Stadt Zürich

Lichterkette muss weg – Direktorin sauer

Jan Strobel
Jan Strobel

Zürich,

Lichterketten und Lämpchen sorgten auf der Terrasse des Spirgarten für sommerliche Stimmung. Doch die Stadt hat den Stecker gezogen.

brasserie spirgarten zürich
Auf eine abendliche Beleuchtung der Terrasse muss verzichtet werden. - Screenshot Instagram / @brasserie_spirgarten

Seit bei Regula Bürgin, Direktorin des Hotels & Brasserie Spirgarten in Zürich-Altstetten, die Gewerbepolizei vorstellig wurde, herrscht in ihrem Betrieb Konsternation.

Ins Auge gestochen waren den Beamten die elektrische Outdoor-Lichterkette und die LED-Lämpchen auf den Tischen, welche der Terrasse direkt am Lindenplatz abends ein sommerliches Flair verleihen.

Die Terrasse befindet sich auf städtischem Grund. Das Verdikt der Gewerbepolizei war deshalb klar: Regula Bürgin hatte gegen den «Leitfaden zur Boulevardgastronomie» verstossen. Die Beleuchtung musste weg.

«Erlaubt sind fortan nur noch Kerzen», sagt Regula Bürgin. In den Bestimmungen des Leitfadens, herausgegeben vom Tiefbauamt, wird unter anderem festgehalten, dass auf öffentlichem Grund «elektrische Beleuchtungen jeglicher Art» nicht gestattet sind.

Der Leitfaden soll eine «verbindliche und nachvollziehbare Grundlage für die partnerschaftliche Zusammenarbeit» zwischen Stadtverwaltung und Gastronomie schaffen.

Weihnachtsschmuck
Die Beleuchtung musste weg. (Symbolbild) - pexels

Für Regula Bürgin ist das Vorgehen der Stadt weder nachvollziehbar noch partnerschaftlich. «Die Lämpchen störten absolut niemanden», sagt sie.

«Im Gegenteil: Sie verliehen diesem Herz von Altstetten nach dem Eindunkeln eine einladende Atmosphäre, welche der sonst städtebaulich schwierige Lindenplatz dringend nötig hat. Alle reden von einer Aufwertung des Quartiers. Mit solchen Vorgaben wird diese Entwicklung aber torpediert.»

Auch als Gastronomin fühlt sich Regula Bürgin nicht respektiert. Sie befürchtet eine geschäftsschädigende Wirkung, wenn die Terrasse nicht mehr beleuchtet sein darf. «Immerhin zahle ich pro Jahr insgesamt rund 22’000 Franken Gebühren für die Benutzung des öffentlichen Grunds.»

Der Spirgarten leiste einen entscheidenden Beitrag für die Lebensqualität und die Integration in Altstetten, betont Regula Bürgin. «Es fehlt mir einfach die Wertschätzung für unsere Arbeit.» Und sie fragt sich: «Ist der Leitfaden für die Boulevardgastronomie überhaupt rechtsverbindlich?»

Zu helles Licht

«Die im Leitfaden definierten Grundsätze sind rechtsverbindlich und stellen in der Stadt Zürich eine einheitliche und rechtsgleiche Bewilligungspraxis für Aussengastronomie auf öffentlichem Grund sicher», so das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED).

Grundlage für die Bewilligungen ist die Benutzungsordnung für den öffentlichen Grund. Konkretisiert wird sie durch den Leitfaden für Boulevardgastronomie, den der Stadtrat gemeinsam mit den Gastroverbänden Zürcher Hoteliers, Gastro Zürich-City, Zürcher Cafetiers Suisse und Leaders Club Switzerland erarbeiten liess und verabschiedete.

Kannst du das Vorgehen der Stadt hier nachvollziehen?

«Elektrische Beleuchtungen sind auf Flächen für Boulevardgastronomie bereits seit 2008 nicht gestattet», betont das TED. «Dies mit dem Ziel, die Lichtverschmutzung auf Stadtgebiet zu reduzieren. Licht, das zu hell oder unspezifisch in die Umgebung abgestrahlt wird, kann die Tier- und Pflanzenwelt schädigen und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen.»

Momentan prüfe die Stadt ein Postulat, «das die Bewilligung elektrischer Beleuchtung mit Rücksicht auf Flora und Fauna fordert. Es ist geplant, den Leitfaden dahingehend zu ergänzen, dass künftig kleinere Lämpchen, die nicht gegen oben leuchten, erlaubt sein sollen.»

Regula Bürgin fügt sich den Vorgaben, möchte aber als Vorstandsmitglied des Zürcher Hotellerie-Vereins eine Debatte über eine Überarbeitung des Leitfadens anstossen.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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