Schweizer Talent Nnamdi (14) kämpft für seinen USA-Hockeytraum

Eishockey ist Nnamdis Welt. Trotz Autismus und Mobbing träumt der 14-Jährige von einer Zukunft im Profisport im Ausland.

Das Wichtigste in Kürze
- Nnamdi Onwuka (14) lebt für Eishockey und träumt von einer Zukunft im Profisport.
- Der Schweizer mit Autismus hat eine Zusage für ein Elite-Hockeyprogramm in den USA.
- Seine Mutter investierte über Jahre viel Geld, Zeit und tausende Kilometer in seine Förderung.
- Der Verein Ehrenspender sammelt nun während eines Jahres Spenden für Nnamdis weiteren Hockeyweg.
Wenn Nnamdi Onwuka im Tor steht, ist die Welt für ihn in Ordnung. Schon als kleiner Bub hat der heute 14-Jährige seine Leidenschaft für Eishockey entdeckt.
Mit knapp vier Jahren spielte er zunächst Inline-Hockey mit seinem älteren Bruder. Wenig später wollte Nnamdi aufs Eis, bereits in der U9 stand für ihn fest: Er will Goalie sein.
Heute kennt er Statistiken auswendig, analysiert Spiele und kann stundenlang über Eishockey diskutieren. «Wenn er im Tor steht, fühlt er sich wohl, ist er zu Hause. Das ist seine Welt», sagt seine Mutter Natalie Onwuka zu Nau.ch.

Nun bekommt Nnamdi Unterstützung für seinen grossen Traum. Der Verein Ehrenspender sammelt während eines Jahres Spenden für seine weitere Eishockeyausbildung.
Denn hinter dem 14-Jährigen liegen bereits viele schwierige Jahre.
Nnamdi lebt mit Autismus. Seine Mutter spricht von einem sogenannten PDA-Profil innerhalb des Autismus-Spektrums. Neue Situationen, Veränderungen, grosse Gruppen und Reizüberflutung können für ihn zur enormen Belastung werden.
Schule wurde zum jahrelangen Kampf
Schon als kleines Kind bemerkte Natalie Onwuka, dass ihr Sohn anders auf seine Umwelt reagiert. Gleichzeitig lernte er sehr schnell. In der ersten Klasse konnte Nnamdi laut seiner Mutter bereits Stoff aus der dritten Klasse rechnen.
Solange er eine Lehrerin hatte, die auf ihn einging und ihm Sicherheit gab, funktionierte die Schule gut. Nach einem Lehrerwechsel und Veränderungen in der Klasse begannen jedoch die Probleme.
Es folgten schwierige Jahre mit verschiedenen Schulversuchen und Abklärungen. Kurz vor dem Corona-Lockdown musste Nnamdi seine damalige Schule verlassen und verlor auf einen Schlag seine Freunde.
Auch später fiel es ihm schwer, wieder Vertrauen aufzubauen. Seine Mutter erzählt von Mobbing und davon, wie oft ihr Sohn das Gefühl bekommen habe, nicht dazuzugehören.
Einen Ort gab es aber immer wieder, an den Nnamdi zurückkehrte: die Eishalle.
Eishockey wird zu seinem Anker
Während es mit der Schule schwierig blieb, konnte Nnamdi über den Sport soziale Kontakte aufbauen. Besonders gute Erfahrungen machte er in der U11.
Zwei Trainer hätten sein Spielverständnis erkannt und ihn gefördert, erzählt seine Mutter. «Das war sein bestes Eishockeyjahr.»
Doch auch auf dem Eis lief nicht immer alles rund. Überfüllte Garderoben mit Dutzenden Kindern waren für Nnamdi teilweise kaum auszuhalten. Zeitweise zog er sich deshalb in einer separaten Garderobe um.
Auch im Eishockeyumfeld erlebt Nnamdi Mobbing. Trotzdem macht er weiter.

