Bewaffnete Polizei trabt bei Personalgespräch in Zürcher Schule an

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Greifensee,

Ein Personalgespräch und zwei bewaffnete Polizisten vor der Tür. Was sich in einer Ustermer Schule abgespielt haben soll, beschäftigt nun auch die Lokalpolitik.

Motto
Das Motto der Schule Pünt in Uster: «Respekt» - primarschule-uster.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Schule in Uster wurde die Polizei zu einem Personalgespräch eingeladen.
  • Die betroffene Mitarbeiterin bemerkte dies und stellte die Beamten zur Rede.
  • Der Vorfall fügt sich in eine wachsende Liste von Kritik an der Schulleitung ein.

Ein Personalgespräch in einer Schulverwaltung verläuft normalerweise unspektakulär. Ein Tisch, zwei oder drei Personen, vielleicht ein Protokoll. Vor allem aber: Ein respektvoller Umgang.

So zumindest formuliert es das Schulhaus Pünt in Uster ZH auf seiner Webseite. «Bei uns begegnen sich Schülerinnen, Schüler und Lehrerschaft mit Wohlwollen und Respekt», heisst es dort. Respekt – das sei das Leitmotiv der Schule.

Ein Gespräch im November 2023 soll jedoch einen ungewöhnlichen Rahmen gehabt haben, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Und er lässt an den Werten der Schulleitung zweifeln.

Vor der halb geöffneten Tür standen zwei Männer. Ohne Uniform, aber bewaffnet. Es waren Polizisten.

Unerwartete Zuhörer

Auslöser des Vorfalls war eine Einladung des Leiters der Schulverwaltung, Guido Schär. Er hatte einer Mitarbeiterin zuvor eine «Verwarnung ohne Rechtsfolge» ausgesprochen und sie anschliessend zu einem Personalgespräch vorgeladen.

Während dieses Gesprächs bemerkte die Mitarbeiterin, dass sich zwei Personen vor der halb geöffneten Tür aufhielten. Sie unterbrach das Gespräch, öffnete die Tür und verlangte, dass sich die beiden vorstellen.

Die Beamten erschienen laut einem internen Protokoll ohne Uniform, jedoch bewaffnet. Über ihre Anwesenheit war die Mitarbeiterin im Vorfeld nicht informiert worden, schreibt die Zeitung.

Gemeinderat greift Vorfall politisch auf

Der ungewöhnliche Einsatz blieb nicht ohne politische Folgen. Am 19. Januar 2026 griffen mehrere Mitglieder des Ustermer Gemeinderats den Vorfall in einer Anfrage auf.

Vertreter von FDP, SVP, GLP und BPU formulierten darin eine Reihe von Vorwürfen gegen Schulverwaltung, Schulleitung und Schulpflege.

Besonders kritisch sehen sie, dass Personalgespräche offenbar unter Polizeischutz geführt wurden. Zudem existiert zu dem Einsatz kein offizieller Polizeirapport.

Handelte es sich also um eine Machtdemonstration?

Die zuständige Stadträtin und Sicherheitsvorsteherin Beatrice Caviezel (GLP) weist diesen Vorwurf zurück. Hintergrund des Polizeieinsatzes seien Äusserungen beziehungsweise Verhaltensweisen der betroffenen Person gewesen, die dem Amtsgeheimnis unterlägen.

Die Mitarbeiterin bestreitet dies. Sie habe weder kritische Aussagen gemacht noch ein Verhalten gezeigt, das einen Polizeieinsatz gerechtfertigt hätte.

Schule spricht von üblichem Vorgehen

Die Schulbehörde weist den Vorwurf einer Machtdemonstration zurück.

Die Stadtpolizei sei für ein konkretes Gespräch beigezogen worden, um bei einer möglichen Eskalation den Schutz aller Beteiligten sicherzustellen. Dieses Vorgehen sei «üblich in allen Abteilungen der Stadt».

Darauf verweisen die Schulpflegepräsidentin Patricia Bernet und der Gesamtschulleiter Markus Zollinger in einem Schreiben vom 10. Februar 2026. Als Grundlage nennen sie Paragraf 6 des Zürcher Polizeigesetzes.

Hätte die Schule in diesem Fall anders handeln sollen?

Doch der Vorfall ist Teil einer breiteren Kritik. Zwei weitere Angestellte der Schule haben Rekurse eingereicht, die derzeit noch hängig sind.

In einem Fall hat die Schule laut Schulpflegepräsidentin Patricia Bernet bislang rund 37’000 Franken für externe juristische Beratung ausgegeben.

Auch personelle Veränderungen sorgen für Diskussionen. In den vergangenen zwei Jahren haben 22 Mitarbeitende – darunter zehn Klassenlehrpersonen – das Schulhaus verlassen oder wurden länger krankgeschrieben.

Die Schulbehörde relativiert diese Zahlen jedoch. Diese Schwankungen seien «vergleichbar mit der Fluktuation aller Schuleinheiten».

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