Infantino streicht Zürcher Kids Geld fürs Sportlager

Die FIFA plant Millionenzahlungen an ihre Verbände. Ein Zürcher Ferienlager muss dagegen auf 50'000 Franken jährlich verzichten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die FIFA streicht dem Zürcher Sport-Ferienlager in Fiesch jährlich 50'000 Franken.
- Rund 650 Jugendliche profitieren jedes Jahr vom vielfältigen Sport- und Freizeitangebot.
- Die Organisatoren suchen neue Geldgeber, um das Lager weiterhin für alle Kinder zugänglich zu machen.
Das Zürcher Sport-Ferienlager im Walliser Dorf Fiesch ist eine Erfolgsgeschichte. Seit 1985 verbringen dort jährlich rund 650 Jugendliche ihre Herbstferien. Sie können aus mehr als 50 Kursen wählen: von American Football bis Yoga, von Sport bis zu Radio-, Zeitungs- und Fernseharbeit.
Die einzige Bedingung: Mindestens die Hälfte des Tages muss Sport auf dem Programm stehen. Das Lager soll ausdrücklich auch jene Kinder erreichen, die sonst wenig mit Sport am Hut haben oder aus finanziell weniger privilegierten Familien stammen.
Sechs Tage kosten pro Kind 420 Franken. Wer sich das nicht leisten kann, erhält Unterstützung von der Stadt. Die Nachfrage ist enorm: Vor Corona waren die Plätze innert einer Minute und 50 Sekunden vergeben.
Inzwischen entscheidet das Los über die Teilnahme. Umso grösser ist die Herausforderung, das Angebot finanziell abzusichern.

Das Gesamtbudget beträgt rund 650'000 Franken. Elternbeiträge decken etwa die Hälfte, öffentliche Subventionen weitere 26 Prozent. Für den Rest ist das Lager auf Sponsoren, Gönner und das Engagement der rund 225 Leiterinnen und Leiter angewiesen.
Die FIFA war während anderthalb Jahrzehnten Hauptsponsor und steuerte jährlich 50'000 Franken bei. Eingefädelt hatte das Engagement der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter. Der Walliser fühlte sich dem Projekt besonders verbunden und war mit dem Zürcher Sportamt vernetzt.
Auch nach Blatters Abgang blieb die Unterstützung bestehen. Dafür setzte sich unter anderem Pascal Zuberbühler ein. Der frühere Schweizer Nationaltorhüter arbeitet heute für die FIFA und machte sich intern für das Lager stark.

Doch vor rund einem Jahr war Schluss. Unter Gianni Infantino strich der Weltverband den Beitrag. Die Begründung lautete gemäss den Veranstaltern, die FIFA beteilige sich als Sponsor nur noch an Anlässen, die am FIFA-Hauptsitz selber stattfinden.
Der Entscheid bringt die Organisatoren in Bedrängnis. Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt das Sportamt der Stadt Zürich den Wegfall des FIFA-Beitrags. Man sei «am Jonglieren», heisst es dort. Der fehlende Betrag reisse eine empfindliche Lücke in die Finanzierung.
Die Interessengemeinschaft Zürcher Sport-Ferienlager (IGZF), die das Camp organisiert, sucht deshalb neue finanzielle Unterstützung. Denn es geht um mehr als um eine Ferienwoche mit Sport und Spiel: Das Lager ermöglicht Begegnungen über soziale Grenzen hinweg und eröffnet Jugendlichen neue Interessen.
Besonders augenfällig ist der Kontrast beim Blick auf die jüngste FIFA-Finanzpolitik. Die geplanten 25 Millionen US-Dollar pro Mitgliedsverband für den Vierjahreszyklus 2027 bis 2030 sollen die weltweite Entwicklung des Fussballs fördern. Für das Zürcher Lager dagegen fehlt der bisherige Beitrag.

Die Jugendlichen haben den Rückzug der FIFA sogar selber zum Thema gemacht. In ihrer diesjährigen Lagerzeitung erschien ein Beitrag mit dem Titel «Ein fast wahres Märchen über fehlende Unterstützung». Ein Märchen ist das Ende des Sponsorings nicht. Die finanziellen Folgen sind real.
Die Hoffnung der Organisatoren: dass sich neue Geldgeber finden, damit das Lager auch künftig offenbleibt für alle Zürcher Kinder – unabhängig davon, wie sportlich sie sind und wie dick das Portemonnaie ihrer Eltern ist.
Hinweis: Autor Thomas Renggli ist Journalist und Buchautor. Er arbeitete zwischen 2012 und 2015 für die Fifa. Heute unterstützt er Sepp Blatter bei der Medienarbeit.






