Stadt Zürich

Limmat und Zürisee: Offene Gewässer als Risiko

Ginger Hebel
Ginger Hebel

Zürich,

Limmat und Zürichsee sind beliebte Badeorte – bergen aber Risiken. Experten raten dringend dazu, in offenen Gewässern Hilfsmittel wie eine Boje mitzuführen.

Strömungsverhältnisse führen in offenen Gewässern häufig zu kritischen Rettungssituationen.
Strömungsverhältnisse führen in offenen Gewässern häufig zu kritischen Rettungssituationen. - SAG

Die Schweiz schwitzt. Während der Hitzewelle der vergangenen Wochen sind mehrere Menschen beim Baden verunglückt. Neun von zehn Ertrinkungsunfälle passieren in Seen und Flüssen.

Die grössten Gefahrenpunkte in der Stadt sind die Limmat und der Zürichsee. Männer sind mit rund 83 Prozent der Todesfälle deutlich häufiger betroffen.

Besonders gefährdet sind junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren sowie Personen ab 65 Jahren. In der Stadt Zürich sterben durch Ertrinkungsunfälle im Zehnjahresschnitt etwa ein bis drei Personen pro Jahr.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) zählt schweizweit jährlich rund 50 Ertrinkungstote. Wie das Sportamt der Stadt Zürich auf Anfrage mitteilt, verzeichnen in der laufenden Saison die Bäder Tiefenbrunnen, Mythenquai und Letzigraben die meisten Hilfeleistungen.

zürichsee
Blick auf den Zürichsee. - keystone

Im vergangenen Jahr führten die Bäder Utoquai, Allenmoos und Tiefenbrunnen die Statistik an. Erfasst werden sämtliche Einsätze – von Seilrettungen bis zur Behandlung von Insektenstichen.

«Wir sehen die grösste Gefahr im Unterschätzen der Risiken im Wasser sowie in der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten», sagt Christoph Merki, Mediensprecher der SLRG. Offene Gewässer seien per se gefährlicher als Frei- oder Schwimmbäder, das zeige auch die Ertrinkungsstatistik.

Insbesondere die Strömungsverhältnisse in den Flussbädern führten dort häufiger zu kritischen Rettungssituationen als in klassischen Sommerbädern. Im beliebten Flussbad Oberer Letten an der Limmat wurden im vergangenen Jahr 169 Hilfeleistungen registriert.

In diesem Jahr sind es bis Ende Juni bereits 140. Insgesamt wurden in den Stadtzürcher Sommer- und Flussbädern bis Ende Juni rund 5100 Hilfeleistungen erbracht.

Die Gegebenheiten und lokalen Umstände könnten sich von Tag zu Tag ändern. Eine Risikoanalyse sei daher unerlässlich: Wie steht es um den Pegelstand, die Fliessgeschwindigkeit sowie mögliche Gefahren und Hindernisse im Wasser?

Gehst du gerne im Sommer in Flüssen und Seen baden?

Steine, herabhängende Äste oder Schwemmholz können auch guten Schwimmerinnen und Schwimmern plötzlich zum Verhängnis werden.

Christoph Merki: «Auch ist es wichtig, die eigene Leistungsfähigkeit ehrlich zu beurteilen und nur ins Wasser zu gehen, wenn man sich fit fühlt. Schon eine kurze Schwäche kann im Wasser lebensgefährlich werden.»

Mehr Unfälle bei Senioren

Die SLRG warnt vor veränderten Risikoprofilen. Während Unfälle bei Kleinkindern dank starker Prävention rückläufig sind, steigen die Unfallzahlen bei Seniorinnen und Senioren über 70 Jahren. Experten raten dringend dazu, beim Schwimmen in offenen Gewässern Sicherheitsregeln zu beachten und Hilfsmittel wie eine Schwimmboje mitzuführen.

«Eine Boje gibt im Notfall zusätzlichen Auftrieb und macht einen im Wasser deutlich besser sichtbar. Gerade in Seen und Flüssen können Situationen sehr schnell kippen – etwa durch Strömungen, Kälte, Krämpfe oder Erschöpfung», so Merki.

Eine Boje biete die Möglichkeit, sich festzuhalten, wodurch Panik vermieden werden könne. Noch immer schwimmen fast 40 Prozent der Menschen in Flüssen ohne Auftriebsmittel.

Das Bundesamt für Unfallverhütung (BFU) stellt klar: Eine Schwimmboje ist kein Zeichen mangelnder Schwimmfähigkeit, sondern eine einfache Sicherheitsmassnahme.

Schwimmen
Ein Schwimmer in der Limmat in Zürich. - keystone

Mit zunehmendem Alter steige zudem das Risiko für Kreislaufprobleme oder Erschöpfung – umso sinnvoller sei eine Auftriebshilfe. Das BFU möchte dieses Bild verändern: Die Boje soll so selbstverständlich werden wie andere Schutzausrüstung beim Sport, zum Beispiel der Skihelm beim Skifahren.

Moderne Bojen sind leicht und verfügen oft zusätzlich über ein wasserdichtes Fach für persönliche Gegenstände. Für Flüsse empfiehlt das BFU Modelle mit einer Solltrennstelle, damit sich die Boje lösen kann, falls sie an einem Hindernis hängen bleibt.

Auch kritisch sieht das BFU das Schwimmen ohne Begleitung. Rund jede fünfte Person geht allein ins Wasser. Bei Menschen über 64 Jahren ist es sogar fast jede dritte Person.

Selbst gute und sichere Schwimmerinnen und Schwimmer können plötzlich von einer Schwäche heimgesucht werden oder ermüden.

Christoph Merki betont: «Ertrinken passiert lautlos. Darum immer wieder einen Blick in die Runde werfen, ob sich alle in der Nähe sicher im Wasser bewegen und sich nicht in Gefahr befinden.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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