Stadt Zürich

Seeüberquerung: Auch Senior (75) schwimmt mit!

Clarissa Rohrbach
Clarissa Rohrbach

Zürich,

Die Seeüberquerung wurde wetterbedingt auf den 8. Juli verschoben. Auch der 75-jährige Kurt Frei ist dabei. Er erklärt, wieso das für ihn ein Kinderspiel ist.

An der Seeüberquerung mit dabei ist auch der 75-jährige Kurt Frei.
An der Seeüberquerung mit dabei ist auch der 75-jährige Kurt Frei. - Nico Valsangiacomo

3, 2, 1,los! Am Mittwoch ist es wieder so weit: 9000 Schwimmende überqueren vom Strandbad Mythenquai bis zum Strandbad Tiefenbrunnen den Zürichsee. Mit dabei ist auch Kurt Frei.

Mit seinen 75 Jahren ist der Senior einer der ältesten Teilnehmer der Zürcher Seeüberquerung. «Die 1500 Meter lange Strecke ist für mich überhaupt kein Problem, ich könnte sogar länger», sagt er.

Der ehemalige Lehrer hat vor 15 Jahren mit dem Schwimmen begonnen, weil er einen sportlichen Ausgleich suchte. Er trainiert einmal pro Woche, sowohl im Winter als auch im Sommer.

Meistens legt er einen Kilometer im Wasser zurück, dafür braucht er rund 30 Minuten. Doch bei der Seeüberquerung seien die Bedingungen schwieriger. Es gebe Wellen und Schiffe, die ihn verlangsamen.

Zürichsee
Am Mittwoch, 8. Juli, schwimmen voraussichtlich 9000 Personen über den Zürichsee. - PD

Frei rechnet dieses Jahr damit, dass er etwa 50 Minuten für die Seeüberquerung braucht. «Ich bin nicht besonders schnell, doch es ist ja kein Wettbewerb.»

Vor allem ein Plausch

Auch der Verein Stadtzürcher Seeüberquerung, welcher den Anlass organisiert, betont, dass es bei der 36. Stadtzürcher Seeüberquerung um den Plausch geht. Tatsächlich gestalten die rund 350 freiwilligen Helfer den Event als freudiges Fest.

In der Startzone im Mythenquai gibt es ein Warm-Up mit mitreissender Technomusik. Das Startsignal wird voller Elan ins Mikrofon gebrüllt und bei der Ankunft im Tiefenbrunnen erwarten die Teilnehmenden Bouillon und Risotto sowie ein kleines Geschenk.

Auch Kurt Frei schätzt die Stärkung. «Ich mag zwar kein Risotto, doch nach dieser Leistung hat man viele Kalorien verbrannt, da esse ich gerne etwas.»

Frei hat das erste Mal im Jahr 2012 an der Seeüberquerung teilgenommen. Seither sei der Anlass stetig gewachsen, sodass die Stadt ein Teilnehmerkontingent einführen musste.

Die Rekorde reihten sich in den letzten Jahren: 2017 nahmen 10’705 Schwimmende teil, letztes Jahr waren es 9196. Die Seeüberquerung hätte vergangenen Mittwoch stattfinden sollen, wurde aber aufgrund der unbeständigen Wetterlage verschoben.

Hast du schon mal bei der Zürcher Seeüberquerung mitgemacht?

Die Starts folgen im 10-Minuten-Takt von 14.30 bis 18 Uhr. Jeder Teilnehmer bekommt eine farbige Badekappe mit einer Nummer, die man zwingend tragen muss.

Damit können die rund 100 Rettungsschwimmer, die alle 50 bis 70 Meter auf Booten stationiert sind, die Leute im Wasser besser überwachen. Bei Schwierigkeiten gilt das internationale Hilferufzeichen, bei dem man mit dem Arm flach auf das Wasser schlägt.

Wer müde ist, kann sich an den Weidlingen festhalten, doch Frei braucht das nicht: Er krault durch. Seit der ersten Seeüberquerung im Jahr 1985 kam es nur einmal zu einem tragischen Unfall.

2017 sahen Schwimmende einen leblosen Mann im Wasser gleiten. Seepolizei und Rettungsschwimmer bargen den 66-Jährigen und versuchten, ihn im Strandbad Tiefenbrunnen zu reanimieren.

Doch dieser starb noch vor Ort. Sonst mussten einige seltene Male Personen wegen Unterkühlung ins Spital gebracht werden. Kurt Frei hat überhaupt keine Angst, dass ihm etwas zustossen könnte.

«Ich bin fit, wer medizinische Probleme hat, soll nicht teilnehmen, das ist Eigenverantwortung.» Auch das OK der Seeüberquerung schreibt, dass man keine Haftung übernehme und die Versicherung Sache der Teilnehmenden sei.

Der See zieht ihn an

Für Kurt Frei, der in Albisrieden aufgewachsen ist und nun in Schlieren wohnt, weckt die Badi Mythenquai schöne Erinnerungen. «Als Kind war ich immer hier baden mit meiner Familie.»

Seeüberquerung
Teilnehmer einer Seeüberquerung schwimmen im Wasser. (Symbolbild) - keystone

Der Pensionierte liebt das Wasser, vor allem wenn es sich um offene Gewässer handelt, wie den Zürichsee oder die Limmat. Im Sommer geniesst er es auch auf dem Surfbrett beim Stand-Up-Paddling. «Der See zieht mich einfach an», sagt er.

Sonst hält er sich mit vielen sportlichen Aktivitäten fit: Er spielt Squash, klettert, joggt, biket und fährt Inline-Skates. Besonders schätzt Frei den Transport von Taschen zum anderen Ufer des Zürichsees.

«Das ist logistisch nicht ganz einfach, es klappt aber wie am Schnürchen, da muss ich den Organisatoren ein Kompliment machen.» Doch trotz Booten, welche die Habseligkeiten der Schwimmer transportieren, nimmt Frei nur das Wesentliche mit: Kleider, Handy und ein 20er-Nötchen.

Trotz guter Kondition ist die Seeüberquerung für Frei eine Herausforderung. «Der Anlass ist einmalig, eine coole Sache, denn alleine, ohne die ganze Organisation, könnte man den See niemals überqueren.»

Vor Ort trifft er seine Nichte, die auch mitmacht. Doch es sei schwierig, sich am Ziel, das nur so wimmelt von strahlenden, zufriedenen Gesichtern, wiederzufinden.

Der Zürcher, der zwei Kinder und vier Enkel hat, bedauert, dass seine Frau nicht mehr mitkommt. Ihr sei das Wasser zu kalt. Dies dürfte heuer mit aktuell rund 27 Grad Wassertemperatur kein Thema sein.

Frei will noch lange an der Seeüberquerung teilnehmen. «Solange ich das noch schaffe, bin ich dabei.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

Weiterlesen

Zürcher Seeüberquerung Schwimmer Schwimmerinnen
5 Interaktionen
Beste Bedingungen
6 Interaktionen
Grünes Licht!
3 Interaktionen
Wetter zu unbeständig

Mehr aus Stadt Zürich

ballmer kolumne
Bettina Balmer
2 Interaktionen
Zürich
-
Video zeigt
2 Interaktionen
Politik

Mehr aus Zürich

Schulhaus Obermeilen Meilen
243 Interaktionen
6 Tage nach Eröffnung