Verwirrung um weisse Punkte auf Zürcher Quartierplatz

Die neuen weissen Punkte auf dem Brupbacherplatz geben zu reden. Sie sollen die Aufmerksamkeit im Strassenverkehr erhöhen.

Wer über den Brupbacherplatz im Kreis 3 fährt, erlebt eine Überraschung. Seit Neuestem ist hier die Strasse mit grossen, weissen Punkten bemalt. Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass die rätselhafte Markierung für Verwirrung sorgt.
«Keine Ahnung, was das soll», sagen drei 16-jährige Mädchen. «Handelt es sich um Kunst?», fragt ein anderer Passant aus Spanien und schüttelt den Kopf. Nur einige wenige mutmassen das Richtige.
«Ich glaube, die Punkte sind da, damit man in der Begegnungszone langsamer fährt», sagt eine 61-jährige Autofahrerin. Sie meint, die Markierungen seien sinnvoll, sie passe dadurch besser auf.
Auch eine 36-jährige Mutter, die ihre Kinder in den nahe gelegenen Kindergarten Wiedikon bringt, begrüsst die Tupfer, welche die Schrift «20 Zone» umgeben. «Ich denke, es wirkt wie ein psychologischer Weckruf, sodass die Autofahrer wissen, dass hier etwas passiert.»
Sie freut sich, dass für die Sicherheit ihrer Kinder gesorgt wird. Tatsächlich bleiben die meisten Autos bei den weissen Punkten kurz stehen und geben dann vorsichtig wieder Gas. Nur die Velos fahren meist rasch über die Kreuzung.
Der Brupbacherplatz ist nicht der einzige Ort in Zürich, der mit diesen Punkten markiert ist. Auch am Anny-Klawa-Platz und am Bullingerplatz ist die Strasse bemalt.

Laut Chantal Stocker, Sprecherin der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich, haben sich die Markierungen bewährt. «Auf dem Bullingerplatz sind die Punkte schon seit einigen Jahren angebracht und werden von den ansässigen Personen als wirkungsvoll bezeichnet.»
Mit den Punkten solle die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden erhöht und der Fussgängervortritt verdeutlicht werden. Denn einige Autos fuhren dort zu schnell.
Stocker meint, es sei nicht zu erwarten, dass die Leute die Bedeutung der Gestaltung kennen. «Diese ist nicht verpflichtend, es ist aber möglich, dass sie zu einem vorsichtigeren Verhalten führt.»
Da die Gestaltung mit den Punkten als zielführend bewertet wird, könne sie in Zukunft auch an anderen Orten in der Stadt eingesetzt werden.
«Es herrscht Wildwuchs»
Die sogenannten farblichen Gestaltungen der Strassenoberfläche (FGSO) sind seit 2008 in einer Norm geregelt. Deren Inhalt ist aber kein Gesetz, sondern nur eine Empfehlung.
Zulässig sind in der Schweiz rund 100 Farbtöne, von Grün über Grau, Braun bis zu Rot und Violett. Das führt dazu, dass immer mehr Städte bei der Gestaltung der Strassen kreativ werden.
Neben den weissen Punkten benutzt die Stadt Zürich auch grüne Streifen bei Velovorzugsrouten und beige Bänder auf der Langstrasse. Die Stadt Thun setzt auf blaue Wellen auf Mehrzweckstreifen, Bern benutzt pinke Kreise, in Luzern kam es wegen der wilden Bemalung am Theaterplatz gar zu Velounfällen.
Laut Patrick Eberling, Leiter der Abteilung Verkehrstechnik bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), haben die Strassenbemalungen in den letzten Jahren zugenommen: «Der Wildwuchs nimmt zu», sagt er zu «SRF».
Er findet den Farbeinsatz eine gute Sache, denn dieser könne eine Strasse aufwerten. «Mit der Farbe ist es möglich, die Gestaltung der Hausfassaden auch auf der Strasse abzubilden.»
Doch Eberling warnt, es sei wichtig, dass die Gestaltung nicht als Verkehrsrecht interpretiert werde. Ausserdem gehe es auch darum, dass die Strasse nicht das Erscheinungsbild der Umgebung kaputt mache.
«Der Befolgungsgrad der Normen dürfte aber etwas grösser sein», sagt Eberling.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.






