symbolbild) - pexels

Denn: «Kinder mit ADHS erleben im Alltag häufig viele Korrekturen und negative Rückmeldungen.»

Ziehe sich dann auch noch jemand zurück, der ihnen nahestehe, entstünden schnell Gedanken wie: «Ich bin zu anstrengend» oder «Mit mir stimmt etwas nicht».

Verlässliche Beziehungen sind zentral

Umso wichtiger seien verlässliche Beziehungen, in denen ein Kind erfahre: «Du bist mir wichtig und ich sehe dich, auch wenn nicht immer alles einfach ist.» Solche Erfahrungen würden Selbstwert, Sicherheit und das Gefühl von Zugehörigkeit stärken.

Kennst du Kinder mit ADHS, die Mühe haben, Bezugspersonen zu finden?

Auch Freundschaften seien für manche Kinder mit ADHS schwieriger, erklärt Spalinger. «Impulsivität, Ungeduld, Schwierigkeiten beim Abwarten oder intensive emotionale Reaktionen können zu Missverständnissen und Konflikten führen.»

Ein Teil der Kinder habe deshalb tatsächlich mehr Mühe, Freundschaften aufzubauen oder langfristig zu halten.

Besorgte Kommentare

Auf den Post des Winterthurer Mamis folgen rege Kommentare.

«Oh bitte pass auf, es gibt so viele kranke Leute...», schreibt eine Nutzerin. Eine andere warnt: «Pass bitte auf, das könnte gefährlich sein.»

Wie die Mutter gegenüber Nau.ch erzählt, hätten sich bereits einige Personen auf ihren Aufruf gemeldet. Der erhoffte Glückstreffer sei aber ausgeblieben. Es seien «komische Leute» darunter gewesen, bestätigt sie.

Und das Mami ergänzt: «Es ist doch nicht so einfach, einen Götti zu finden.» Lyne sucht deshalb weiter: «Wer Götti werden will, soll sich bei mir melden.»

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