Mehr Raum für alle: Katzenbach wird zur Anti-Zoff-Zone

Der Katzenbach soll mehr Raum erhalten.

Zwischen Affoltern und Seebach fliesst der Katzenbach meist ruhig dahin. Er führt wenig Wasser und ist nur an einzelnen Stellen zugänglich. Seit Jahrzehnten liegt er in einem engen Korsett: Die Sohle ist verbaut, der Lauf begradigt und die steilen Ufer trennen Wasser und Land voneinander.
Dem Bach fehlt der Raum, sich frei zu bewegen. Auch die einstigen Bachauen, nass, sumpfig und voller Leben, wurden trockengelegt oder aufgefüllt. «Es fehlen strukturelle Vielfalt, natürliche Überschwemmungszonen und vernetzte Lebensräume», so das Tiefbauamt.
Künftig soll der Katzenbach wieder ein natürlicheres Bett erhalten. Bei Starkregen kann das Wasser über ausgewiesene Feuchtgebiete und Landwirtschaftsflächen abfliessen. Ziel sei es, «vielfältige Gewässerstrukturen, naturnahe Uferzonen und Bachauen» zu schaffen, sagte Stadträtin Simone Brander vergangene Woche am Anlass «Affoltern Diagonal».
Entlang des Katzenbachs sind zudem neue Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten und weitere Freiräume geplant. Auch hier kann die Bevölkerung ihre Wünsche und Ideen einbringen, sofern sie sich mit einer naturnahen und landschaftsverträglichen Gestaltung vereinbaren lassen. In Affoltern und Seebach stehen dafür je drei gut erschlossene Flächen in Siedlungs-nähe zur Verfügung – in den Tüfwisen beziehungsweise den Buchwiesen.
Je nach Standort bestehen unterschiedliche Mitwirkungsmöglichkeiten. Tafeln entlang des Katzenbachs informieren derzeit über die Flächen und führen per QR-Code zu weiteren Informationen. Auch der Fuss- und Veloweg entlang des Katzenbachs wird neu gestaltet.
Die gemeinsame Nutzung durch Zufussgehende und Velofahrende sorgt immer wieder für Konflikte. Künftig soll der Weg sicherer, ausreichend breit und hindernisfrei sein und zugleich als Velovorzugsroute dienen. Abseits des Hauptwegs sind zudem kleinere Spazierwege vorgesehen.
Die Neugestaltung des Katzenbachs beschäftigt die Stadt bereits seit Jahren. Der entsprechende Masterplan geht auf das Jahr 2008 zurück, wobei der Hochwasserschutz von Beginn an eine zentrale Rolle spielte. Ein Vorprojekt mit Rückhaltebecken lehnte der Kanton 2014 ab. 2023 wurden die Planungen wieder aufgenommen und die Hochwasserabflüsse auf Grundlage neuer Klimaszenarien und Vorgaben neu ermittelt.
«Dank einer neuen und genaueren Ana- lyse ist heute bekannt, dass die Hochwassergefahr geringer ist als früher angenommen. Dadurch können bei der Revitalisierung Sicherheit und Natur miteinander verbunden werden», hält das Tiefbauamt fest. Bis Mitte Oktober können Interessierte an einer Umfrage teilnehmen und ihre Vorstellungen einbringen. Gefragt wird unter anderem, welche Angebote in den Freiräumen des Quartiers noch fehlen und worauf bei der Gestaltung des Katzenbachs und der neuen Freiräume besonders geachtet werden soll.
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.






