Jetzt warnt sogar die Kapo Zürich vor Zugschubsern

Pendler sollten beim Warten auf dem Bahnhofperron aufmerksam sein. Die Kantonspolizei Zürich zeigt, wie man sich vor Zugschubsern schützen kann.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantonspolizei Zürich rät, auf dem Perron zwischendurch vom Handy aufzuschauen.
- Das soll helfen, sich gegen Unbekannte zu wappnen, die einen vor den Zug stossen wollen.
- Bahnsteigtüren zum Schutz vor den Zugschubsern sind an Schweizer Bahnhöfen keine Option.
Der einfahrende Zug ist nicht die einzige Gefahr. Auf dem Perron sollen sich Pendlerinnen und Pendler auch vor anderen Personen in Acht nehmen.
Ein Rentner reagierte zu spät. Ein 56-jähriger Deutscher stiess ihn Anfang Februar am Bahnhof Grenchen Nord auf das Gleisbett. Der Senior wurde mit schweren Beinverletzungen ins Spital geflogen.
Das ist kein Einzelfall. Gleisschubser machten bisher aber vor allem in Deutschland Schlagzeilen.
Inzwischen kursieren zahlreiche Tipps, wie man sich vor Gleisschubsern schützen kann. Der deutsche Kickbox-Weltmeister Eric Gold zeigte beispielsweise in einem Instagram-Video, wie sich Pendler vor Attacken schützen können.
Nun doppelt die Kantonspolizei Zürich nach.
«Nicht zu nahe an Perronkante»
Zugschubser kämen zwar nicht sehr oft vor, sagt Mediensprecher Roger Bonetti im Video. Trotzdem wolle die Polizei ein paar Tipps geben, wie man eine solche Situation vermeiden könne.
«Stehen Sie nicht zu nahe an die Perronkante», lautet der erste Tipp. Zudem solle man seitwärts zum Gleis stehen. «Das bringt Ihnen den Vorteil, dass Sie weniger einfach umgestossen werden können und Sie können Ihre Umgebung wahrnehmen.»
Beim Warten auf den Zug vertreiben sich viele Pendlerinnen und Pendler die Zeit mit dem Handy oder Musikhören.
Die Polizei rät deshalb, «zwischendurch einmal aufzuschauen». Auf diese Weise könnten die Pendlerinnen und Pendler ihre Umgebung wahrnehmen.
Weiter ruft Roger Bonetti auf, Auffälliges oder seltsam wirkende Personen sofort dem Bahnpersonal oder der Polizei zu melden. «Ihre Aufmerksamkeit kann in einem solchen Fall entscheidend sein.»
«Frage mich, wo ich eigentlich lebe ...»
Im Netz zeigt sich die Bevölkerung dankbar für die Tipps. Über 2000 Likes zählt das Video auf Instagram.
Herzlichen Dank für die gute Instruktion! Geht bitte auch in die Schulen, um unsere Kinder zu schützen!», fordert eine Userin.
«Danke für die wertvollen Tipps», schreibt ein User. «Dennoch frage ich mich, wo ich eigentlich lebe ...»
Eine weitere Userin findet es «traurig, dass die Polizei überhaupt solche Tipps abgeben muss».
Scheiben trennen Gleise und Perron
In einigen Ländern schützen spezielle Systeme die Pendlerinnen und Pendler auf den Perrons.
In Rom und Mailand kontrollieren Schranken oder Personal die Tickets, bevor die Gäste auf den Perron gehen können. In Spanien dürfen die Pendler erst auf den Perron, wenn der Zug bereits steht und die Gates geöffnet wurden.
In einigen U-Bahnhöfen in London oder auch an Bahnhöfen in asiatischen Städten trennen grosse Scheiben die Gleise von den Perrons. Die Zugänge öffnen sich erst, wenn die Züge stehen.
«Technisch nicht umsetzbar»
Bahnsteigtüren sind bei der SBB aktuell kein Thema, wie SBB-Mediensprecher Moritz Weisskopf auf Anfrage sagt. Im bestehenden Netzbetrieb seien diese technisch auch nicht umsetzbar.
Solche Systeme erfordern laut Weisskopf ein in sich geschlossenes, homogenes System mit einheitlichen Fahrzeugtypen und identischen Türabständen. Dies sei typischerweise bei reinen U-Bahn- oder Metro-Netzen der Fall.
«Das Netz der SBB ist hingegen ein offenes Mischverkehrssystem», sagt der Mediensprecher.
So verkehrten an den hiesigen Perrons die unterschiedlichsten Zugstypen. «Von der S-Bahn über Fernverkehrszüge bis hin zu internationalen Hochgeschwindigkeitszügen – mit stark variierenden Türanordnungen, Einstiegshöhen und Zuglängen.»
Eine Standardisierung durch fixe Abschlusstüren sei in diesem komplexen, integrierten Systembetrieb schlicht nicht möglich. Andernfalls würden die Flexibilität und Kapazität des Gesamtsystems massiv eingeschränkt.










