Beulendoktor: «Zurzeit arbeite ich bis zu 16 Stunden am Tag»

Marc Rösch ist seit 22 Jahren Dellentechniker und dabei unter anderem auf Hagelschäden an Fahrzeugen spezialisiert. Derzeit arbeitet er fast pausenlos.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Hagelschlag von Ende August hat viele bis hin zur Existenzbedrohung getroffen.
- Eine der Branchen, die es in der Region Winterthur besonders hart erwischt hat, ist das Automobil-Gewerbe.
- Die Nachbearbeitung läuft auf Hochtouren, insbesondere bei Dellendrückern wie Marc Rösch.
Kurz nachdem am Freitagmorgen, 28. August, um 10 Uhr grosse Teile der Region Winterthur massiv von bis zu 7,5 Zentimeter Hagelkörnern getroffen wurde, läutete bei Marc Rösch das Telefon Sturm.
Der gebürtige Neftenbacher hatte sich als gelernter Karosserie-Spengler vor 22 Jahren als mobiler Dellentechniker – umgangsprachlich auch Beulendoktor oder Beulendrücker genannt – selbstständig gemacht.
Seither zieht oder drückt er im Auftrag von Automobil-Unternehmern im Alltag Parkbeulen aus Fahrzeugkarosserien. Für die kommenden Monate wird Rösch jedoch mit dem Ausbeulen von Hagelschäden auf Autodächern, Heck- und Fronthauben beschäftigt sein.

«Zurzeit arbeite ich bis zu 16 Stunden am Tag, ein solches Hagelschlag-Ausmass habe ich noch nie erlebt», meint er, während er in der Werkstatt der Stadt-Garage Rimini hochkonzentriert per Spezialwerkzeug mit einer flinken Armbewegung kleinere Dachbeulen rauszieht, um danach leichte Erhöhungen mit einem Präzisionshämmerchen so zu korrigieren, dass selbst unter dem Licht seiner Spezialleuchte nichts mehr auf einen Schaden hindeutet.
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«Nach dem Hagelschlag Mitte Juli konnten wir so die meisten Karosserieschäden beheben. Diesmal aber mussten wir bereits einige Reparaturen ablehnen, da die Dellen und damit verbundenen Lackschäden zu gross sind, sich ein Ausbeulen auch preislich einfach nicht mehr lohnt», so Rösch.

Dabei rühren die grossen Schäden nicht nur von der Grösse der Hagelkörner her. Diese waren zusätzlich vielfach nicht rund, sondern kantig und mit voller Wucht durch den Windeinfluss schräg auf die Fahrzeugbleche aufgeprallt.
Selbstverständlich sei er bemüht, kurzfristig zusätzliche Mitarbeiter zu rekrutieren, um die vielen Anfragen annehmen zu können, meint Rösch. Richtig gute und erfahrene Dellendrücker zu finden, sei aber schwierig.
«Ich muss mich auf sie verlassen können, ansonsten führe ich die Aufträge lieber selber aus», meint er. Zumindest im administrativen Bereich wird er tatkräftig von seiner Frau unterstützt.

Marc Rösch betont: «Auch wenn wir durch unsere Arbeit von diesem für viele schlimmen Naturereignis profitieren, sehe ich unsere Arbeit auch als ganz kleinen Beitrag, hart getroffenen Garagen-Betreibern in kleinen Schritten wieder zurück zur Normalität zu verhelfen. Dafür legen wir gerne Sonderschichten ein und ein Verzicht unter anderem auf unsere geplanten Herbstferien wird zum Selbstverständnis.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.







