80-Stunden-Woche - «Ich arbeite auch so viel»

Gemischte Reaktionen auf den On-Manager, der bis 80 Stunden pro Woche arbeitet: Nau.ch hat auf den Strassen Zürichs nachgefragt, was sie vom Mega-Pensum halten.
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Das Wichtigste in Kürze
- Caspar Coppetti hat als On-Chef reichlich zu tun - und spricht von einer 80-Stunden-Woche.
- Nau.ch hat bei Schweizern den Puls gefühlt: Wäre das auch etwas für sie?
- Von Ablehnung bis hin zu selbstständigem Dauerbetrieb: Die Schweizer sind sich uneins.
«Die Woche hat 80 Stunden», sagt Caspar Coppetti in einem Interview – und lächelt. Kein Wunder – als Mitgründer und Co-CEO des Sportartikelherstellers On hat er alle Hände voll zu tun.
Schon der nächste Satz im selben Atemzug sorgt aber für Stirnrunzeln: «Das wissen wir ja alle», fügt Coppetti an. Auch wenn er die 80 Stunden nicht wörtlich meint, ist klar: Beim Schweizer Sportartikel-Hersteller arbeiten die Chefs hart.

Jedoch sitzt nicht jeder im Chefsessel – und nicht jeder handhabt die sogenannte «Work-Life-Balance» gleich.
Daher hat Nau.ch bei Zürchern nachgefragt, ob eine 80-Stunden-Woche etwas für sie wäre. Und die Meinungen gehen auseinander.
«Selber und ständig, immer!»
Klare Worte findet die 20-jährige Aurelia. Für sie sei das «absolut nichts». Bei Herr und Frau Schweizer «kommt die Lebensqualität ohnehin zu kurz», findet die junge Frau. Mit 8,5 Stunden pro Tag sei sie daher gänzlich zufrieden.
Ganz anders sieht der Alltag von Linus (29) aus. Er ist selbstständig und arbeitet daher «auch etwa so viel, wenn nicht mehr». Seine Berufsbezeichnung nimmt er wörtlich: «Selber und ständig, immer!»
Unterschiedlich gehen die Lebensrealitäten weiter. «Ich glaube nicht, dass ich das könnte», sagt der 23-jährige Erich lachend. «Ich bin jemand, der lieber etwas Pause macht.» Er selbst arbeitet bei 100 Prozent 8,5 Stunden pro Wochentag.
Ungefähr so viel arbeitet auch der 30-jährige Martin – Der erst noch unschlüssig ist über seine Meinung zur 80-Stunden-Woche.
Nachdem er jedoch den potenziellen Verlust seiner Freizeit bedenkt, kommt auch er zum Schluss: «Zehn Stunden pro Tag wären wahrscheinlich nichts für mich.»
Über diese Schichtdauer können manche wohl nur lachen. So zum Beispiel Angelika (56). Als Hausfrau herrscht bei ihr 24-Stunden-Betrieb – aber «im légèren Tempo», wie sie bemerkt.
Acht Stunden – zu viel oder zu wenig?
Die meisten Menschen – das widerspiegeln auch die befragten Passanten – kommen auf ungefähr acht Arbeitsstunden pro Tag. Und sind damit auch zufrieden – bis auf den pausenliebenden Erich.
«Sobald mein Vertrag vorbei ist, würde ich gerne etwas runterschalten und vielleicht nur noch 80 Prozent arbeiten», erklärt er.
Und wie zufrieden ist eigentlich der selbstständige Linus mit seinem grossen Pensum? «Es macht mir Spass, sonst würde ich es ja nicht tun.»
Er habe sich schliesslich freiwillig für diesen Arbeitsalltag entschieden. Dennoch bemerkt der Dauerbeschäftigte schmunzelnd: «Ab und zu kann man sich etwas mehr Pause leisten.»
In dem Punkt dürfte ihm auch Aurelia beipflichten. Auf etwas mehr freie Zeit hofft sie insbesondere im Alter. Für sie ist jedoch momentan die Hauptsache, «dass es nicht noch mehr wird».
Denn Stress ist im Arbeitsalltag von Schweizern normal: In der neusten Arbeitnehmer-Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup geben 34 Prozent der Befragten an, täglich gestresst zu sein. Das sind vier Prozent mehr als noch im Vorjahr.