Dabei wurde immer deutlicher, wie wichtig die richtige Betreuung für ihn ist. Manchmal reichen laut seiner Mutter wenige Worte eines Trainers vor dem Training, um ihm Sicherheit zu geben.
Fehlt diese Kommunikation, kann bereits der Weg in die Garderobe zur kaum überwindbaren Hürde werden.
Mutter fuhr 55'000 Kilometer in einer Saison
Damit Nnamdi sich weiterentwickeln konnte, organisierte seine Mutter zusätzliche Unterstützung. Dazu gehören Mentalcoaching, individuelles Athletiktraining und Einzeltrainings.
Auch seine Goalie-Ausrüstung musste teilweise orthopädisch angepasst werden. Seit den Anpassungen im Sommer 2026 kommt der 14-Jährige mit seiner Ausrüstung komplett selbstständig zurecht.
Das alles kostet Geld.
Als Nnamdi zuletzt im Wallis spielte, pendelte seine Mutter mehrmals pro Woche zwischen der Region Zürich und dem Wallis. Gleichzeitig musste sie Nnamdis älteren Bruder beim Diabetes-Handling unterstützen.
Während der Saison finanzierte Natalie Onwuka deshalb zwei Wohnungen, eine in der Region Zürich und eine im Wallis. Insgesamt kamen rund 55'000 Kilometer zusammen.
«Ich habe das ganze Geld, das ich hatte, aufgebraucht. Mittlerweile bin ich am Limit», sagt sie.
In Nordamerika plötzlich kaum Probleme
Im Frühsommer 2026 nahm Nnamdi an einem Elite-Hockeycamp in Kanada teil.
Dort machte die Familie eine überraschende Erfahrung. Die Trainingsgruppen waren kleiner, die Trainer suchten von Beginn weg den persönlichen Kontakt und Nnamdi wurde ins Team integriert.

Er absolvierte während zwei Wochen bis zu drei Trainings am Tag.
«Er funktionierte dort wie jedes andere Kind», sagt seine Mutter.
Im Sommer folgte die nächste grosse Chance. Eine Elite-Hockey-Academy in den USA wurde über eine Plattform auf den Schweizer Goalie aufmerksam und bot ihm einen Platz in ihrem Programm an.
Auch der Besuch einer Highschool gehört zum Programm.
Für Natalie Onwuka schien das Umfeld wie gemacht für ihren Sohn. Kleine Gruppen, wenige Goalies pro Stufe und Trainer, die grossen Wert auf Teamzusammenhalt und Kommunikation legen.
«Er fühlte sich dort sofort wie zu Hause», erzählt sie.
Das Programm hat allerdings seinen Preis. Neben der Hockeyausbildung fallen auch Kosten für Highschool, Betreuung, Training und Ausrüstung an.
Verein sucht Spender für Nnamdis Hockeyweg
Genau hier kommt der Verein Ehrenspender ins Spiel. Er hat Nnamdi für sein aktuelles Unterstützungsprojekt ausgewählt und sammelt während eines Jahres Spenden für seine weitere Eishockeyausbildung.

Unter anderem verkauft der Verein dafür eine eigens produzierte Handseife namens «Ehrenspender». Der Reinerlös fliesst laut Verein in Nnamdis Förderung. Daneben sind auch direkte Spenden möglich.
Das Geld ist nicht an ein bestimmtes Hockeyprogramm gebunden. Es soll Nnamdi dabei helfen, seine sportliche Ausbildung weiterzuverfolgen und die hohen Kosten für Trainings, Betreuung und Ausrüstung zu decken.
Wo genau sein Weg weitergeht, ist derzeit noch offen. Eine Elite-Hockey-Academy in den USA hat Nnamdi aufgenommen.
Seit Mitte August wartet der 14-Jährige auf sein Visum. Bis dahin hält er sich mit privaten Trainings fit. Einen festen Verein hat er derzeit nicht.
An seinem Ziel ändert das nichts. «Sein Traum ist die NHL», sagt Natalie Onwuka.
Und: «Wir wissen nicht, ob er es als Profi schafft. Aber seine berufliche Zukunft sieht er im Eishockeybereich.»





