Roger Köppel kneift vor Zürcher Studenten

Roger Köppel versprach eine Tour von Uni zu Uni für die Meinungsfreiheit. Doch daraus ist erst einmal nichts geworden.

Das Wichtigste in Kürze
- Charlie Kirk, inzwischen getötet, debattierte regelmässig mit US-Studierenden.
- Roger Köppel witterte die Gunst der Stunde und wollte hierzulande auf Campus-Tour.
- Auch Monate später gibt es allerdings noch keinen Termin.
Roger Köppel spuckte letztes Jahr grosse Töne. Der «Weltwoche»-Chef und ehemalige SVP-Nationalrat wolle die «Meinungsvielfalt und den Dialog fördern». In der Schweiz würde nämlich «vielerorts zu wenig miteinander diskutiert».
Nach dem Attentat auf den rechten US-Influencer Charlie Kirk (†31) kündigte Köppel an, ebenfalls von Uni zu Uni zu tingeln. Auf seiner Campus-Tour versprach er, dass er die Studierenden in offenen Fragerunden «direkt herausfordern» wolle.
Roger Köppel schweigt zu Campus-Tour
Vier Monate nach der Ankündigung gibt es allerdings noch immer keine Campus-Tour. Roger Köppel lässt Anfragen dazu ins Leere laufen.
Mehr Details gibt es von der Universität Zürich. Im Oktober sagte sie auf Nau.ch-Anfrage, Roger Köppel habe via seine Assistentin eine Anfrage eingereicht. Das Konzept und die Rahmenbedingungen würden demnächst besprochen, hiess es.
Konkret ergab sich daraus allerdings nichts, wie die Hochschule nun gegenüber Nau.ch sagt.
Sprecherin Rita Ziegler: «Roger Köppel hat bei der Universität Zürich eine erste informelle Anfrage eingereicht. Er wurde daraufhin über die für die Bewilligung einer solchen Veranstaltung verbundenen Auflagen informiert.»
Und: «Sollte die Anfrage konkretisiert und nochmals eingereicht werden, werden wir diese prüfen.»
Dazu, ob die Uni eine erneute Anfrage von Herrn Köppel erwartet, sagt Ziegler: «Dazu können wir leider keine Einschätzung abgeben.»
Studis freuen sich auf Debatten mit Köppel
Somit kneift Roger Köppel also weiter vor den Studis. Und das, obwohl sich diese regelrecht auf ihn freuten.
«Wir begrüssen es, wenn Herr Köppel den Dialog mit Studierenden sucht. Schliesslich sind Hochschulen Orte für offene Diskussionen und kritischen Austausch», sagte der Schweizer Studierendenverband zu Nau.ch.
Doch dass das Attentat auf Charlie Kirk die Schweiz kaum beschäftigt, dürfte dazu beitragen, dass die Campus-Tour an Priorität verliert.
Dazu kommt: Roger Köppel ist ein viel beschäftigter und auch ein gefragter Mann.
Diese Woche berichtete er aus Davos GR vom Weltwirtschaftsforum WEF.
Zuvor war er Redner bei der berüchtigten Albisgüetli-Tagung der SVP. «Mehr Parmelin wagen!», schwärmte er dabei über den Bundespräsidenten Guy Parmelin.

Schliesslich müsse man aufpassen, dass die Welt nicht von Vegetariern regiert werde, warnte Köppel.
Auch Crans-Montana VS stattete er nach der Brandkatastrophe einen Besuch ab.
Roger Köppel sorgte mit Taliban-Reise für Aufsehen
Für besonders viel Aufsehen sorgte allerdings eine zehntägige Reise nach Afghanistan im Dezember. Für die Titelgeschichte zitierte er einen afghanischen Kommandanten mit den Worten: «Die Taliban kämpfen für die Frauen.»
Eine Mutter berichtete Köppel in einer Reportage zudem, dass sich unter den islamistischen Taliban vieles geändert habe. Für die Frauen gebe es jetzt Sicherheit. Die Taliban seien für Frauen eine Erleichterung.
Die geflüchtete afghanische Frauenrechtsaktivistin und Anwältin Benafsha Efaf stellte später allerdings gegenüber Nau.ch klar: «Die Behauptung, die Taliban würden die Rechte der Frauen schützen, entspricht einfach nicht der Realität.»
Und: «Wenn das wahr wäre, würden Mädchen nicht aus Schulen und Universitäten ausgeschlossen.»
Die Zürcher Studenten müssen wohl noch lange warten, bis sie mit Roger Köppel über diese Kontroversen diskutieren können.










