Ex-Firmenchefs fordern im Zürcher Raiffeisen-Prozess Freisprüche

Beim Raiffeisen-Monsterprozess vor dem Zürcher Obergericht haben am Mittwoch mehrere Nebenbeschuldigte ausgesagt. Sie waren bei jenen Firmen tätig, die von der Raiffeisen-Bank aufgekauft wurden und fordern Freisprüche.

«Ich weiss, dass ich nichts falsch gemacht habe», sagte der Mitgründer der Ostschweizer KMU-Finanzierungsfirma Investnet vor Obergericht. Er fordert – wie schon vor Bezirksgericht Zürich – einen vollen Freispruch. «Ich bin der Ansicht, die Raiffeisen schuldet mir Geld, nicht ich ihr.»
Die Übernahme der Investnet durch die Raiffeisen-Bank war der Auslöser für das ganze Verfahren gegen Pierin Vincenz und seinen Kompagnon Beat Stocker. Der Blog «Inside Paradeplatz» hatte 2016 erstmals die Vermutung in den Raum gestellt, dass sich Vincenz im Vorfeld verdeckt an Investnet beteiligt habe, um das Unternehmen dann überteuert durch die Raiffeisen aufkaufen zu lassen.
Der Beschuldigte aus dem Kanton St.Gallen, der am Mittwoch aussagte, soll dabei mit Vincenz und dem anderen Hauptbeschuldigten Beat Stocker zusammengearbeitet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache Gehilfenschaft zu Betrug und aktive Bestechung vor. Dafür soll er mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren bestraft werden. Zudem soll er knapp 13 Millionen zurückzahlen.
Der zweite Investnet-Gründer, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls Anklage erhob, starb Ende 2022 an Demenz. Beim erstinstanzlichen Prozess vor vier Jahren war er bereits nicht mehr zurechnungsfähig. Sein Fall wird dennoch vor Obergericht verhandelt, weil sein Vermögen wegen des Verfahrens gesperrt ist. Die Nachkommen kämpfen vor Obergericht somit um das Millionen-Erbe.
Ebenfalls befragt wurde am Mittwoch ein Immobilien-Händler aus dem Kanton Bern, der heute in der Westschweiz wohnt. Er war Hauptaktionär von Eurokaution, einer kleinen Firma für Mietkautionsversicherungen. Vincenz und Stocker hätten sich auch an dieser Firma im Voraus heimlich beteiligt, so die Anklage.
Die Kreditkartenfirma Aduno, bei der Beat Stocker Chef und Pierin Vincenz Verwaltungsratspräsident war, übernahm das Unternehmen schliesslich. Der Hauptaktionär soll in diese Machenschaften verstrickt gewesen sein.
Der Berner soll Vincenz zudem zwei Millionen Franken dafür geboten haben, dass die Raiffeisen das Thuner Fussballstadion kauft. Der Beschuldigte war dort Mitinvestor. Der Deal kam jedoch nicht zustande, heute heisst die frühere Stockhornarena «Visana-Stadion», benannt nach einer Krankenkasse.
Die Anklage fordert für ihn eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten, wobei er 12 Monate absitzen soll. Zudem soll er zwei Millionen zurückzahlen.
Der Monster-Prozess wird mit der Befragung von weiteren Nebenbeschuldigten fortgesetzt. Danach folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und allen Anwälten, was mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte. Alleine der Anwalt von Pierin Vincenz will rund fünf Stunden plädieren, der Staatsanwalt gar rund sechs Stunden.
Bisher blieben alle Beteiligten bei ihren Darstellungen, die sie auch schon vor vier Jahren am Bezirksgericht Zürich erzählten. Wann das Obergericht das Urteil eröffnet, ist noch unklar, sicher aber nicht in der kommenden Woche. Angesichts des Ausmasses, das dieser Prozess angenommen hat, dürfte das Gericht längere Zeit für die Urteilsberatung benötigen.
Ebenso klar ist es, dass der Raiffeisen-Prozess noch ein Fall fürs Bundesgericht wird. Bis rechtskräftige Urteile vorliegen, dürfte es also noch einige Zeit dauern.






