Stadt Zürich

56’000 Fr. im Monat: Jetzt gibt’s Ami-Löhne in Zürich

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger, Nicola Wittwer

Zürich,

Anthropic schreibt in Zürich KI-Stellen mit einem Jahreslohn von bis zu 680'000 Franken aus. Der hohe Betrag erstaunt – Wird er zur Normalität?

Anthropic
Anthropic zieht es nach Zürich. Der Hersteller des Sprachmodells Claude lockt KI-Spezialisten mit hohem Lohn. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einem Jahreslohn von bis zu 680'000 Franken lockt Anthropic in Zürich KI-Spezialisten.
  • Dieser Lohn sei realistisch, sagen zwei Experten zu Nau.ch.
  • Die Zahlungsbereitschaft bei KI-Firmen sei gross – dieser Lohn aber die Ausnahme.

KI-Entwickler lassen sich die besten Arbeitskräfte so einiges kosten. In den USA etwa locken die Tech-Grössen Ingenieure mit Millionen-Gehältern.

Auch in der Schweiz wird die Mitarbeit bei KI-Unternehmen überdurchschnittlich entlohnt.

Das US-Unternehmen Anthropic betreibt in Zürich seit Herbst 2024 seinen dritten Standort in Europa. Dazu hat der Produzent des Sprachmodells Claude eine finanziell lukrative Stelle ausgeschrieben.

Ein Blick ins Inserat zeigt: Für den Job als «Research Engineer / Research Scientist, Pre-training» wartet ein Jahreslohn von 280'000 bis 680'000 Franken. Bei letzterer Zahl wären dies auf den Monat gerechnet über 56'000 Franken. Wie bitte?

Anthropic
Für diese Stelle stellt die KI-Firma Anthropic einen Jahreslohn von 280'000 bis 680'000 Franken in Aussicht. - job-boards.greenhouse.io

Gerade Zürich ist für einen KI-Entwickler wie Anthropic eine attraktive Adresse. Die ETH Zürich und auch jene in Lausanne ziehen junge Talente in die Region. Profitiert nun auch Anthropic davon?

US-Löhne kommen in die Schweiz

Dass die Unternehmen KI-Ingenieure mit hohen Summen locken, ist der ETH Zürich nicht entgangen.

«Um die besten Köpfe für die Entwicklung von KI-Modellen scheint ein regelrechter internationaler Preiskampf ausgebrochen zu sein», sagt Michael Siegenthaler, ETH-Ökonomieprofessor am KOF-Institut der ETH Zürich zu Nau.ch.

KI ETH Zürich
Michael Siegenthaler sieht bei KI-Unternehmen eine grosse Zahlungsbereitschaft. - ETH Zürich / Kilian Kessler

Dieses Konkurrieren spiegle sich in den teilweise sehr hohen Gehältern wider. «Ähnlich war es vor 30 Jahren, als der Preiskampf um die besten CEOs ausbrach. Hier werden US-amerikanische Bezahlungsverhältnisse in die Schweiz importiert.»

Die für die Zukunft erwartete Marge und die Investitionen seien für die KI-Firmen sehr hoch, sagt Siegenthaler. «Daher ist die Zahlungsbereitschaft vorhanden. Ich erachte die genannten Gehälter daher nicht als unrealistisch.»

680'000 Franken «sind die Champions League»

Mike Schwede, Dozent und AI Consultant, schätzt das Alter der KI-Spezialisten auf etwa 35 bis 40 Jahre. Den Ph.D.-Titel (Doktortitel) erhalte man etwa im Alter von 28 bis 32 Jahren, daraufhin folge Berufserfahrung.

Der AI Consultant bezeichnet das Gehalt von 680'000 Franken ebenfalls als realistisch. Es sei «aber eine absolute Ausnahme, die man richtig einordnen muss».

Denn: Es handle sich nicht um ein klassisches Jahresgehalt, «sondern um sogenannte ‹Total Compensation›-Pakete». Dabei seien der Grundlohn, ein allfälliger Bonus und Aktienanteile zusammengerechnet.

Diese Pakete gebe es primär bei Big-Tech-Unternehmen wie Googles DeepMind, Apple und Meta an Standorten wie Zürich, München oder London.

Schwede: «Und selbst dort nur für eine sehr kleine Gruppe: Principal AI Research Scientists oder Staff Machine Learning Engineers, die neuronale Architekturen grundlegend weiterentwickeln oder die globale Skalierung grosser Sprachmodelle verantworten.»

Des Weiteren kämen einmalige Bonus-Zahlungen beim Stellenwechsel dazu, die laut Schwede das Bild eines Dauergehalts zusätzlich verzerren.

Der Experte schätzt das Mediangehalt für KI-Entwicklerinnen und -Entwickler in Zürich eher auf 120'000 bis 180'000 Franken. «Die 680'000 sind die Champions League – nicht die Norm.»

Die Skills hinter dem hohen Lohn

Drei Faktoren sind laut Schwede entscheidend, ob man für ein Gehalt dieser Klasse infrage kommt.

Wissenschaftliche Tiefe: «Spitzenpositionen verlangen in der Regel einen PhD und eigene Publikationen. Wer nur Modelle anwendet, ist ersetzbar. Wer Transformer-Architekturen und Optimierungsalgorithmen von Grund auf versteht, repariert und verbessert, nicht.»

Skalierungserfahrung: «Ein KI-Modell im Labor zu entwickeln, ist das eine. Es stabil für Millionen Nutzerinnen und Nutzer bereitzustellen, ist das, wofür Unternehmen Spitzengehälter zahlen.»

Mike Schwede Künstliche Intelligenz
Mike Schwede ist Experte im Bereich Künstliche Intelligenz. - zVg

Und: Die KI-Unternehmen belohnen eher Wertschöpfung als Führungsverantwortung. «In klassischen Unternehmen verdient der CEO am meisten. Bei Big Tech und KI-Laboren verdient oft der Staff Engineer oder Lead Researcher mehr als sein direkter Vorgesetzter.»

Denn wer dem Unternehmen mit seiner Arbeit hunderte Millionen spare, werde entsprechend entlohnt – «unabhängig davon, ob er ein Team leitet oder nicht. Führungserfahrung ist ein paralleler Pfad, der ebenfalls gut zahlt, aber keine Voraussetzung für Spitzengehälter ist.»

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Bei den sehr hohen Gehältern würden zudem Lösungen erwartet für Probleme, «für die es noch kein Handbuch gibt. Wenn ein Modell in der Produktion halluziniert oder Sicherheitslücken zeigt, trägt man die direkte Verantwortung.»

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