Messerangreifer soll sich in Türkei weiterradikalisiert haben

Rowena Goebel
Rowena Goebel, Nicola Wittwer, Keystone-SDA

Winterthur Stadt,

Ein 31-Jähriger verletzte bei einer Messerattacke am Donnerstagmorgen in Winterthur drei Personen. Hier gibt es die neusten Updates im Ticker.

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Nach der Messerattacke am Bahnhof von Winterthur ist Verunsicherung zu spüren. - Nau.ch / Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • In Winterthur wurden bei einer Messerattacke am Donnerstagmorgen drei Menschen verletzt.
  • Der verhaftete Täter ist schweizerisch-türkischer Doppelbürger und schrie «Allahu Akbar».
  • Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr sprach von einem Terror-Akt.

Am Bahnhof Winterthur wurden am Donnerstagmorgen drei Menschen bei einem Messerangriff verletzt. Zwei davon mittelschwer, eine Person schwer.

Laut der Kantonspolizei Zürich handelt es sich beim Täter um einen 31-jährigen schweizerisch-türkischen Doppelbürger.

Hast du Angst vor weiteren ähnlichen Angriffen in der Schweiz?

Die Verletzten wurden ins Spital gebracht, der Täter festgenommen. Das Motiv wird noch untersucht. Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr sprach von einem Terror-Akt.

Die Bundesanwaltschaft hat am Freitag Untersuchungshaft für den Winterthurer Messerstecher beantragt. Sie führt ein Strafverfahren wegen Verdachts auf mehrfachen versuchten Mord und Unterstützung einer terroristischen Organisation.

Im Nau.ch-Ticker bleibst du auf dem Laufenden:

Messerangreifer soll sich in Türkei weiterradikalisiert haben

12.00: Die Türkei soll eine zentrale Rolle bei der weiteren Radikalisierung des mutmasslichen Täters gespielt haben.

Während eines Aufenthalts im Jahr 2024 geriet der schweizerisch-türkische Doppelbürger offenbar ins Visier türkischer Anti-Terror-Ermittler.

Laut dem Ankaraer Anti-Terrorismus-Experten Emre Öztürk radikalisierte sich der Mann dort weiter. Und bewegte sich im Umfeld mutmasslicher IS-Unterstützer, wie «20 Minuten» berichtet.

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Die türkische Stadt Ankara. - pexels

Im Rahmen einer Grossrazzia gegen den IS nahmen türkische Sicherheitskräfte im April 525 Verdächtige fest. Ein Teil davon soll laut Öztürk dem erweiterten sozialen und ideologischen Umfeld des Mannes angehört haben.

Die türkischen Behörden sollen jedoch davon ausgehen, dass die Radikalisierung bereits zuvor in der Schweiz begonnen hatte.

Hätte Islamisten-Fachstelle mehr tun müssen?

11.33: Nach dem Messerangriff in Winterthur rückt auch die städtische Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention in den Fokus.

Sie wurde 2016 gegründet, nachdem die An'Nur-Moschee zum Hotspot islamistischer Radikalisierung geworden war. Der mutmassliche Täter galt dort als Stammgast.

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Kriminologe Dirk Baier. - Screenshot SRF

Kritik an der Fachstelle weist Kriminologe Dirk Baier gegenüber SRF zurück. Es sei falsch, ihre Arbeit an einem einzelnen Fall zu messen: «Einzelne Delikte sind nie verhinderbar.»

Die Fachstelle leiste seit zehn Jahren wichtige Präventionsarbeit, vernetze Behörden und berate Menschen bei Verdachtsfällen.

Extreme Ansichten nicht strafbar

Auch Nicolas Galladé, Vorsteher des Departements Soziales der Stadt Winterthur, betont die Grenzen der Fachstelle: Extreme Ansichten seien nicht automatisch strafbar.

Erst wenn Anzeichen für Gesetzesverstösse auftauchten, werde die Polizei eingeschaltet. Die Funktionen der Fachstelle seien die Beratung, Information und Sensibilisierung.

Jans fordert Aufklärung

07.33: Bundesrat Beat Jans hat laut der «Schweiz am Wochenende» nach dem Messerangriff von Winterthur Aufklärung über mögliche Versäumnisse der Behörden gefordert, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet.

jans
Justizminister Beat Jans fordert im Fall des Messerstechers von Winterthur eine Aufklärung dazu, wie der Täter aus dem Radar der zuständigen Behörden gelangt sei. - keystone

«Mich haben die Bilder aus Winterthur schockiert», wurde der Justizminister zitiert. Die entscheidende Frage sei, wie der mutmassliche Täter, der als IS-nah bekannt gewesen sei, «aus dem Radar der für die Überwachung von Extremisten zuständigen Behörden geraten konnte».

Die Forderung nach einem Entzug der Schweizer Staatsbürgerschaft des Doppelbürgers kommentierte Jans mit Verweis auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

Ausbürgerung des Täters wäre ein «Schnellschuss»

03.00: Ob der Winterthurer Messerstecher ausgebürgert werden kann, wie vom Zürcher Sicherheitsdirektor gefordert, wird sich erst nach dem Strafverfahren zeigen. Voraussetzung dafür ist laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) ein rechtskräftiges Urteil wegen einer schweren Straftat.

«Wir sprechen hier von Terrorismus, von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, von organisierter Kriminalität», sagte SEM-Sprecher Daniel Bach am Freitag in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens SRF.

In den letzten Jahren wurde ihm zufolge in zehn Fällen ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, in sieben davon wurde schliesslich der Entzug des Bürgerrechts verfügt.

Staatssekretariat für Migration (SEM)
Wird dem Täter von Winterthur das Bürgerrecht entzogen? - keystone

Alberto Achermann, Professor für Migrationsrecht an der Universität Bern, hält die Forderung nach einer Ausbürgerung im Fall Winterthur entsprechend für einen «Schnellschuss», wie er zu SRF sagte.

Man könne zwar davon ausgehen, dass es sich beim Angriff um eine besonders schwere Straftat handle. Ob der Täter zurechnungsfähig war, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen.

Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr hatte zuvor an einer Medienkonferenz gesagt, er würde den mutmasslichen Täter am liebsten ausschaffen.

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