Walensee-Bühne: Drei Winterthurer Kreative wirken mit

Gleich drei Winterthurer Kreative wirken bei «Chaplin – Das Musical» auf der grossen Walensee- Bühne mit.

Während die Sonne hinter der Walensee-Bühne untergeht und für eine unvergleichliche Stimmung sorgt, arbeiten auf und neben der Bühne viele Künstlerinnen, Techniker und Musiker am Gesamterlebnis Musical.
Dieses Jahr kommt die Lebensgeschichte des Filmkomikers Charlie Chaplin auf die Bühne. Dabei wirken drei Winterthurer Kreative mit: Die Cellistin Cécile Grüebler, E-Bassist Luca Leombruni und der Sounddesigner Andreas Brüll.
Was macht eigentlich ein Sounddesigner? «Zusammengefasst: alles, was mit Ton zusammenhängt», sagt Brüll beim Videogespräch. Er ist Hauptfachdozent für Tonmeisterinnen und Tonmeister an der ZHdK und war schon mehrfach für den Sound auf der Walensee-Bühne verantwortlich.
Am Sounddesign getüftelt
«Bei einer solch grossen Live-Produktion mit einer Tribüne mit 1600 Personen ist es anspruchsvoll, dass es überall gleich klingt», sagt Brüll. «Es geht darum, eine Vision zu haben, wie etwas klingen soll. Wir haben drei Wochen lang am Sounddesign getüftelt. Die Kunst ist, dass es funktioniert.»

Was hat es denn damit auf sich, dass einige Tontechniker über die Anlage ins Mikrophon sprechen? «Ich bin auch so einer», sagt Brüll mit einem Lachen. «Ich bin halt alte Schule. So höre ich, wie die Lautsprecher klingen. Andere verwenden nur Messgeräte.»
Eine Halle macht, was sie will
Dass es keine Halle gibt, sei sogar ein Vorteil. «Eine Halle macht oft, was sie will, und hat Nebeneffekte.» Dies falle beim Open Air weg.
Dafür komme die Umwelt ins Spiel. «Die Situation während der Aufführung verändert sich enorm. Zu Beginn ist es warm, die Sonne scheint. Dann wird es kühler, die Luftfeuchtigkeit steigt, dies verändert den Klang komplett.»
Die Lautsprecher seien bis 50 Meter von den Zuschauern entfernt, der Ton müsse diese Distanz überwinden. «Manchmal kommt dann auch noch Wind dazu. Am Walensee kann es stürmen», sagt Brüll.
Auf Zehntelsekunde genau
Während der Produktion sitzen laut Brüll zwei Tontechniker am Pult, einer fürs Orchester, einer für die Stimmen. Die Techniker haben laut Brüll richtig viel Arbeit. 250 Szenen wollen durchgedrückt werden, 21 Darstellende wirken mit.
«Das Musical ist nach einem Libretto auf jede Zehntelsekunde getaktet.» Es gebe sieben Lautsprechersysteme für das Orchester und nochmals sieben für die Stimmen – beeindruckende Technik.

«Der Walensee ist ein spezieller Ort. Ich freue mich aufs Bühnenbild. Wenn dann die Sonne untergeht, ist das Ambiente einzigartig», sagt Brüll.
Privat besucht Brüll gerne die Musikfestwochen. «Ich gehe gerne in kleine Clubs, wie ins Kraftfeld oder für Livekonzerte ins Albani oder ins Salzhaus, dort ist der Sound unmittelbarer, das gefällt mir.» Er ist aber auch für Klassik-Konzerte zu haben.
Drei Winterthurer am See
Die drei beteiligten Winterthurer Andreas Brüll, Cécile Grüebler und Kontrabassist Luca Leombruni haben gemeinsam, dass sie die Walensee-Bühne von früheren Auftritten kennen. Auch untereinander kennen sie sich.
«Andreas kenne ich schon seit 35 Jahren. Schon ewig», sagt der Kontrabassist Luca Leombruni, der unter anderem bei der Produktion Billy Elliot in der Maag Halle, aber auch mehrfach auf der Walensee-Bühne auftrat, auf Anfrage.
Durch die gemeinsamen Auftritte am Walensee entstand so etwas wie eine Fahrgemeinschaft», sagt Leombruni. «Dass wir bei der Produktion der Walensee-Bühne als Liveband spielen, ist erwähnenswert – heutzutage keine Selbstverständlichkeit.»
Info
«Chaplin – Das Musical», Walensee-Bühne, 10. Juni bis 25. Juli
Die Winterthurer Cellistin Cécile Grüebler ist soeben von einer Tourtranche mit Pippo Pollina zurückgekehrt. «Die Noten für Charlie Chaplin sind letzte Woche eingetroffen», sagt sie am Telefon.
Sie schwärmt von den Möglichkeiten ihres Instruments, egal ob Klassik, Electronic Dance Music (EDM) oder Musical: «Das Cello hat die besondere Fähigkeit, sich in verschiedenste musikalische Situationen einzufügen.»
Hinweis
Dieser Text ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.





