Unispital Zürich: Ex-Maisano-Patient brauchte 25 Nachoperationen

Daniel Rüegg wurde am Unispital Zürich unter der Leitung von Francesco Maisano operiert. Es folgten Komplikationen – 25 Nachoperationen wurden nötig.

Am Universitätsspital Zürich (USZ) kam es zwischen 2016 und 2020 zu schweren Verfehlungen in der Herzchirurgie. Unter der Leitung des damaligen Klinikchefs Francesco Maisano starben in dieser Zeit über 70 Patienten unerwartet. Dies zeigt ein kürzlich erschienener Untersuchungsbericht.
Am Freitag äusserte sich Maisano erstmals zu den Vorwürfen – und wies Teile der Anschuldigungen zurück.
Maisano sagte gegenüber «Il Fatto Quotidiano» unter anderem: «In Zürich hat man nie akzeptiert, dass ein Italiener die Abteilung leitet.»
Er berichtete weiter von einem «kulturellen und institutionellen Widerstand», der das «Ergebnis tiefgreifender Dynamiken» gewesen sei, «die es erschwerten, ein geschlossenes Team um eine gemeinsame Vision klinischer Innovation herum aufzubauen».

Auch sieht er seine innovativen Methoden nicht als Ursache für die überdurchschnittlich hohe Zahl an Todesfällen. Darunter fällt auch das sogenannte Cardioband, das er mitentwickelt hat.
Insgesamt 26 Mal operiert
Nun meldet sich bei SRF auch ein Ex-Patient zu Wort. Daniel Rüegg wurde am Unispital Zürich unter Maisanos Leitung operiert.
Seine Geschichte begann 2018 mit zwei Wochen Fieber. Es wurde eine beschädigte Herzklappe diagnostiziert. Eine Operation war nötig – Maisano dabei im Lead.
Danach folgten Komplikationen. Innerhalb von rund zwei Monaten wurde Rüegg insgesamt 26 Mal operiert. Er lag 40 Tage auf der Intensivstation, zeitweise im Koma.
Bemerkenswert: Rüegg hatte Maisano weder vor noch nach der Operation persönlich getroffen. Das Aufklärungsgespräch vor dem Eingriff führte ein Assistenzarzt.

Nach dem Aufwachen begann für Rüegg ein langer Weg zurück in den Alltag. «Ich musste wieder lernen, zu schlucken, zu atmen, zu reden und viel später dann auch aufzustehen, und zu gehen. Das war eine wahnsinnig harte Zeit», sagt er zu SRF.
Rüegg wandte sich an Erika Ziltener, die damalige Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenorganisationen. Mit ihr sowie der Unterstützung einer Anwältin reichten sie eine Schadenersatzforderung beim Unispital Zürich ein.
Die Antwort war ernüchternd. Das USZ lehnte alle Forderungen ab. Das Spital sah «keine Sorgfaltspflichtverletzung».

Ob in Rüeggs Fall tatsächlich ein Behandlungsfehler vorliegt, lässt sich laut Ziltener nicht abschliessend beurteilen. Denn Rüegg wollte «die Sache nicht weiterverfolgen» und sich auf «den Rest des guten Lebens konzentrieren».






