Limmat-Club Zürich: Leinen los für die «Turicum»

Mit der Taufe des neuen Langschiffs «Turicum» hat sich der Limmat-Club Zürich für einen seiner bedeutendsten Anlässe gerüstet: die Hirsebreifahrt.

Vor Kurzem ging an der Schipfe Neptun mit gekröntem Haupt an Land, sein mächtiger Dreizack glänzte in der Sonne. Der Gott des Meeres, der fliessenden Gewässer und der Stürme, Schutzpatron der Fischer und Seeleute, lächelte den Mitgliedern des Limmat-Clubs Zürich sanft entgegen, und sagte dann bestimmt: «Ich entscheide, ob dieses Schiff sinkt oder nicht.»
Mit dem Schiff meinte der «Neptun» das neue Langschiff des Limmat-Clubs Zürich, das mit einer feierlichen Zeremonie getauft wurde. In Neptuns Gefolge traf auch Taufpate André Graf, Chef der Wasserschutzpolizei, ein.
«Es ist für mich eine grosse Ehre, Pate zu sein», freute er sich. Dabei war es kein Zufall, dass André Graf zum Taufpaten erkoren wurde. «Der Limmat-Club ist 1869 gegründet worden. Er gilt als Vorläufer der heutigen Wasserschutzpolizei, weil die Mitglieder wasserfahr- und schwimmkundig waren und bei Notfällen wie Hochwasser Hilfe leisteten, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren», erklärte Nik Dürst, Präsident des Limmat-Clubs Zürich, die Hintergründe.

André Graf taufte das Langschiff auf den Namen «Turicum». Die Flasche zerbrach erst nach mehreren Versuchen. Umrahmt wurde der feierliche Akt von Fanfaren der Stadtmusik Zürich. Anschliessend unternahm das Langschiff «Turicum» die Jungfernfahrt auf der Limmat.
Das neue Langschiff ist 15 Meter lang und 2,4 Meter breit. Es ist grösstenteils aus Fichten- und etwas Eichenholz gebaut und wiegt rund 1200 Kilogramm. Die Bauzeit betrug 250 Stunden. Bemalt wurde es schliesslich von Ehrenmitgliedern des Limmat-Clubs. Der Limmat-Club Zürich verfügt sowohl über Weidlinge als auch über Langschiffe.

Während Weidlinge schmale, wendige Flachboote für wenige Personen sind, bieten Langschiffe deutlich mehr Platz. Sie werden ungefähr alle 15 Jahre ersetzt, Weidlinge alle acht bis zehn Jahre. Das neue Langschiff bietet Platz für bis zu 30 Personen.
Es kann sowohl von einem 50-PS-Motor als auch mit Muskelkraft angetrieben werden. Für den Ruderbetrieb sind entweder zwei Steuerleute im Heck und vier Stehrudernde im Bugbereich oder zwei Steuerleute mit einer Sechser- oder Achter-Schlagruder-Mannschaft vorgesehen.
Zur Ausstattung zählt auch eine Böllerkanone,mit der bei Ankünften und Brückendurchfahrten Salutschüsse abgefeuert werden können. Die Kosten für das Boot ohne Zubehör beliefen sich inklusive Transport auf rund 44’000 Franken.
Todesfahrt zum Abschied
Das nun getaufte Langschiff «Turicum» ersetzt das in die Jahre gekommene Vorgängerboot. «Wir verabschieden jeweils die ausgedienten Schiffe mit einer Todesfahrt. Anschliessend werden sie zersägt», erzählt Nik Dürst.
«Dieses Jahr unternahmen wir die Todesfahrt am Pfingstsamstag. Sie diente gleichzeitig als Trainingsfahrt für die diesjährige Hirsebreifahrt.» Der Stadtzürcher Traditionsanlass findet vom 19. bis 23. August statt.
Auf dem neuen Langschiff wird der Hirsebrei von Zürich nach Strassburg transportiert. Die Hirsebreifahrt erinnert an ein Ereignis aus dem Jahr 1456: Um die enge Verbundenheit der beiden Städte zu demonstrieren, liessen die Zürcher einen Topf mit heissem Hirsebrei nach Strassburg bringen.
Der Brei soll trotz der rund 240 Kilometer langen Reise noch warm angekommen sein, ein symbolischer Beweis dafür, dass Zürich seiner Bündnispartnerin im Ernstfall rasch zu Hilfe kommen konnte. 1576 wurde die Fahrt einmalig wiederholt. Seit 1946 findet sie als Traditionsanlass im Zehnjahresrhythmus statt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.







