Stadt Zürich

Pilzler gehen in Zürcher Wäldern zurzeit leer aus

Clarissa Rohrbach
Clarissa Rohrbach

Zürich,

Wegen der Trockenheit sind die Zürcher Wälder fast leer. Die Pilzkontrollstelle hat wenig zu tun. Experten meinen, nur eine Woche Regen bringe Entspannung.

Pilzkontrolleur
Pilzkontrolleur Ferdinand Uehli hat wegen des sehr trockenen Hitzesommers zurzeit wenig zu tun. - Stadt Zürich

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Zürcher Wäldern gibt es wegen der Trockenheit fast keine Pilze.
  • Deshalb hat die Kontrollstelle wenig zu tun.
  • Experten meinen, dass nur eine Woche Regen für Entspannung sorgen würde.

Pilzsammler gehen zurzeit in den Zürcher Wäldern leer aus. Wegen der andauernden Hitze und Trockenheit wachsen derzeit kaum Schwämme. Die Suche nach Steinpilzen, Eierschwämmen oder Champignons ist deswegen diesen Herbst ein ziemlich erfolgloses Unterfangen.

Dies bestätigt auch Ferdinand Uehli, Pilzkontrolleur der Stadt Zürich. Seit der Öffnung der Kontrollstelle am 15. August bis heute wurden rund 60 Kontrollen durchgeführt, normalerweise sind es im Schnitt 80 pro Woche.

«Es ist weniger los als andere Jahre», sagt Uehli. Oft brächten die Sammler vertrocknete Pilze, diese seien auch angefault und schimmlig und somit nicht essbar.

Pilz Hand Moos Waldboden
Pilzsammler gehen zurzeit in den Zürcher Wäldern leer aus. (Symbolbild) - depositphotos

Laut Uehli machen Pilzsammler derzeit nur einzelne Funde, speziell in tieferen Lagen wie Zürich. «Was es jetzt braucht, ist genug Niederschlag, dann kann die Saison besser werden.»

90 Prozent aus Wasser

«Um zu spriessen, brauchen Pilze viel Feuchtigkeit, denn sie bestehen zu 90 Prozent aus Wasser», sagt Artemis Treindl, Mykologin an der ETH Zürich. Der Pilz, den wir sehen und essen, sei nur der Fruchtkörper des Geflechts, welches unter der Erde wachse.

Dieses sogenannte Myzel könne bei starker Trockenheit stark in seiner Aktivität eingeschränkt werden und brauche viel Zeit, um sich nach Trockenperioden zu erholen. Es brauche einen konstanten und flächendeckenden Regen, ein Gewitter genüge nicht, danach dauere es eine bis zwei Wochen, bis die Pilze wieder wachsen.

«Die Pilze spriessen nicht am nächsten Tag, es braucht Zeit und Geduld.» Ein weiteres Problem stellten die von der Trockenheit gestressten Bäume dar.

Warst du diesen Sommer schon einmal auf Pilzsuche?

Während des Hitzesommers hätten diese weniger Fotosynthese betrieben und somit weniger Zucker produziert. Dieser sei eine wichtige Energiequelle für Mykorrhizapilze, die in Symbiose mit den Wurzeln der Bäume leben.

Und doch gibt sich Treindl hoffnungsvoll. «In Zürich müssen wir uns noch ein bisschen gedulden, aber in anderen Regionen hat es bereits geregnet.»

Während die Natur im Mittelland noch Mühe habe, sich zu erholen, würden in Graubünden, der Ostschweiz und der Zentralschweiz bereits viele Pilze wachsen. «Kommen jetzt Herbstniederschläge, kann die Saison doch noch gut ausfallen», sagt Treindl.

Erfahrungen aus anderen Extremsommern wie 2003, 2011 oder 2018 zeigten zwar, dass auf grosse Hitze eine schlechte Saison folgt. Doch die diesjährige Saison stehe erst am Anfang.

«Bin zuversichtlich»

«Der Boden ist ausgetrocknet, es wächst wenig», sagt Marionna Schlatter, Sprecherin der Vereinigung der amtlichen Pilzkontrollorgane der Schweiz (Vapko). Es sei noch nie so lange trocken gewesen wie in diesem Sommer.

Pilzkontrolle
Pilze werden kontrolliert. (Symbolbild) - keystone

Schlatter arbeitet auch in der Pilzkontrollstelle Wetzikon, im Moment sei da wenig los. Es sei jedoch nicht aussergewöhnlich, dass die Pilzsaison im Mittelland erst im September oder Oktober beginne.

Deswegen habe die Vapko ihre Kurse nach hinten verschoben. Man stelle sich darauf ein, dass es wegen des Klimawandels dauerhaft heissere, trockenere Sommer geben werde.

Info

Pilzesammeln in Zürich

Noch bis zum 29. November können Personen, die Pilze sammeln, diese in der Kontrollstelle an der Eggbühlstrasse 21 in Oerlikon kontrollieren lassen. Diese ist Dienstag und Donnerstag von 18 bis 19 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 18 bis 19.30 Uhr geöffnet. Die kantonalen Schutzvorschriften schreiben folgende

Sammelregeln vor:

– Pro Person darf maximal 1 Kilogramm Pilze pro Tag gesammelt werden.

– Vom 1. Bis zum 10. Tag jedes Monats gilt eine strikte Schonzeit, in dieser Zeit dürfen keine Pilze gesammelt werden und die Kontrollstelle bleibt geschlossen.

– Nur Pilze sammeln, die man zweifelsfrei erkennt.

– Die Pilze nach Arten getrennt in einem luftdurchlässigen Gefäss transportieren (zum Beispiel in einem Spankorb)

– Verstösse gegen die Pilzschutzverordnung werden mit Bussen von bis zu 1000 Franken bestraft.

«Was es jetzt braucht, ist eine Woche Dauerregen und einen Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht.» Schlatter ist zuversichtlich, dass doch noch Pilze in Zürich wachsen werden. In den Bergen gebe es jetzt Steinpilze, im Unterland auch Wiesenchampignons, diese seien typisch nach heissen Phasen.

«Wie sich die Saison entwickeln wird, ist noch offen», sagt Schlatter. Sammler können also auf einen erlösenden Wetterumschwung hoffen, der die Pilze wieder aus dem Boden schliessen lässt.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #3497 (nicht angemeldet)

Jaa wir brauchen alle Regen.

User #4690 (nicht angemeldet)

In Bern und Umgebung riecht es in den Wäldern schon sehr intensiv nach Pilzen. Viel Glück beim Pilzesammeln! Hehehe. LOL.

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