44 Bussen: Flohmi-Frust in Zürich!

Eine Polizeikontrolle am Bürkli-Flohmi sorgt für Unverständnis. Standbetreiber kritisieren zahlreiche Bussen und eine unverhältnismässige Vorgehensweise.

Eine Polizeikontrolle war am letzten Samstag das grosse Gesprächsthema am Flohmarkt Bürkliplatz. Die Stadtpolizei Zürich hatte eine Woche zuvor die Stände kontrolliert und zahlreiche Bussen ausgesprochen.
«Wir sind seit 50 beziehungsweise 43 Jahren dabei, so eine Schikane haben wir aber noch nie erlebt», sagen etwa Christian Michelsen und Monika Luck. Letztere präsidiert die Vereinigung Zürcher Flohmarkt.
Was ist passiert? Am Samstag, 26. September, waren vier Mitarbeitende der Polizei in Zivil und in zwei Teams aufgeteilt auf dem Flohmarkt unterwegs. «Wegen kleinster Vergehen wurden Bussen ausgesprochen», erzählt Luck.
Etwa wenn Tische nur wenige Zentimeter über die grünen Markierungen hinausragten, welche die Standflächen definieren. Die Busse dafür: 80 Franken.
Kontrolliert wurde auch, ob unerlaubterweise Neuwaren angeboten wurden. In solchen Fällen blieb es nicht bei einer Ordnungsbusse, sondern es kam zu einer Verzeigung. Gerade hier kritisiert Luck die Vorgehensweise besonders.
«Es fehlte den Beamten die Erfahrung.» So seien ihrer Ansicht nach nicht nur einzelne Händler zu Unrecht beanstandet worden, sondern andere Stände mit offensichtlichen Neuwaren oder Billigprodukten «Made in China» unbehelligt geblieben.
Ein Rundgang des «Tagblatts» am vergangenen Samstag zeigt: Luck und Michelsen sind mit ihrem Ärger nicht allein. Zahlreiche Standbetreibende empfinden die Polizeikontrolle als unverhältnismässig und kritisieren insbesondere die aus ihrer Sicht ungleiche Behandlung.

So sei eines der beiden Beamtenteams deutlich toleranter gewesen. Nicht alle seien dadurch für eine Überschreitung ihrer Fläche bestraft worden. Namentlich äussern wollen sich allerdings nur wenige. Mehrere sagen, sie fürchten Nachteile bei künftigen Kontrollen oder bei der Vergabe ihrer Standplätze.
Und so mancher überlegt sich, nächste Saison keinen Stand mehr zu mieten. Bereits der Umbau der Stadthausanlage habe den Bürkli-Flohmi belastet . Nun müsse man zusätzlich befürchten, wegen Kleinigkeiten bestraft zu werden.
So erzählt ein Märktler, er habe seinen Stand nur wenige Zentimeter näher an einen Baum gerückt, um zu verhindern, dass sich Leute durch die Lücke zwängen und dabei antike Ware vom Tisch stossen. «Ich habe nicht mehr Platz gebraucht und wurde trotzdem dafür gebüsst.»
Eine andere Standbetreiberin berichtet, dass zwei ausgestellte Bilder etwas neben der grünen Linie waren. Auch hier habe die Polizei keine Toleranz gezeigt. Während manche die Busse bezahlen wollen, überlegen sich andere, dagegen vorzugehen.
Die Ombudsstelle sei laut Luck bereits informiert worden. Ein grosser Kritikpunkt: Man hätte die Standbetreibenden zunächst auffordern können, ihren Stand um die paar Zentimeter zu verschieben, bevor eine Busse ausgesprochen wurde.
Stadtpolizei widerspricht
Die Stadtpolizei widerspricht dem Vorwurf, die Kontrolle sei überraschend oder ohne Anlass erfolgt. Bereits Ende August habe sie eine Bestandesaufnahme durchgeführt, sagt Judith Hödl, Mediensprecherin der Stadtpolizei.
Dabei sei festgestellt worden, dass sich rund die Hälfte der Standbetreibenden nicht an die Vorgaben gehalten habe, insbesondere bei der Standplatzzuteilung, der Bewilligungspflicht sowie beim Anbieten und Verkaufen neuer, ungebrauchter Gegenstände.
Die Betroffenen seien darauf aufmerksam gemacht worden. Auch die Hilfspersonen vor Ort habe man sensibilisiert. Im September sei zudem auf die Missstände hingewiesen und eine gezielte Kontrolle in Aussicht gestellt worden.
Diese folgte am 26. September. Rund 250 Händlerinnen und Händler wurden laut Stadtpolizei kontrolliert. Dabei sprach sie 44 Ordnungsbussen wegen Missachtung der Standplatzzuteilung oder der Bewilligungspflicht aus.

Hinzu kamen sechs Verzeigungen: vier wegen des Verkaufs neuer, ungebrauchter Ware sowie zwei gegen Musiker. Die Stadtpolizei betont, dass sämtliche Stände kontrolliert worden seien. Entgegen einem weiteren Vorwurf habe es keine Unterscheidung zwischen Tages- und Saisonplätzen gegeben.
Beim Bürkli-Flohmi handle es sich zudem ausdrücklich um einen Gebrauchtwarenmarkt. Nicht erlaubt seien deshalb der Verkauf ungetragener Kleidung, neuer Schuhe, originalverpackter Kosmetik- und Pflegeprodukte, neu gekaufter Haushaltsartikel oder neu hergestellter Gegenstände.
Bei den langjährigen Standbetreibenden lindert diese Erklärung den Ärger nur bedingt. Sie bestreiten nicht, dass es Regeln brauche. Was sie stört, ist die Art und Weise, wie diese durchgesetzt würden.
Christian Michelsen sieht dadurch gerade das gefährdet, was den Bürkli-Flohmi seit über 50 Jahren ausmache: «Es ist schade, wenn man einen traditionellen Flohmarkt nicht einfach leben lässt, sondern ihm mit immer mehr Bürokratie die Farbe nimmt.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








