Gänsehaut in Zürich: 70-jähriger Pianist begeistert sogar die Gen-Z

«Diese Intimität habe ich vermisst.» Ludovico Einaudi machte auf seiner Welttournee Halt in der Zürcher Tonhalle. Der Nau.ch-Konzertbericht.

Das Wichtigste in Kürze
- Der italienische Pianist Ludovico Einaudi begeisterte bei seinem Konzert in Zürich.
- Einaudi fesselte die Tonhalle mit Neoklassik und Minimalismus.
- Das Konzert ohne Handyfotos schaffte eine besondere Intimität und Wirkung.
- Der Nau.ch-Konzertbericht vom Donnerstagvormittag.
«Es ist, als würde ich mit dem Klavier malen», sagt Ludovico Einaudi. «Zwischen den schwarzen und weissen Tasten liegen unzählige Grautöne, die jedes Mal auf neue Weise zur Geltung kommen.»
Der italienische Pianist spielt am Auffahrtsdonnerstag gleich zwei Konzerte in der Tonhalle Zürich.
Ludovico Einaudi füllt die Konzertsäle
Es ist einer von vielen Stopps seiner Welttournee. Und das mit 70 Jahren. Anmerken lässt er sich das Alter nicht.
Mit tosendem Applaus empfängt ihn das Publikum bei der Vorstellung am Vormittag. Besonders viele junge Leute sind gekommen. Von wegen, die Gen-Z interessiere sich nicht für Kultur.

Der Italiener machte sich vor allem als Filmkomponist einen Namen. Seine bekanntesten Beiträge schrieb er für die herzerwärmende Komödie «Ziemlich beste Freunde», im Original «Intouchables».
Sein Stil wird der Neoklassik zugeordnet. Er selbst bezeichnet sich lieber als Minimalist.
Dann sitzt Einaudi an seinem Steinway-Konzertflügel in der Tonhalle. Zwei Stunden lang fesselt er das Publikum. Sanft, aber bestimmt, gleiten seine Hände über die Tasten.
Auch hier trägt er seinen lässigen Filzhut. Neben den repetitiven Triolen und dem wellenartigen Fluss gehört dieser längst zu seinem Markenzeichen.
Pianist lässt sich von klingelndem Handy nicht beirren
Ganz ohne Ablenkung bleibt der Vormittag aber nicht. Noch während des ersten Stücks erklingt plötzlich ein lauter Klingelton aus dem Parkett.
Auch Einaudi nimmt ihn wahr. Er schaut ins Publikum und grinst. Das anfängliche Stöhnen weicht schnell einem herzhaften Gelächter.
Danach hört die Menge wieder gebannt zu.
Das Handy verstummt zwar rasch. Dafür hallt immer wieder Gehuste durch den Saal. Dabei ist die Grippewelle doch längst abgeklungen.

Doch auch das Hustkonzert verstummt irgendwann. Fast scheint es, als entfalte Einaudis Musik eine beruhigende Wirkung.
Das Konzert am Donnerstagvormittag ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Auch am Abend heisst es in der Tonhalle wieder: Full House.
Das Programm spannt einen Bogen durch mehr als 30 Jahre seines Schaffens als Pianist und Komponist.
Ludovico Einaudi: «Habe diese Intimität vermisst»
Sein neustes Album «The Summer Portraits» nahm er gemeinsam mit einem Orchester auf. Auf der Bühne in Zürich steht jedoch nur Einaudi selbst.
Einaudi erklärt auch warum: «Solo zu spielen erzeugt eine ganz andere Intimität. Diese habe ich vermisst.»
Und genau diese Intimität erreicht den Saal. In der Akustik der 2021 wiedereröffneten Tonhalle entfalten seine Werke eine besondere Wirkung. Feinfühlig, warm, charmant.
Dazu trägt auch bei, dass Fotos und Videos während des Auftritts verboten sind. Konzertveranstalter erklärten erst kürzlich gegenüber Nau.ch, Besucher würden den Moment ohne Handy «bewusster erleben».
Bekannteste Stücke gibts zum Schluss
Zum Schluss spielt Einaudi dann einen seiner bekanntesten Hits: «Experience». Ein Titel, der kaum besser zu diesem Konzert passen könnte.
Danach gibt es Standing Ovations. Sichtlich berührt geniesst der 70-Jährige den minutenlangen Applaus. Wahrlich verdient nach den zahlreichen Gänsehaut-Momenten.
Dann verschwindet er durch die Tür, nur um wenig später für die Zugabe zurückzukehren. Und die trifft nochmals mitten ins Herz: «Una Mattina» aus dem Film «Intouchables».
Konzert verpasst?
Die Allblues Konzert AG veranstaltet demnächst ein weiteres Neoklassik-Konzert mit dem niederländischen Pianisten Joep Beving:
am Dienstag, 19.05.2026 um 20 Uhr in der Tonhalle Zürich





