Spital Uster setzt auf kürzere Ärzte-Arbeitszeiten – Zukunftsmodell?

Im Spital in Uster ZH gibt es seit 2024 ein neues Arbeitszeitmodell. Es soll dafür sorgen, dass die Ärztinnen und Ärzte weniger arbeiten. Hat das Zukunft?

Das Wichtigste in Kürze
- Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz arbeiten mehr, als das Gesetz erlaubt.
- Dem will man im Spital Uster mit einem neuen Arbeitszeitmodell entgegenwirken.
- Das habe Zukunft, meinen auch mehrere Verbände.
Die Arbeitszeit von Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz ist immer wieder ein Thema.
Denn: Viele arbeiten wegen des Fachkräftemangels zu viel. Mit Folgen für ihre eigene Gesundheit, aber auch für die ihrer Patientinnen und Patienten.
Gleichzeitig herrscht auch deshalb ein Fachkräftemangel, weil die langen Arbeitszeiten den Beruf unattraktiv machen. Ein Teufelskreis also.
42+4-Stundenwoche in Uster
Dem entgegenwirken will seit August 2024 das Spital Uster. Statt einer 50-Stunden-Woche hat es eine 42+4-Woche eingeführt.
Konkret bedeutet das: Pro Woche arbeiten Ärztinnen und Ärzte nur 42 Stunden. Vier zusätzliche Stunden können eingeplant werden – aber explizit nur für Forschung und Weiterbildung.
Mit dem neuen Modell hat das Spital gute Erfahrungen gemacht, erklärt Federico Mazzola, Oberarzt der Chirurgie gegenüber SRF. «Wir haben gesehen, dass wir es bei ungefähr 60 Prozent der Wochen umsetzen können.»
Bei den 40 restlichen Prozent sei man jedoch noch nicht am Ziel. Das liege am dynamischen Spitalalltag. Dieser erschwere eine fixe Planung.
Gegenentwurf zu den zu langen Arbeitszeiten
Gut am neuen Modell: Ärztinnen und Ärzte müssen in Uster weniger oft extreme Arbeitspensen leisten. Ebenfalls positiv ist die Tatsache, dass sich die Regelung nicht negativ auf die Patientinnen und Patienten ausgewirkt hat.
Positiv findet die Entwicklung des Arbeitsmodells in Uster auch der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO). Er hat das Arbeitsmodell unterstützt.
«Wir begrüssen die Umsetzung des Arbeitszeitmodells 42+4 im Spital Uster ausdrücklich», so der Verband gegenüber Nau.ch.
Denn: Dass etwas geschehen müsse, um die Arbeitszeit der Ärztinnen und Ärzte zu verringern, zeige auch die letzte VSAO-Umfrage.
Neues Arbeitsmodell ist «zukunftsfähig»
Diese habe gezeigt: Die durchschnittliche Arbeitszeit liege noch immer bei 54,6 Stunden pro Woche. Das liegt über der gesetzlichen Höchstarbeitsgrenze von 50 Stunden pro Woche.
Weiter erklärt der Verband: «Das Modell 42+4 stärkt insbesondere auch die strukturierte Weiterbildung, welche Assistenzärzt:innen auf dem Weg zu ihrem Facharzttitel absolvieren müssen.» Dies, indem die Weiterbildungszeit mit vier Stunden pro Woche fix eingeplant werde.
«Damit können die hohen Qualitätsstandards des Schweizer Gesundheitswesens auch in Zukunft garantiert werden.» Und: «Für den VSAO ist die 42+4-Stunden-Woche zukunftsfähig.»
Reduzierung der Arbeitszeiten «wichtig für die Patientensicherheit»
Das sieht man auch beim Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) so: «Das Arbeitszeitmodell des Spitals Uster ist aus unserer Sicht ein interessanter und begrüssenswerter Ansatz.»
Auch der Berufsverband hält das Arbeitszeitmodell aus Uster für zukunftsfähig. Auch über Uster hinaus.

Doch: «Ob es umgesetzt werden kann, muss jedoch jedes Spital unter Berücksichtigung der jeweiligen Versorgungsaufträge, Fachgebiete und betrieblichen Voraussetzungen prüfen.»
Generell begrüsse man Bestrebungen, die «überlange Arbeitszeit» von Ärztinnen und Ärzten zu reduzieren. Denn diese seien «wichtig für die Patientensicherheit, die Behandlungsqualität und die Attraktivität des Arztberufs».










